Internationaler Aktienhandel
Europa-Börsen: US-Daten schlagen Anlegern aufs Gemüt

Die Börsen in Europa haben am Freitag nach US-Arbeitsmarktdaten ihren Erholungsversuch abgebrochen und überwiegend erneut mit Verlusten geschlossen. Der europäische Leitindex rutschte gar unter sein Tief vom März 2003 und schloss auf dem niedrigsten Stand seit 1996.

dpa-afx PARIS/LONDON. Die Börsen in Europa haben am Freitag nach US-Arbeitsmarktdaten ihren Erholungsversuch abgebrochen und überwiegend erneut mit Verlusten geschlossen. Der europäische Leitindex rutschte gar unter sein Tief vom März 2003 und schloss auf dem niedrigsten Stand seit 1996. Besonders die nach unten revidierten Arbeitslosenzahlen vom Vormonat schlugen Anlegern aufs Gemüt, hieß es am Markt. Zudem hat die Rezession die Arbeitslosenquote in den USA auf den höchsten Stand seit 25 Jahren getrieben. Ein Analyst sorgte sich nun um die Auswirkungen der steigenden Arbeitslosigkeit auf den US-Konsum.

Der Eurostoxx 50 ging mit minus 1,89 Prozent auf 1 817,24 Zähler aus dem Handel und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit Dezember 1996. Im Wochenvergleich erlitt der Eurozonen-Leitindex einen Verlust von rund acht Prozent. In London hielt sich der Ftse 100 dank starker Rohstofftitel mit 0,02 Prozent auf 3 530,73 Punkte knapp im Plus. Der CAC-40-Index büßte in Paris 1,37 Prozent auf 2 534,45 Zähler ein.

An der Spitze im Eurostoxx schossen Fortis um 13,34 Prozent auf 0,960 Euro hoch. An diesem Freitag läuft die Frist für eine Einigung über den Verkaufsprozess an BNP Paribas ab. Spekulationen auf bessere Konditionen für den Verkauf des belgischen Versicherungsgeschäfts an BNP sorgten für den Kurssprung. Unterdessen stellt sich die mittlerweile zu 99,93 Prozent verstaatlichte belgische Bank auf einen noch höheren Verlust ein als bislang angenommen. Aktien der BNP verloren 5,42 Prozent auf 21,735 Euro.

Der übrige Bankensektor kam weiter unter Druck. Besonders in Italien machten sich Anleger Sorgen um die Gewinne der großen Institute des Landes - zeitweise waren Intesa Sanpaolo und Banca Popolare sogar vom Handel ausgesetzt. Zur Schlussglocke stand für Intesa-Aktien ein Minus von 7,40 Prozent auf 1,4 520 Euro zu Buche, auch Banca Popolare-Titel kamen deutlich unter Druck. Unicredit sackten ebenfalls ab und auch die Papiere der französischen Konkurrenten Credit Agricole oder Societe Generale blieben nicht verschont. In London stiegen allerdings Lloyds Banking Group angesichts von Verhandlungen mit der Regierung über Hilfsmittel um 4,22 Prozent auf 42,00 Pence.

Der angeschlagene niederländische Versicherer Aegon kündigte unterdessen an, weiterhin Zinsen auf seine ewigen Anleihen zahlen zu wollen. Aegon hatte im Schlussquartal 2008 überraschend einen Milliardenverlust eingefahren und die Streichung von Arbeitsplätzen angekündigt. Die Aktie reagierte allerdings nur kurz positiv und schloss mit minus 4,16 Prozent auf 1,935 Euro. In London sackten Aviva nach bereits massiven Vortagesverlusten weiter ab und büßten 14,01 Prozent auf 163,25 Pence ein. Die Kapitalsorgen über den britischen Versicherer blieben am Markt bestehen, sagten Händler. Auch die Konkurrenten Friends Provident und Legal & General Group gaben nach.

Auch für die Pharmainvestoren gab es kurz vor dem Wochenende noch einmal interessante Nachrichten: Pfizer und Sanofi-Aventis prüfen einem Pressebericht zufolge einen Einstieg in das Biotechnologiegeschäft des indischen Pharmaunternehmens Wockhardt. Sanofi-Aventis fielen um 4,30 Prozent auf 39,53 Euro.

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