Krisentreffen
Kurseinbruch schreckt Italien auf

Der Mailänder Börsenindex rutscht auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren, die Anleiherenditen erreichen Rekordstände. Italiens Finanzminister Tremonti ist alarmiert. Treiben die Märkte das Land in den Ruin?
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Mailand/RomDie massiven Verluste italienischer Wertpapiere sorgen in Rom zunehmend für Unruhe. Finanzminister Giulio Tremonti hat für den Nachmittag das Finanzstabilitäts-Komitee einberufen, um Auswege aus der Abwärtsspirale zu suchen. Dem Komitee gehören neben Tremonti die Generaldirektoren des  Wirtschaftsministeriums und der Zentralbank an, Vittorio Grilli und Fabrizio Saccomanni, außerdem der Präsident der Börsenaufsicht Consob, Giuseppe Vegas und der Präsident der Aufsichtsbehörde der Versicherungen Isvap, Giancarlo Giannini. Das Komitee wurde 2008 nach der Lehman-Pleite geschaffen. In diesem Jahr hat der Ausschuss noch nicht getagt.

Zur Stunde berät bereits Italiens Notenbankchef Mario Draghi mit Staatspräsident Giorgio Napolitano über die richtige Krisenstrategie. Die beiden hatten sich erst vergangenen Donnerstag getroffen. Der neue Termin wird in Rom als Zeichen dafür gesehen, wie sehr die Krise Italien trifft. Ministerpräsident Silvio Berlusconi will sich am Mittwoch im Parlament erstmals seit längerem wieder zur Wirtschaftslage des ins Visier der Finanzmärkte geratenen Landes äußern. Zeitungsberichte sprechen davon, dass er über Anti-Spekulations-Maßnahmen reden wird.

Vor zweieinhalb Wochen hatte die Regierung in Rom in Rekordzeit ein Sparpaket verabschiedet mit einem Sparvolumen von 48 Mrd. Euro und dem Ziel, bis 2014 einen ausgeglichenen Staathaushalt zu schaffen. Kritiker bemängeln allerdings, dass seither noch nichts an der Umsetzung des Sparvorhabens getan worden sei. 

Die Talfahrt am italienischen Aktien- und Anleihemarkt hat sich seit Wochenbeginn noch einmal beschleunigt. Der italienische Leitindex MIB-30 gab bis zum Mittag 1,6 Prozent nach, nachdem er bereits am Vortag um 3,9 Prozent eingebrochen war. Mit weniger als 17.500 Punkten notiert der Index so niedrig wie seit April 2009 nicht mehr.

Am Anleihemarkt stieg die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen auf 6,216 Prozent. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit stieg dadurch auf 385 Basispunkte. Das war der höchste Stand seit Einführung des Euros. Die Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren italienischen Anleihe-Paketes per Credit Default Swap (CDS) verteuerte sich dem Datenanbieter Markit zufolge um 32.000 auf 418.000 Euro. 

Italien war vor drei Wochen ins Visier der Märkte geraten, nachdem es zwischen Ministerpräsident Berlusconi und seinem Finanzminister Giulio Tremonti zu einem Streit über das geplante Sparpaket gekommen war. Hatten sich die Investoren bis dahin in der europäischen Schuldenkrise vor allem auf Irland, Portugal, Griechenland und zumindest zeitweise auch Spanien gestürzt, wurden plötzlich Sorgen laut, auch Italien könne unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfen. Sorgen bereitet Investoren vor allem die extreme Schuldenquote von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukt und das seit Jahren stagnierende Wirtschaftswachstum.

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  • @kakage: Sie missverstehen die Arbeitsweise der rating Agenturen. Sie sind keines- wegs selbsternannte Auguren, sondern vergeben aufgrund bestimmter Kriterien bestimmte Ratings. (Nur die USA scheint zugegebenermassen eine SOnderbehandlung zu erfahren...)

  • Sie EFSF steht nihct unter parlamentarischer Kontrolle, sie ist eine privatrechtliche rein nach Luxemburger Handels- und Kapitalverkehrsrecht funktionierende Gesellschaft, die nur von den Regierunsgvertretern des EWR betrieben wird. Die Regierungen, nicht die Parlamente!!! sind die Akteure. Gelder und Bürgschaften werden nach deren Gutdünken verwaltet - ohne jede auch nur im entferntesten demokratische Legitimation und ohne jeden staatlichen Einfluß! Es herrscht die reine Willkür, die letztendes von der Zustimmung/Verweigerung der PIIGS + Kandidaten abhängt! Das gesamte Geld kann insgesamt als bereits verloren angesehen werden!

  • > 6% für Zehnjährige? Ende der Fahnenstange!

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