Krise am Hypothekenmarkt
Verkaufswelle an den US-Börsen

Zum Wochenausklang wurden die US-Börsen von den anhaltenden Sorgen über die Krise am Hypothekenmarkt um mehr als zwei Prozent ins Minus gedrückt. Die Investmentbank Bear Stearns verglich die jüngsten Turbulenzen mit dem Platzen der Blase bei den Internet-Aktien 2000 und löste damit eine Verkaufswelle aus. Die Nyse schritt ein, um allzu hohe Verluste zu verhindern.

HB NEW YORK. Den Kursrutsch begünstigten auch neue Konjunkturängste: Ein überraschend schwaches Stellenwachstum auf dem Arbeitsmarkt ließ einige Anleger nervös werden. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 2,09 Prozent tiefer bei 13.181 Punkten. Im Handelsverlauf hatte er sich zwischen 13.471 und 13.175 Zählern bewegt. Der breiter gefasste S&P-500-Index fiel um 2,66 Prozent auf 1433 Zähler, und der Index der Technologiebörse Nasdaq gab um 2,51 Prozent auf 2511 Stellen nach - das ist jeweils der größte Tagesverlust seit dem Ausverkauf vom 27. Februar. Auf Wochensicht verloren der Dow 0,7 Prozent, der S&P 1,8 Prozent und die Nasdaq 2 Prozent.

Die Kreditkrise könnte nach Einschätzung von Bear-Stearns-Finanzchef Sam Molinaro schlimmere Auswirkungen haben als der Einbruch an den Aktienmärkten in den 80ern oder das Platzen der Internet-Blase. Die Marktbewegungen in den vergangenen acht Wochen seien recht extrem gewesen, sagte er.

Das löste bei Analysten Sorgen vor einer Ausweitung der Hypotheken-Krise aus. Entscheidend sei nun, dass die Wirtschaft gut genug laufe, um die Turbulenzen durchzustehen, sagte William Rutherford von Rutherford Investment Management. „Sie scheint nicht so stark zu sein, wie wir dachten.“

Die Ratingagentur Standard & Poor's senkte ihren Ausblick für Bear Stearns auf negativ und sorgte damit für weitere Verunsicherung. „Bear Stearns galt als die beste Bank in der Hypotheken-Welt“, sagte Bill Strazzullo von Bell Curve Trading. „Wenn die Besten Probleme haben, wie sieht es dann mit allen anderen aus? Es gibt noch vieles, was wir nicht wissen.“ Die Bear-Stearns-Aktien gaben 5,86 Prozent auf 108,85 Dollar nach.

Das jüngste Opfer der US-Immobilienkrise, der Hypothekenfinanzierer American Home Mortgage, hatte am Donnerstag angekündigt, den Großteil seines Geschäfts einzustellen und entließ 90 Prozent der Mitarbeiter. Seine Aktien waren vom Handel ausgesetzt worden. Der Fall zog auch weitere Finanztitel in die Verluste: Die Aktien des Hypothekenspezialisten Countrywide verloren 6,61 Prozent auf 25,00 Dollar, die Papiere der Investmentbank Lehman Brothers gaben 7,73 Prozent auf 55,78 Dollar nach.

In dem allgemeinen Negativsog geriet auch Procter und Gamble, obwohl der Hersteller von Produkten wie „Pampers“-Babywindeln, „Tempo“-Taschentüchern und „Ariel“-Waschmitteln dank Sparmaßnahmen seinen Gewinn im vierten Quartal steigern konnte und eine Beschleunigung seines milliardenschweren Aktienrückkaufprogrammes ankündigte. Die Aktien des Konsumgüterunternehmens verloren 0,66 Prozent auf 62,88 Dollar.

An der New York Stock Exchange wechselten etwa 2,09 Milliarden Aktien den Besitzer. 540 Werte legten zu, 2808 gaben nach und 70 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,5 Milliarden Aktien 584 im Plus, 2425 im Minus und 99 unverändert.

An den US-Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 21/32 auf 98-18/32. Sie rentierten mit 4,684 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 27/32 auf 98-8/32 und hatten eine Rendite von 4,861 Prozent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%