Internationaler Aktienhandel
Leitindizes im Fannie Freddie-Höhenflug

Die Verstaatlichung der schwer angeschlagenen US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac hat rund um den Globus für ein Kursfeuerwerk an den Aktienmärkten gesorgt. In der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Finanzkrise griffen Anleger am Montag vor allem bei Banken- und Versicherungswerten zu.

HB FRANKFURT. Von Tokio bis London legten die Leitindizes zwischen drei und fünf Prozent zu, Börsianer sprachen allerdings von einem Strohfeuer. Die Kurse der Staatsanleihen gerieten im Gegenzug ins Rutschen. Der Euro fiel zum US-Dollar auf ein Elf-Monats-Tief. Die US-Regierung hatte am Sonntag angekündigt, zur Stabilisierung beider Konzerne vorläufig deren Führung zu übernehmen.

"Man geht davon aus, dass durch diese Aktion eine Stabilisierung des US-Immobilienmarktes erreicht wird, und die Erwartung greift um sich, dass sich die USA doch schneller als zuletzt gedacht konjunkturell erholen", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. LBBW-Analyst Olaf Kayser wies darauf hin, dass ein Zusammenbruch der beiden Institute, die gemeinsam rund die Hälfte aller US-Hypotheken garantieren, einen Domino-Effekt ausgelöst hätte. "Fannie Mae und Freddie Mac haben viele Anleihen ausgegeben, die bei Banken und Versicherern liegen und im Fall eines Zusammenbruchs wertlos geworden wären. Das hat man erst mal gestoppt."

Die europäischen Indizes für die Banken- und die Versicherungsbranche legten um 8,1 beziehungsweise 6,7 Prozent zu. Die 17 größten Gewinner im europäischen Auswahlindex Stoxx50 gehörten diesen beiden Sektoren an. In Asien schloss der japanische Nikkei-Index 3,4 Prozent höher. Der Hongkonger Hang-Seng-Index gewann sogar 4,3 Prozent.

Befeuert von der Nachricht über die faktische Verstaatlichung der beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac dürfte Wall Street mit kräftigen Gewinnen in die neue Woche starten. Rund 45 Minuten vor der Eröffnungsglpocke an den US-Aktienmärkten lag der Future auf den S&P-500-Index 3 Prozent im Plus, der Kontrakt auf den Nasdaq-100-Index notiert 2,2 Prozent fester. Wie bereits an den europäischen Börsen dürften auch die Finanzwerte in Übersee zu den großen Profiteuren des Schritts der Administration von US-Präsident George W. Bush gehören. Besonders kräftig sollte die Erleichterungs-Rally bei den Anleiheassekuranzen ausfallen, die im Fall der Zahlungsunfähigkeit eines versicherten Emittenten für den durch den Ausfall entstandenen Schaden aufkommen müssen. Bereits vorbörslich geht es für Ambac um 16,9 Prozent nach oben, MBIA legen um 8,4 Prozent zu. Für die ebenfalls arg von der US-Finanzkrise gebeutelte Investmentbank Lehman Brothers, die daher auf der Suche nach einem Investor ist, geht es schon vor der Eröffnungsglocke um 8,3 Prozent nach oben.

Auch bei den Finanzwerten aus dem Standardwerteindex Dow Jones zeichnet sich ein Kursfeuerwerk ab: Citigroup verteuern sich um 9,4 Prozent, Bank of America legen um 8,1 Prozent zu, für den weltgrößten Versicherer, American International Group, geht es um 9,9 Prozent nach oben. Washington Mutual, die größte Sparkasse in den USA, klettern gar um 21,1 Prozent. Neben der den Finanzwerten günstigen Stimmung werden die Papiere auch davon beflügelt, dass das Kreditinstitut dem bisherigen Chief Executive Officer Kerry Killinger den Stuhl vor die Tür gestellt hat. Er soll durch Alan Fishman ersetzt werden, der von der Meridian Capital Group kommt.

UST-Aktien legen schon vor der Eröffnungsglocke um weitere 0,8 Prozent zu, nachdem die Papiere schon am Freitag um rund 25 Prozent gestiegen waren. Altria, der Mutterkonzern des Tabakherstellers Philip Morris, will das Unternehmen für 10,4 Mrd. US-Dollar übernehmen. Mit dem Deal würden die zwei der bekanntesten US-Tabakmarken, nämlich Marlboro und Skoal, unter ein Dach kommen. Altria verteuern sich schon vor der Eröffnungsglocke um 2,2 Prozent.

In Deutschland hat derweil die Commerzbank die freundliche Stimmung am Aktienmarkt am Montag für ihre angekündigte Kapitalerhöhung genutzt. Zur Finanzierung der 8,8 Mrd. Euro schweren Übernahme der Dresdner Bank bot sie am Montag knapp 65,4 Millionen neuen Aktien über ein beschleunigtes Bookbuilding-Verfahren an. Das Platzierungsbuch wurde am Vormittag geschlossen, der Preis, zu dem die Aktien verkauft wurden, stand am Mittag noch nicht fest. Nach Händlerinformationen wurden die neuen Commerzbank-Aktien in einer Spanne von 16,50 bis 17 Euro angeboten. Vor dem Hintergrund der bescheidenen Entwicklung des Aktienmarkts in den vergangenen Tagen sei das eine akzeptable Spanne, sagte Analyst Andreas Pläsier von M.M. Warburg.

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