Katastrophenangst: Kurssturz erfasst die globalen Märkte

Katastrophenangst
Kurssturz erfasst die globalen Märkte

Die Sorge um Japan hält die weltweiten Kapitalmärkte in Atem. Aktienkurse stürzen ebenso ab wie Rohstoffe, der Dax verliert mehr als drei Prozent Gefragt sind der Dollar und Bundesanleihen.
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FrankfurtDie drohende Atomkatastrophe in Japan hat am Dienstag die Kurse an Europas Aktienmärkten einbrechen lassen. Die Verluste waren mit bis zu fünf Prozent zwar weniger stark als in Tokio, wo der Nikkei-Index knapp elf Prozent einbüßte. Auch an der Wall Street aben die Kurse im frühen Handel vergleichsweise moderat nach. Der Dow-Jones-Index verlor zunächst rund zwei Prozent.

Doch machte sich zusehends auch in der westlichen Welt Verunsicherung breit, die vor allem am deutschen Markt die Kurse einbrechen ließ. "Der Markt wird alles tun, um das schlimmste mögliche Szenario einzupreisen", erklärte Keith Bowman, Analyst beim Fondsmanager Hargreaves Lansdown in London. "Die Lage ist sehr unsicher und ändert sich stündlich, und dann gibt es ja auch noch die Krise im Nahen Osten."

In Tokio war der Nikkei zeitweise um 14,5 Prozent abgestürzt, so viel wie noch nie zuvor. Mit 8.605 Punkten hatte er schließlich 10,6 Prozent im Minus geschlossen, so niedrig wie seit rund zwei Jahren nicht mehr. Nach japanischen Medienberichten stieg die radioaktive Belastung in der Nähe von Tokio bereits merklich. An den Finanzmärkten wird nun befürchtet, dass die Krise in Japan die gesamte Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen könnte.

Andere asiatische Börsen konnten sich anders als zu Wochenbeginn dem Abwärtssog nicht entziehen, allerdings fielen die Verluste moderater aus: Der Hang-Seng-Index in Hongkong verlor 2,9 Prozent, der chinesische Festlandindex CSI 300 gab 1,8 Prozent nach. Der marktbreite MSCI Asia Apex 50 Index rutschte 3,2 Prozent ab.

Dax verliert fünf Prozent

In Europa gerieten vor allem deutsche Aktien unter Druck: So stürzte der Dax um bis zu 5,6 Prozent auf 6.483 Punkte ab und notierte damit so niedrig wie seit Oktober 2010 nicht mehr. Zudem handelte es sich um den größten Kursverlust seit Dezember 2008, als die Finanzmärkte mit den Folgen der Pleite der Lehman-Bank im September 2008 zu kämpfen hatte. Zum Abend entspannte sich die Lage, der Dax schloss 3,2 Prozent im Minus bei 6.648 Punkten.

In London gab der FTSE-100 1,4 Prozent nach, in Zürich und Paris verloren die Leitindizes jeweils über 2 Prozent. Die Aktie des französischen Areva-Konzerns stürzte zeitweise um mehr als zehn Prozent ein. Das Unternehmen ist wie kaum ein zweites mit der Atomwirtschaft verbunden. Es baut und liefert Kraftwerke, transportiert radioaktiven Müll, fördert Uran und Plutonium und entwickelt Wiederaufbereitungsanlagen in rund 100 Ländern.

"Wenn in Japan nur einige Tage die Produktion ausfällt, kann das einige Unternehmen schon in den Konkurs treiben", erklärte Jörg Rahn, Marktstratege von Marcard Stein & Co. Das produzierende Gewerbe sei vermutlich besonders stark betroffen, dort komme es sicher zu großen Ausfällen. "Ich könnte mir aber vorstellen, dass die internationale Welt zusammenstehen und die japanischen Unternehmen unterstützen wird. Auch eine konzertierte Aktion der Notenbanken ist vorstellbar", führte Rahn weiter aus.

"Bei einer Verschärfung der Krise werden die Japaner ihre im Ausland liegenden Vermögenswerte zurückführen", warnte Marktstratege Heino Ruland von Ruland-Research. Dies dürfte am Aktienmarkt nicht spurlos vorbeigehen. Vor allem der deutsche Aktienmarkt könnte unter Druck geraten, erklärte Ruland.

Kommentare zu " Katastrophenangst: Kurssturz erfasst die globalen Märkte"

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  • Nimmt hier auf Handelsblatt.de überhaupt noch irgendwer die meist viel zu negativ ausgerichteten Kommentare wahr?
    Egal welchen Artikel man sich durchliest, man liest ständig nur negative Kommentare dazu. Macht bitte weiter damit, aber wundert euch nicht, wenn nicht alles so schrecklich schlimm kommt.

  • Der IWF hat jüngst in einem Papier ganz klar festgehalten, dass die Politik die Finanzmarktkrise nur mit viel Geld übertüncht, die Probleme aber keineswegs gelöst hat und dass die Lage der Finanzmärkte heute im Gegenteil sogar noch gefährlicher ist als zum Zeitpunkt der Lehman-Pleite ((siehe dazu http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2011/03/die-japanische-katastrophe-ausloser-fur.html)!

    Die Katastrophe in Japan ist noch nicht in ihrem ganzen Ausmaß zu erkennnen. Es dürfte jedoch klar sein, dass die Verantwortlichen den Prozess, der in Fukushima in Gang gekommen ist, nicht mehr aufhalten können. Was das bedeutet, auf einer Insel, die flächenmäßig kaum größer als Deutschland ist und von 127 Millionen Menschen bewohnt wird, mag ich mir nicht vorstellen.

    Es wäre deswegen und angesichts der bestehenden Instabilitäten der Finanzmärkte wohl unrealistisch anzunehmen, dass die Märkte mit einem blauen Auge davon kommen. Japan könnte der Auslöser des Crashs sein, den viele Skeptiker seit langem erwarten.

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