Konzern prüft für Chrysler „alle Optionen“: Börse feiert Zetsches Flucht nach vorne

Konzern prüft für Chrysler „alle Optionen“
Börse feiert Zetsches Flucht nach vorne

Der deutsch-amerikanische Autobauer Daimler-Chrysler tritt die Flucht nach vorne an und schließt knapp neun Jahre nach der Fusion eine Trennung von seinem Sorgenkind Chrysler auch offiziell nicht mehr aus. Die Sanierung der in der Dauerkrise steckenden US-Tochter will der Stuttgarter Konzern nun mit Macht angehen. „Dabei wird keine Option ausgeschlossen, um die beste Lösung für die Chrysler Group und Daimler-Chrysler zu finden“, teilte Daimler-Chrysler am Mittwoch mit und bestätigte damit eine entsprechende Handelsblatt-Meldung.

HB FRANKFURT/STUTTGART. Um das Restrukturierungsprogramm zu unterstützen und zu beschleunigen, beabsichtigt der Vorstand nach eigenen Angaben, „weitere strategische Optionen mit Partnern zu prüfen“, wie es in einer am Mittwoch veröffentlichten Ad-hoc-Mitteilung hieß.

Anleger nahmen die Pflichtmitteilung an der Börse mit Begeisterung auf: Der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktien zog unmittelbar nach Veröffentlichung der ad-hoc-Mitteilung deutlich an und stieg um bis zu fünf Prozent auf 51,75 Euro. So teuer war das Papier seit Juni 2002 nicht mehr. Die Mitteilung enthalte zwar fundamental nichts Neues, nähre aber die Hoffnung, dass in Kürze wichtige Neuigkeiten zu Chrysler zu erwarten seien, sagte ein Händler: „Das Ganze erinnert ein wenig an einen Hollywood-Plot, in dem die Spannung auf die Spitze getrieben wird.“

Ein anderer Analyst kommentierte: „Die Aussage fällt überraschend klar aus. Für den Chrysler-Part zeichnet sich damit deutlich eine Win-Win Situation ab: Entweder es kommt zu einer aussichtsreichen Restrukturierung, oder die Probleme werden durch eine Abspaltung gelöst." Den deutlichen Kursanstieg der Daimler-Chrysler-Papiere sieht der Experte als klares Anzeichen dafür, dass eine „gehörige" Portion an Risiko ausgepreist werde.

Andere Stimmen warnten aber vor zu großer Euphorie. Der Markt setze nach den lange ersehnten Aussagen von Daimler-Chrylser zu einer Restrukturierung von Chrysler offenbar auf eine endgültige Lösung der Probleme, sagte ein weiterer Analyst. „Die Aussagen vom Mittwoch haben aber nichts Neues gebracht und nur das wiederholt, was vor vier bis fünf Monaten bereits gesagt worden ist", betonte der Experte, der nicht namentlich genannt werden wollte. Er rechne lediglich mit weiteren Kostensenkungsmaßnahmen bei Chrysler. „Vermutlich werden wir zu hören bekommen, dass Daimler die Kosten weiter senken will und vielleicht einige Fertigungsstätten in den USA schließt; möglicherweise auch etwas zu einer engeren Kooperation zwischen Mercedes und Chrysler. Die Message letztlich wird aber sein: Das ist noch nicht das Ende der Geschichte", erklärte der Analyst.

Die Citigroup hatte schon im Vorfeld der Zahlen den Wert der Aktie hochgestuft – unter der Bedingung, dass die Sanierung der US-Sparte klappt. Das Kursziel wurde von 45 auf 60 Euro erhöht, die Empfehlung lautet nun „kaufen“ anstatt „halten“. Der faire Wert aller Unternehmensteile belaufe sich gar auf 70 Euro, sagte Citigroup-Analyst John Lawson. Andersherum formuliert: Bei einem (teilweisen) Verkauf von Daimler dürfte das Kursziel höher als 60 Euro sein.

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