Märkte gratulieren Merkel
„Eine Sorge weniger“

Merkel bleibt Kanzlerin – ganz so, wie es sich internationale Investoren gewünscht hatten. An den Börsen herrscht Erleichterung. Eine genaue Vorstellung, welche Koalition am besten wäre, haben die Anleger auch schon.
  • 43

DüsseldorfWenn sich die Finanzwelt ein Ergebnis der Bundestagswahl hätte wünschen dürfen, dann wäre es fast genauso ausgefallen: Merkel erhält überwältigende Zustimmung, sie regiert weiter, möglicherweise in einer Großen Koalition mit der SPD. Dass es die Alternative für Deutschland (AfD) nicht in den Bundestag schafft, sorgt bei internationalen Investoren für Erleichterung.

„Angela Merkels Wiederwahl ist ein Zeichen politischer Stabilität, und Märkte lieben Stabilität“, sagt David Thebault, Chef-Händler von Global Equities. „Ein Risiko weniger, um das man sich Sorgen machen muss.“

Im Grunde interessiert die Investoren nur eine Frage: Wie fest steht Deutschland hinter der Euro-Rettung? Sehr fest, lautet die Antwort nach der Wahl. Entsprechend ruhig blieb es an den Märkten.

Der Euro notierte am Montagmorgen bei 1,3533 Dollar – fast unverändert. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel um wenige Basispunkte auf 1,938 Prozent. In Frankfurt lag der Dax am Morgen leicht im Plus bei 8699 Punkten. Auch der Eurostoxx 50 stieg um 0,2 Prozent auf 2935 Zähler.

Die Börsianer hatten nicht nur fest mit einem Wahlsieg Merkels gerechnet, sondern geradezu darauf gehofft. Bei einer Umfrage unter internationalen Investoren, die der Datenanbieter Bloomberg vor der Wahl durchführte, fiel das Ergebnis eindeutig aus: Etwa zwei Drittel der Befragten befürworteten den politischen Kurs der deutschen Bundeskanzlerin. Das war der beste Wert, den Merkel vorzuweisen hatte, seitdem die Frage im September 2010 erstmals gestellt wurde.

Die Ratingagentur Fitch erwartet auch unter einer neuen Koalition keine Änderungen in der deutschen Europapolitik. Es gebe in Deutschland eine breiten Konsens, dass die Euro-Krise durch fiskalpolitische und wirtschaftliche Reformen gelöst werden müsse. Eine Vergemeinschaftung von Schulden werde in Deutschland kritisch gesehen, konstatiert die Ratingagentur. Ein Auseinanderbrechen des Euros erwartet Fitch nicht mehr, warnt allerdings: Der Druck der Märkte könnte schnell wieder zunehmen, wenn Fortschritte auf sich warten lassen.

Der Vorwurf, die Bundesregierung treibe Europa durch ihr Spardiktat noch tiefer in die Rezession, scheint längst vergessen. Auch die Weigerung der deutschen Regierung, über gemeinsame Euro-Bonds nachzudenken, also über eine Verteilung der Schulden auf alle Euro-Länder, stört nicht weiter. Die Märkte gehen davon aus, dass Deutschland unter einer Regierung Merkel einen Großteil der Haftung für die Euro-Zone übernimmt. So oder so. Wenn nicht durch Euro-Bonds, dann auf andere Weise.

Seite 1:

„Eine Sorge weniger“

Seite 2:

Schreckgespenst AfD

Kommentare zu " Märkte gratulieren Merkel: „Eine Sorge weniger“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Verkaufen Sie lieber alle deutschen Aktien!
    Gruß Rigan - München

  • Ein Auseinanderbrechen des Euros erwartet Fitch nicht mehr, warnt allerdings: Der Druck der Märkte könnte schnell wieder zunehmen, wenn Fortschritte auf sich warten lassen.
    Der Vorwurf, die Bundesregierung treibe Europa durch ihr Spardiktat noch tiefer in die Rezession, scheint längst vergessen. Auch die Weigerung der deutschen Regierung, über gemeinsame Euro-Bonds nachzudenken, also über eine Verteilung der Schulden auf alle Euro-Länder, stört nicht weiter. Die Märkte gehen davon aus, dass Deutschland unter einer Regierung Merkel einen Großteil der Haftung für die Euro-Zone übernimmt. So oder so. Wenn nicht durch Euro-Bonds, dann auf andere Weise.


    Sag ich ja gestern habn an der WS die Korken geknallt...

    Die Raubtiere in Nadelstreifen dürfen ihre Beute Behalten.

    Und Mutti Packt es noch als Geschenk ein....
    feini mit schleife drum...

    Bitte Liebe CDU genossen...... IHR wolltet das so...Viel Spass mit der Suppe.

  • Nach der "Wahl": Ich bin dann mal schnell weg aus Europa, bevor es zusammenbricht und der Krieg zwischen Schuldnern und Gläubigern naht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%