Internationaler Aktienhandel
Finanzsektor drückt europäische Börsen ins Minus

Die europäischen Aktienmärkte sind am Dienstag nach einem positiven Handelsstart ins Minus gedreht. Verluste im Finanzsektor und schwache Konjunkturdaten wirkten belastend. Die Wirtschaft in der Eurozone ist im vierten Quartal 2008 so stark geschrumpft wie seit der Einführung des Euro nicht mehr.

dpa-afx PARIS/LONDON. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank in den Monaten Oktober bis Dezember um revidierte 1,6 Prozent zum Vorjahr gesunken. Auch die Industrieproduktion in Großbritannien ist zum zwölften Mal in Folge zurückgegangen. Der Eurostoxx 50 verlor gegen Mittag 1,06 Prozent auf 2 156 Zähler zu. In London fiel der FTSE 100 um 1,11 Prozent auf 3 949 Punkte. Der französische CAC-40-Index gab 1,20 Prozent auf 2 849 Zähler nach.

Finanzwerte waren erneut die größten Verlierer. Die Branche belastet ein Bericht der britischen Zeitung "The Times", wonach der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchtet, dass sich die Summe toxischer Wertpapiere in den Bilanzen von Banken und Versicherungen auf bis zu vier Billionen Dollar erhöht hat. Auch an der Börse in Japan standen Bankentitel auf den Verkaufslisten.

ING Groep sackten um 5,09 Prozent auf 5,030 Euro ab. Der niederländische Finanzkonzern hat einen Pressebericht über eine angeblich bevorstehende Trennung von der Deutschland-Tochter ING-Diba zurückgewiesen. ING plane nicht, die Direktbank zu verkaufen, sagte ein Konzernsprecher. Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, der Konzern stelle auf Druck der Kommission seine Deutschland-Tochter auf den Prüfstand. Die Kommission verlange voraussichtlich, dass sich ING zum Ausgleich für die wegen der Finanzkrise gezahlten milliardenschweren Staatshilfen von werthaltigen Töchtern trenne, hatte es dort geheißen.

Neben ING verloren auch Aegon und BNP Paribas rund fünf Prozent ihres Wertes. Allianz , AXA und Deutsche Bank zählten ebenso zu den Verlierern.

Versorger waren jedoch im Eurostoxx 50 im oberen Bereich zu finden. Iberdrola gewannen 1,45 Prozent auf 5,58 Euro hinzu. Die Baufirma Actividades de Construcciones y Servicios (ACS) plant eine Aufstockung ihrer Beteiligung an dem spanischen Versorger von 7,50 auf 20,00 Prozent, berichtete die Tageszeitung "Expansion", ohne Quellen zu nennen. ACS legten im Ibex-35-Index ebenfalls um 0,59 Prozent auf 34,35 Euro zu. Gerüchte um eine angebliche Platzierung eines Anteils an Hochtief zur Finanzierung der Iberdrola-Beteilung hat ACS zurückgewiesen. "Die Information ist falsch. Für uns ist dies ein stabiles Investment", sagte ein ACS-Sprecher am Dienstag in Madrid.

In Paris sackten Air France-KLM 1,90 Prozent auf 7,790 Euro ab. Die Fluggesellschaft erlitt im März einen kräftigen Einbruch bei den Passagierzahlen. Die Zahl der Fluggäste ging um 9,8 Prozent auf 5,65 Mill. zurück. Die Auslastung der Flieger verschlechterte sich um 5,5 Prozentpunkte auf 75,5 Prozent. In Europa zählte Air France-KLM zehn Prozent weniger Fluggäste, in den Verkehrsgebieten Karibik und Indischer Ozean fiel der Rückgang fast doppelt so hoch aus.

Vallourec-Titel verbilligten sich um 4,76 Prozent auf 75,38 Euro. Der Stahlröhrenhersteller hat am Montag eine Dividende von 6,00 Euro je Aktie in Aussicht gestellt. Am Markt sei hingegen mit einer Dividende von 6,55 Euro je Aktie gerechnet worden, schrieben die Experten von Cheuvreux.

In London rückten abermals Rio Tinto in den Fokus. Der Minenkonzern will seine Bauxitproduktion im australischen Weipa-Bergwerk um 23 Prozent kürzen. Damit reagiert Rio auf die sinkende Nachfrage. Die Rio-Aktie gab gegen Mittag nach. Papiere des Personaldienstleister Michael Page verzeichneten nach einem schwachen Zwischenbericht ebenfalls Verluste.

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