Infineon-Titel verlieren fast fünf Prozent - Hoher Ölpreis belastet
Ölpreisanstieg und Anschläge lassen Anleger nervös werden

Der hohe Ölpreis und die neuen Terroranschläge im Nahen Osten haben zum Wochenauftakt nicht nur den deutschen Aktienmarkt unter Druck gesetzt. Der Leitindex Dax fiel zum Börsenschluss auf 3 754 Punkte und erholte sich damit etwas von seinem Tagestief bei 3 710 Punkten. Der MDax verlor 2,75 Prozent auf 4 589,03 Zähler und der TecDax gab 4,01 Prozent auf 526,78 Punkte ab. Händler sprachen allerdings von geringen Handelsumsätzen.

HB FRANKFURT. Frankfurter Händler verwiesen außerdem auf die Erholung der Kurse an der Wall Street, die der Dax nachgezeichnet habe. Bis 17.30 Uhr MESZ hatten die US-Aktien ihre Verluste etwa halbiert. Zu den größten Verlierern im Dax zählten die Aktien von Infineon, Continental, Tui und Münchener Rück.

„Die Anschläge in der Türkei und im Irak haben wieder ins Bewusstsein gerufen, dass jederzeit etwas passieren kann. Daher stehen heute die globalen Ängste im Mittelpunkt“, sagte ein Händler. Gegenüber seinem im Januar erreichten Jahreshoch von 4 175 Punkten hat der Dax nun wieder rund zehn Prozent an Wert verloren. Viele Händler äußerten sich skeptisch über die Aussichten für die Aktien. Sollte die 3 700er Marke fallen, sei ein Rückgang des Dax bis auf 3 500 nicht ausgeschlossen, sagte Kristian Hoenen, Aktienhändler bei der WestLB in Düsseldorf.

Auslöser der Verunsicherung sei die Lage im Irak, die offenbar weit davon entfernt sei, sich zu normalisieren, sagte ein Händler. Wenige Wochen vor der geplanten Machtübergabe war am Montag der Chef des irakischen Regierungsrates, Issedin Salim, bei einem Selbstmordanschlag getötet worden. Darüber hinaus erinnerten die Explosionen kleinerer Sprengsätze vor türkischen Filialen der britischen HSBC-Bank im Vorfeld eines Türkei-Besuchs des britischen Premierministers Tony Blair an die schweren Anschläge vom Herbst 2003 in Istanbul.

Dazu komme der hohe Ölpreis, der nicht nur die Produktionskosten der Unternehmen, sondern auch die Inflationsrisiken erhöhe und so die Spekulationen auf eine nachhaltige Zinswende in den USA anheize. Mit steigenden Zinsen nehmen für die Unternehmen die Kreditkosten zu, was zu Lasten der Investitionstätigkeit und des Wirtschaftswachstums geht.

Gewinnmitnahmen brachten vor allem die Titel von Continental unter Druck. Der Aktienkurs fiel um 4,5 Prozent auf 34,30 Prozent. Selbst unter Berücksichtigung des Dividendenabschlags von 52 Cent gehörten die Aktien noch zu den größten Verlierern.

Ebenfalls auffallend schwach tendierten Infineon, die gut drei Prozent auf 10,18 Euro verloren. Händler begründeten dies auch mit dem 15-prozentigen Einbruch des Aktienkurses des koreanischen Konkurrenten Hynix. Die Nachricht, wonach der Konzern eine komplette Trennung von seinem extrem schwankungsanfälligen Speicherchip-Geschäft ausschließt, spielte dagegen zunächst kaum eine Rolle, hieß es.

Die Aktien von Münchener Rück verloren 2,3 Prozent auf 81,98 Euro. Händler begründeten dies unter anderem mit dem Zwischenbericht der Swiss Re, der viele Investoren nach Einschätzung von Händlern nicht überzeugte.

Die Lufthansa-Aktien, die in den vergangenen Wochen schon aufgrund des hohen Ölpreises stark an Wert verloren hatten, gingen mit einem Tagesverlust von 0,7 Prozent auf 11,94 aus dem Handel und schlossen damit besser als der Dax. Demgegenüber gerieten nun wegen der Angst vor neuen Anschlägen die Aktien von Tui unter Druck. Der Kurs rutschte um 2,5 Prozent auf 16,74 Euro.

Den Führungswechsel bei Karstadt-Quelle honorierten die Investoren zunächst mit Aktienkäufen. Der Kurs schnellte zeitweise um 6,5 Prozent auf 17,17 Euro in die Höhe. Die Börsianer begrüßten die Ablösung von Vorstandschef Wolfgang Urban, der wegen seiner Strategie und der schwachen Ergebnisentwicklung in die Kritik geraten. Nachdem Aufsichtsratschef Hans Meinhardt in einem Reuters-Interview aber Zukäufe im Ausland ankündigte und dabei auch eine Kapitalmaßnahme als denkbar beschrieb, drehte der Kurs kurz vor Handelsschluss 0,4 Prozent ins Minus auf 16,06 Euro.

Händler verwiesen ansonsten darauf, dass bei den mittelschweren Aktien am Montag besonders viele Investoren Kasse machten. So zählten mit Puma und Krones die größten Gewinner der vergangenen sechs Monate zu den schwächsten Aktien. Der MDax, der noch am 26. April mit 5117 Punkten ein Rekordhoch erreicht hatte, fiel um 2,75 Prozent auf 4589 Punkte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%