Internationaler Aktienhandel
Europa-Börsen: Alte Ängste neu entdeckt

Schwache US-Konjunkturdaten haben den Rezessionsängsten vieler Anleger am Freitag neue Nahrung gegeben und die Talfahrt der europäischen Börsen beschleunigt. Unter Verkaufsdruck standen vor allem die Finanzwerte, die zusätzlich von der Warnung des US-Notenbankchefs Ben Bernanke vor Bankenpleiten belastet wurden.

rtr FRANKFURT. Der Dow Jones Stoxx50 der größten europäischen Börsenwerte fiel um zwei Prozent auf 3176 Punkte. Gleichzeitig gab der EuroStoxx50 der wichtigsten börsennotierten Firmen der Euro-Zone um 1,9 Prozent auf 3713 Zähler nach.

Bernanke hatte am Vortag gesagt, einige kleinere Banken könnten die Subprime-Krise nicht überleben. „Der Markt ist noch immer sehr nervös, und die Banken sind nach wie vor Hauptgesprächsstoff“, sagte Analyst Keith Bowman vom Investmenthaus Hargreaves Lansdown. Außerdem signalisierte der am Nachmittag veröffentlichte Konjunkturindex der Einkaufsmanager aus dem Großraum Chicago eine schrumpfende Wirtschaft.

Zu den größten Verlierern im Stoxx50 zählten die Aktien der UBS. Sie rutschten an der Schweizer Börse um 3,7 Prozent auf 34,36 Franken ab. Börsianer erklärten dies mit Spekulationen um weitere milliardenschwere Abschreibungen bei der Großbank. „In den Büchern der Banken oder eben gerade nicht in den Büchern stehen Positionen, die für Nervosität sorgen könnten“, sagte ein Händler in der Schweiz.

Auch die Versicherer standen vor dem Wochenende auf der Verkaufsliste vieler Anleger. Händler führten dies darauf zurück, dass in New York der weltgrößte Versicherungskonzern AIG wegen der Kreditmarktkrise den größten Verlust in seiner 89-jährigen Geschichte bekanntgegeben hatte. Die Aktien des europäischen Marktführers Allianz verloren in Frankfurt 3,2 Prozent auf 117,50 Euro. Die Papiere der französischen Axa büßten an der Pariser Börse 2,6 Prozent auf 22,48 Euro ein. Dem Branchentrend konnte sich nur Swiss Re entziehen. Die Titel legten in Zürich 5,2 Prozent auf 84,10 Franken zu. Der Reingewinn des Rückversicherers war weniger stark als von Analysten erwartet gesunken. Zudem soll die Dividende ansteigen. „Das Ergebnis ist fast zu schön um wahr zu sein“, betonte ein Händler.

Dagegen stürzten die Anteilsscheine Geschäftsbank Close Brothers in London um zwölf Prozent auf 659 Pence ab, nachdem das Institut Verhandlungen über eine Übernahme abgebrochen hatte. Mitte Januar hatte das Institut erklärt, das Management stehe in Kontakt mit mehreren Parteien. Zuvor hatte das Geldhaus im November ein Übernahmeangebot der Beratungsfirma Cenkos Securities und der isländischen Landsbanki über 1,4 Mrd. Pfund als zu niedrig zurückgewiesen.

Nach einem Gewinneinbruch fielen die Aktien von Kudelski in Zürich um rund 20 Prozent auf 13,81 Franken. Der Spezialist für TV-Verschlüsselungssysteme habe erneut enttäuscht, sagten Händler. Kudelski beliefert unter anderem den deutschen Bezahlfernsehsender Premiere. Das Verschlüsselungssystem war jüngst von Hackern geknackt worden.

Unter kräftigen Verkaufsdruck gerieten auch die Titel der spanischen Börse BME, obwohl das Unternehmen für 2007 einen Gewinnsprung bekanntgegeben hatte. „Die Zahlen waren gut, aber die Sorge gilt der Zukunft“, sagte ein Händler. „Die aktuellen Kursschwankungen vertreiben die Kleinanleger. Diese Gruppe zahlt die höchsten Transaktionsgebühren.“ BME-Papiere gaben in Madrid 7,8 Prozent auf 33,28 Euro nach.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%