Märkte brechen ein
Anleger zittern vor Schuldenchaos in Italien

Die Sorge vor einem Sturz Italiens in die Schuldenkrise bringt die Märkte ins Wanken. Italienische Anleihen gehen auf Talfahrt, Bankaktien werden in Mailand zeitweise ausgesetzt. Und auch die Commerzbank-Aktie stürzt ab.
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DüsseldorfDie europäische Schuldenkrise nimmt wieder Fahrt auf. Die Furcht vor einem Übergreifen der Krise auf Italien hat die Märkte zu Wochenbeginn in neue Turbulenzen gestürzt. Die europäischen Aktienmärkte lagen den gesamten Tag im Minus und beschleunigten ihre Talfahrt am Nachmittag. Der Euro verlor fast 1,5 Prozent und die Zinsen für italienische Staatsanleihen stiegen auf Rekordwerte.

Besonders heftig fielen die Reaktionen an der Mailänder Börse aus. Der Leitindex MIB-30 verlor am Nachmittag 4,5 Prozent auf 18,195 Punkte. Aktien der Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo wurden vom Handel ausgesetzt, nachdem sie die maximal zulässigen Tagesverluste überschritten.

Seit Freitag hat der Druck der Finanzmärkte auf Italien deutlich zugenommen. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone schiebt relativ zu seiner Wirtschaftsleistung einen so großen Schuldenberg vor sich her wie kaum ein anderes Land. Der italienische Staat sitzt auf einem Schuldenberg von rund 120 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsproduktes - der Zielwert in der EU ist 60 Prozent. Nur Griechenland ist mit 150 Prozent höher verschuldet.

Die Ratingagenturen Moody's sowie Standard and Poor's drohten bereits damit, das Land herabzustufen. Die Regierung hat Anfang des Monats daraufhin ein Sparpaket geschnürt, das die Ausgaben um 47 Milliarden Euro reduzieren soll. Das Parlament hat dem Paket noch nicht zugestimmt. Zudem zweifeln die Finanzmärkte an den Plänen, weil zwischen Ministerpräsident Silvio Berlusconi und seinem Finanzminister Giulio Tremonti, der das Haushaltsdefizit mit scharfen Einsparungen in den Griff bekommen will, Streit herrscht. Spekuliert wird, dass Berlusconi Tremonti loswerden will. Aber auch Gerüchte um einen Rücktritt machen die Runde, weil ein enger Vertrauter Tremontis in eine Korruptionsaffäre verstrickt ist.

"Der Sparplan ist glaubwürdig, aber die politischen Spannungen haben die Wirksamkeit seiner Botschaft verringert", sagte Fabio Fois von Barclays Capital. Giuliano Noci, Wirtschaftsprofessor an der Handelsschule
MIP der Polytechnischen Universität in Rom, zufolge führen die politischen Animositäten dazu, dass die Märkte Italien als "Risikoland" einstuften.

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Panikverkäufe bei Bankaktien, Commerzbank stürzt ab

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  • Ganz meiner Meinung. Früher handelten Staaten noch wie Staaten, nämlich per Gesetz, Verordnung und Verwaltungsakt. Heute im Lobbyistenparadies Europa geschieht dies trotz Gefahr im Verzug (mangels Fähigkeit der Handelnden?) nicht mehr. Stattdessen erleben wir eine neue Form entschiedenen staatlichen Durchgreifens, nämlich die "freiwillige Selbstverpflichtung". Respekt.

  • Die aktuelle Krise erinnert an ein Kartenhaus, das zusammenzufallen droht.
    Vielleicht bringt das ja was, noch mehr Karten draufzusetzen - um der Statik willen, oder weshalb auch immer.
    Wirklich wissen tut das alles allerdings vermutlich kaum jemand.

  • Alles Quatsch.
    Die Politik muss endlich begreifen, das sie via Gesetz Banken und deren Hedgefonds an die Kurze Leine nimmt und deren Exzesse unterbindet.

    Die Politiker begreifen einen simplen Satz nicht "Die Bank gewinnt immer!!!" denn so ist das System aufgestellt. Die Banken wollen um jeden Preis immer mehr Geld Horten. Das nutzt nur dem Bankensystem selbst, schadet aber ganz Europa auf lange Sicht gesehen.

    Frau Merkel soll aufwachen aus ihrem Traum von der menschlichen Vernuft und eine andere Richtung in ihrer Politik einschlagen, die Banken drohen uns indirekt, dann muss die Politik nun den Banken drohen.

    Leerverkauf / Hedgen und Schulden über Gebühr machen schlicht und einfach für Banken wie Staaten verbieten. Einfach einen Dicken Riegel vorschieben. Dies hätte man schon längst tun können bei Krise Nr.1--- Nein man ist den Banken lieber hörig und riskiert dabei das gesamte Wohlwollen einer EU??

    Wo da die Logik liegt weiß ich nicht, ich weiß nur das ein solches Verhalten nicht sonderlich Ökonomisch ist.

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