Internetanbieter soll Öffentlichkeit getäuscht haben: Aktienskandal schickt Nikkei auf Talfahrt

Internetanbieter soll Öffentlichkeit getäuscht haben
Aktienskandal schickt Nikkei auf Talfahrt

Weil Staatsanwaltschaft und Börsenaufsicht Japans die Räume des relativ kleinen Internetanbieters Livedoor untersuchten, geriet die gesamte Internet- und Kommunikationsbranche Japans an der Börse in einen Abwärtssog. Die Affäre zog sogar den Nikkei-Index der 225 größten japanischen Aktiengesellschaften fast drei Prozent ins Minus.

Die Nachricht von der Durchsuchung einer japanischen Internetfirma wegen des Verdachts auf Aktienmanipulationen hat am Dienstag zu einem Kurseinbruch an der Tokioter Börse geführt. Ermittler der Staatsanwaltschaft und der Börsenaufsicht durchsuchten Büros des Internet-Anbieters Livedoor Co.. Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte fiel daraufhin um fast drei Prozent, nachdem er zunächst im Plus gelegen hatte..

Die Aktien von Livedoor gaben um 14 Prozent nach, das Maximum des täglichen Schwankungslimits. Eine Viertel der Aktien des Unternehmens wurden zum Verkauf angeboten. Titel des Kommunikationsunternehmens Softbank wurden abgestoßen, weil Anleger Auswirkungen der Ermittlungen auf die Aktien der Branche fürchteten. Softbank gingen um elf Prozent in den Keller. Auch internationale Unternehmen der Kommunikationsbranche gerieten indirekt in den Strudel. Yahoo Japan gaben um 8,38 Prozent nach. Um neun Prozent abwärts ging es auch für die Aktien des größten Anteilseigners von Livedoor, Fuji Television Networks. . Die Aktien von Rakuten, dem größten Online-Händler fielen um elf Prozent.

Der Nikkei-Index schloss 2,84 Prozent im Minus bei 15 806 Punkten - der größte prozentuale Tagesverlust seit April 2005. Die Leute befürchteten, dass die Affäre die gegenwärtige Rally bei den wachstumsorientierten Firmen auf dem Markt der Start-ups bremsen könnte, sagte Ken Masuda von Shinko Securities.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft stehen die Ermittlungen gegen das Unternehmen, das im Internet Konzerttickets, Reisen und ähnliches verkauft, im Zusammenhang mit Vorwürfen, Livedoor habe falsche Informationen zu Aktien eines Tochterunternehmens verbreitet. Die Tageszeitung Yomiuri berichtete ohne Angaben von Quellen, die Untersuchungen drehten sich darum, dass Livedoor im Oktober 2004 angekündigt habe, es werde den Verlag Money Life gegen eigene Aktien erwerben. Tatsächliche habe es zu diesem Zeitpunkt aber bereits Cash für den Neuerwerb bezahlt.

Ryoji Miyauchi, der Finanzverantwortliche von Livedoor sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg in einem Interview, die Untersuchung werde zeigen, dass das Unternehmen nichts Illegales getan habe. Seit 2000 hatte sich Livedoors 33-jähriger Mitgründer Takafumi Horie mehr als 20 Unternehmen aufgekauft, als Teil einer Strategie, Internet-Dienste und Fernsehen zusammenzuführen.In den letzten zweieinhalb Jahren führte Livedoor drei Aktiensplits durch.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%