Märkte am Freitag
Wirkt das Doping weiter?

Nachdem die US-Notenbank die Geldschleusen geöffnet hatte, griffen die Anleger weltweit zu Aktien. Aber wird die gute Laune an den Börsen anhalten? Und wenn ja, wie lange? Experten befürchten, dass das billige Geld der Fed vor allem neue Blasen an den Finanzmärkten nährt. Am Nachmittag stehen neue Daten an, die verraten, wie es um dei US-Wirtschaft bestellt ist.
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HB FRANKFURT. Der Dax legte gestern fast zwei Prozent, auch der Euro erhielt kräftig Auftrieb. Für 600 Milliarden Dollar kaufen die Notenbanker US-Staatsanleihen und pumpen so erneut Liquidität in die Märkte. Fed-Chef Ben Bernanke will die schwache Konjunktur stützen - koste es, was es wolle. Doch die Strategie ist hochriskant.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer hält das Fed-Manöver jedoch für wenig erfolgversprechend, da die US-Verbraucher einfach zu hoch verschuldet seien. Bernankes Strategie sei riskant: "Die Fed schafft ein Klima, das risikoreiche Anlageformen wie Aktien begünstigt." Die Fed hatte bereits in der Krise rund 1,75 Billionen Dollar in die Hand genommen, um die Wirtschaft auf Trab zu bringen - jedoch mit mäßigem Erfolg.

In den eigenen Reihen ist Bernankes lockerer geldpolitischer Kurs ohnehin nicht unumstritten. Fed-Spitzenbanker Thomas Hoenig hatte bereits Ende vorigen Monats vor einer weiteren Öffnung der Geldschleusen gewarnt und von einem "Pakt mit dem Teufel gesprochen". Bernanke wies nun umgehend Kritik zurück, die aggressive Geldpolitik der Fed könne zu einem Anstieg der Inflationsrate führen. Solche Sorgen seien übertrieben, schrieb er in der "Washington Post".

Viele Analysten unterstellen der Fed, dass ein niedriger Dollarkurs ein Ziel ihrer Politik ist. Denn mit einem niedrigen Wechselkurs verbessern sich die Exportchancen der US-Industrie. Diese Aussicht hatte erst vor kurzem Warnungen vor einem Wettlauf der Währungsabwertung ausgelöst.

Wie es um die US-Konjunktur bestellt ist, dürfte sich heute zeigen, wenn die neuen Arbeitslosenzahlen für Oktober 2010 veröffentlicht werden (14.30 Uhr MEZ). Anschließend folgt die Veröffentlichung der Zahlen zu den anstehenden Hausverkäufen für September (16 Uhr).

In Deutschland steht die Veröffentlichung der Zahlen zum deutschen Auftragseingang in der Industrie an. Hinzu kommt eine Reihe von Quartalszahlen, unter anderem von Fresenius Singulus, Tipp24, Kuka und Kloeckner Werke.

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