Marktberichte
Kuwait stützt Börse

Die kuwaitische Regierung legt einen milliardenschweren Aktienfonds auf. Die Märkte reagierten positiv: Nach wochenlangen Einbrüchen drehten die Kurse gestern ins Plus. Mit dem Schritt reagierte der Staat auf öffentliche Kritik.

DUBAI. Nach wochenlanger Talfahrt haben die Börsen am Persischen Golf gestern ins Plus gedreht. Die Märkte reagierten positiv auf die Ankündigung der kuwaitischen Regierung, mit einem milliardenschweren Aktienfonds den heimischen Handelsplatz zu stützen. Für einen weiteren Schub sorgte der Chef des saudi-arabischen Chemie-Riesen Sabic, Mohamed al-Mady, der einen Preisanstieg für Produkte aus der Petrochemie-Branche feststellte. Auch die Erklärung des saudi-arabischen Königs Abdullah vom Wochenende, wonach die hohen Öl-Überschüsse sein Land gegen die globale Finanzkrise abschotte, wirkte nach. Gestern schlossen alle Golf-Börsen positiv. Lediglich in Dubai und Abu Dhabi ruhte der Betrieb wegen des Nationalfeiertags.

Experten sehen bereits erste Anzeichen für eine Erholung der Märkte in der Region. "Ein Wendepunkt ist sehr wahrscheinlich", sagte Udo Schäberle von der BHF-Bank in Abu Dhabi. Viele lokale Anleger seien wegen der mittlerweile stark gesunkenen Kurse bereit, wieder einzusteigen. "Sobald sich der Ölpreis stabilisiert, werden auch die internationalen Investoren zurückkommen", so Schäberle. Die Golf-Börsen waren in den vergangenen Monaten auch wegen des Abzugs von ausländischem Kapital stark eingebrochen. So stützten die Handelsplätze in Riad und Dubai seit Jahresanfang um mehr als 60 Prozent ab.

Kuwaits Regierung segnete die Auflage eines Aktienfonds mit ei-nem Volumen von 7,3 Mrd. Dollar ab. Der Fonds mit einem rein inländischen Portfolio soll der heimischen Börse unter die Arme greifen, deren Marktkapitalisierung seit Juni um 50 Prozent dezimiert wurde. Nach Angaben von Finanzminister Mustafa al-Shimali wird das neue Produkt nach dem islamischen Opferfest in der kommenden Woche seine Arbeit aufnehmen. Bereits im November hatte die Regierung den eigenen Staatsfonds "Kuwait Investment Authority" beauftragt, einige Milliarden Dollar für einen inländischen Aktienfonds lockerzumachen.

Die Regierung reagierte damit auf den immer stärker werdenden öffentlichen Druck. Das Parlament und die Medien machten sich zum Sprachrohr der gebeutelten lokalen Investoren und attackierten die "Kuwait Investment Authority": Die staatliche Gesellschaft hatte im Januar fünf Milliarden Dollar in die kränkelnden US-Banken Citigroup und Merrill Lynch gesteckt und dabei nach eigenen Angaben rund 300 Mio. Dollar verbrannt. Die kuwaitische Regierung war in der vergangenen Woche im Zusammenhang mit den Vorwürfen zurückgetreten.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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