Konjunkturdaten und Hoffnung auf Ende der Deflation stützen Kurse – Analysten sehen Nikkei-Index bei 13  000 Punkten
Japans Börse steigt auf Vierjahreshoch

Hoffnungen auf einen dauerhaften Konjunkturaufschwung in Japan haben den Leitindex Nikkei-225 auf ein Vierjahreshoch steigen lassen. Der Nikkei legte gestern um knapp 1,4 Prozent auf 12 263 Punkte zu –und wird Analysten zufolge weiter anziehen.

HB TOKIO/DÜSSELDORF. Positive Konjunkturnachrichten stärken die Zuversicht, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt die jahrelange Deflation endlich abschüttelt, dass Banken ihre Kreditvergabe nach mehr als sieben Jahren wieder ausweiten und dass der Konsum anzieht.

Nach einem Sturz von knapp 21 000 auf 7 600 Punkte befindet sich der Nikkei-Index seit 2003 wieder auf Erholungskurs. Damals zeichnete sich erstmals eine Gesundung der Bankenwerte ab; der Finanzsektor litt vor allem unter extrem hohen faulen Krediten. (siehe „Langsame Erholung“). Nach dem Sprung über die 12 000er-Marke erwarten Analysten jetzt weitere Kursgewinne. Credit Suisse First Boston hob gestern die Einschätzung japanischer Aktien an und empfiehlt nun, sie im Depot mit 15 Prozent überzugewichten. Den Nikkei sieht die Investmentbank in einem halben Jahr bei 12 500 Punkten. Viele Experten sind noch optimistischer: In einer Umfrage der Finanzzeitung „Nikkei Kinyu“ unter Analysten überwog das Kursziel 13 000.

Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi, der am Montag nach dem Scheitern seiner Postreform im Parlament Neuwahlen angekündigt hatte, nutzte die jüngste Aktienentwicklung gleich zum Wahlkampf: Die Kurse bestätigten, dass sein Schritt richtig sei. Allerdings gehen Analysten mehrheitlich davon aus, dass die Wahlen keinen so großen Einfluss auf Wirtschaft und Kurse haben. Vielmehr seien es die jüngsten Konjunkturnachrichten, die dem Markt Aufschwung verleihen. Nach einer Schwäche im April hat sich die Konjunktur Ökonomen zufolge wieder erholt. Die jüngsten Quartalszahlen der Unternehmen hätten dieses Bild verstärkt, sagt Stratege Seichiro Iwasawa von Nomura Securities.

„Wir sind im Moment in einem sehr positiven Kreislauf“, sagt Iwasawa. Die Bankenkredite dürften in diesem Jahr wieder anziehen, die Deflation nähere sich ihrem Ende. Er setzt vor allem auf ein Anziehen der Anlageinvestitionen, weshalb er Maschinenhersteller und Bauunternehmen empfiehlt. Zudem sieht er eine stetige Erholung der Inlandsnachfrage auf Grund der Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt. Das macht Titel des Einzelhandels für ihn interessant.

Auf ein Anziehen des Konsums setzt auch Adam Matthews, Fondsmanager bei JP Morgan Asset Management. Allerdings sieht er die Chancen weniger bei den Einzelhändlern als vielmehr im Dienstleistungssektor, der angesichts der nach wie vor stark industriell geprägten japanischen Wirtschaft großes Aufholpotenzial habe. Zu seinen Favoriten zählen Aktien aus der Unterhaltungsindustrie und dem Bildungssektor. Daneben hält Matthews Finanz- und Automobiltitel für aussichtsreich. Für ausgereizt hält er dagegen die Wette auf Aktien mit China-Bezug: „China war das zentrale Thema von Mitte 2003 bis ins erste Quartal 2005. Inzwischen sind die Bewertungen von Unternehmen, die von China profitieren, zu hoch“, sagt der Fondsmanager.

Ein Kaufargument für vorsichtige Anleger sieht Matthews in der veränderten Dividendenpolitik. Noch liegt die durchschnittliche Dividendenrendite in Japan bei 1,2 Prozent. „Wir erwarten, dass sie sich mittelfristig verdoppeln wird“, sagt Matthews. Alex McDougall von Merrill Lynch Investment Management argumentiert zudem, dass die japanischen Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 attraktiv seien. Die tief greifende Wende bei den Unternehmen hätten viele Investoren noch nicht ausreichend gesehen, weshalb der Nikkei noch weit unter seinem Hoch liege.

Ein Unsicherheitsfaktor für Japans Börse ist das hohe Engagement ausländischer Investoren, die derzeit für 80 Prozent der Aktienkäufe stehen. Eine Zinserhöhung in den USA könnte deren Investitionslust dämpfen und dem Kursanstieg ein Ende bereiten, sagt Nomura-Stratege Iwasawa. Weitere Risiken sieht er in der Exportnachfrage, die noch nicht nachhaltig sei, und in der Wechselkursentwicklung des Yens zum Dollar.

Langsame Erholung

Absturz: Von seinem Hoch bei 20 833 Punkten im April 2000 stürzte der japanische Leitindex Nikkei bis März 2003 auf 7 608 Punkte ab.

Comeback: Mit der Erholung im Bankensektor zogen die Aktienkurse wieder an. Lange pendelte der Nikkei zwischen 10 000 und 12 000 Punkten. Jetzt sehen Analysten Potenzial bis auf 13 000 Punkte.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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