Konflikt um die Krim
Kriegsangst an den Börsen

Anleger fürchten einen Krieg um die Krim. Ein großer Investor warnt vor „erheblichen Verwerfungen“. Der Dax verliert über drei Prozent, auch der Dow schwächelt. Noch schlimmer erwischt es allerdings den russischen Markt.
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Moskau, FrankfurtDie Angst vor einem Krieg um die Krim erfasst die Finanzmärkte: Der russische Aktienmarkt brach am Montag um mehr als zehn Prozent ein. Der Rubel sackte ab. Die russische Zentralbank reagierte mit einer überraschenden Zinsanhebung. Sie erhöhte den Leitzins um 1,5 Prozentpunkte.

In Frankfurt gab der Dax um 3,4 Prozent auf 9358 Punkte nach. An der Wall Street fiel der Dow Jones im frühen Handel um 1,25 Prozent. In Tokio hatte der Nikkei um 1,3 Prozent nachgegeben. „Die Investoren hatten das Risiko einer Eskalation der Lage in der Ukraine unterschätzt“, sagte Aktienhändler David Thebault vom Brokerhaus Global Equities. „Die Ereignisse vom Wochenende sind ein Weckruf.“

Gefragt waren Anlagen, die als sicher gelten: Der Preis für eine Feinunze der Krisenwährung Gold sprang um 2,04 Prozent auf 1353 Dollar. Der Ölpreis (Brent) kletterte um 2,1 Prozent auf 111,29 Dollar. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel um knapp fünf Basispunkte auf 1,58 Prozent.

Besonders betroffen waren die Aktienkurse von europäischen Unternehmen, die in Russland oder in der Ukraine bislang gute Geschäfte gemacht haben - in Deutschland etwa der Handelskonzern Metro, in Österreich die Raiffeisen-Bank, in Dänemark die Brauerei Carlsberg und in Frankreich der Autobauer Renault.

Russland hat Soldaten auf die Krim geschickt und die Kontrolle über die zur Ukraine gehörende Halbinsel übernommen. Das russische Parlament genehmigte einen Militäreinsatz in der Ukraine. Moskau sieht sich als Schutzmacht für die Russen in der Ukraine. Die neue ukrainische Regierung spricht von einer Invasion. Im Westen sorgte Russlands Vorgehen für scharfe Kritik. US-Außenminister John Kerry will am Dienstag in Kiew mit der Übergangsregierung des Landes zusammentreffen, um ihr die Unterstützung der Vereinigten Staaten zuzusichern, wie es aus amerikanischen Regierungskreisen hieß.

Der Vermögensverwalter Pimco, einer der größten Investoren der Welt, warnt vor den „geopolitischen Risiken“ des Konflikts. Sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen, würde dies weltweit zu „erheblichen Verwerfungen“ an den Märkten führen, heißt es in einem Kommentar. Die Erholung der Weltwirtschaft sei gefährdet. Das Ergebnis wäre vergleichbar mit den Erschütterungen während der Ölkrise Anfang der 1970er Jahre oder der iranischen Revolution in den späten 1970er Jahren.

Russland selbst könnte die Folgen am heftigsten zu spüren bekommen. Die Aussichten für die Wirtschaft haben sich ohnehin verschlechtert. Sollten Investoren nun das Land verlassen, droht Russland eine schwere Wirtschaftskrise. Es könnte zu Gegenmaßnahmen der internationalen Gemeinschaft kommen, schrieb die Unicredit-Volkswirtin Gillian Edgeworth in einem Kommentar. So hätten die USA bereits mit einer Verringerung von Investitionen gedroht. Die italienische Unicredit ist selbst in der Ukraine engagiert. Sie hat die Summen, die an Geldautomaten abgehoben werden können, limitiert, so wie andere Banken auch.

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  • Oh, das tut mir aber leid für die armen Börsianer! Viele waren schon so gierig und hatten einen Dax bei 10000 im Auge. Sie wollten noch mehr von der Billigzins- un Gelddruckpolitik der Notenbanken profitieren. Strafe muss sein Gut so!

  • Die Einwohner der Krim sollten abstimmen, zu wem sie gehören wollen. Russland oder Ukraine. Im Falle pro Russia sollte Russland der Ukraine einen Kaufpreis zahlen, der die Ukraine für die nächsten Jahre jeglicher Probleme entbindet. Die Ukraine kann die Zeit dann nutzen, wirtschaftlich und politisch auf die beine kommen und dann entscheiden, mit wem, wann und ob überhaupt.

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