Märkte in Europa
Hoffnung aus Hellas-Lösung beflügelt Börsen

VW-Titel setzen sich an die Dax-Spitze, die Deutsche Bank enttäuscht ihre Anleger mit Umbauplänen und die HSBC denkt über eine Abspaltung des Privatkundengeschäfts nach. Der Tag an Europas Börsen.
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FrankfurtNeue Hoffnungen auf eine Einigung im griechischen Schuldenstreit haben den europäischen Börsen am Montag Auftrieb gegeben. Zusätzlicher Schub kam von der Wall Street, die auf neue Höchststände kletterte. Adam Sarhan zufolge, dem Chef des Vermögensberaters Sarhan Capital, ist nach der Serie enttäuschender US-Konjunkturdaten und -Firmenbilanzen der vergangenen Wochen eine baldige Zinserhöhung der Notenbank Fed vom Tisch.

Der Dax verabschiedete sich am Montag mit einem Plus von 1,9 Prozent bei 12.039,16 Punkten in den Feierabend. Der EuroStoxx50 legte 1,5 Prozent auf 3769,52 Zähler zu. Der breit gefasste US-Index S&P 500 markierte mit 2125,92 Stellen den dritten Tag in Folge ein Rekordhoch. Dem technologielastigen Nasdaq fehlten mit 5119,83 Punkten nur noch etwa 15 Zähler bis zu einer neue Bestmarke.

Genährt wurden die Griechenland-Spekulationen Börsianern zufolge von einem Bericht in der Online-Ausgabe der „Bild“-Zeitung. Dem zufolge will die Athener Regierung ihren europäischen Geldgebern mit neuen Reform-Vorschlägen entgegenkommen, um die drohende Staatspleite abzuwenden. Außerdem soll zukünftig statt des umstrittenen Finanzministers Yanis Varoufakis der Vize-Außenminister Euclid Tsakalotos die Verhandlungen führen. „Das ist das, was Anleger hören wollen“, sagte ein Börsianer. Außerdem seien sie offenbar der Ansicht, dass die Kursverluste der vergangenen Wochen eine ausreichende Basis für einen erneuten Anstieg seien. Das nächste Dax-Ziel sei die 12.200er Marke.

Der Athener Leitindex stieg am Montag um 4,4 Prozent und der Bankenindex sogar um 9,3 Prozent. Auch griechische Staatsanleihen waren wieder gefragt. Dies drückte die Rendite der zweijährigen Titel, die zuvor auf knapp 27 Prozent gestiegen war, auf 22,515 Prozent. Der Euro erholte sich ebenfalls und kostete 1,0895 Dollar nach 1,0872 zum New Yorker Freitagsschluss. Im Gegenzug bröckelte der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, um zehn Ticks auf 159,19 Punkte ab.

Für reichlich Gesprächsstoff auf dem Börsenparkett sorgte auch die Zukunft von Volkswagen nach dem Ende der Ära Piech. „Die Anleger hoffen, dass jetzt wieder Ruhe in den Konzern einkehrt,“ sagte ein Börsianer. Kapitalmarkt-Experte Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser traute dem Frieden allerdings nicht. „Es ist doch sehr fraglich, ob sich Piech wirklich schon geschlagen gibt.“ Der 78-Jährige werde weiterhin versuchen, im Hintergrund die Strippen zu ziehen. VW-Titel schlossen 5,3 Prozent fester auf ihrem Tageshoch 245,45 Euro.

Deutsche Bank brachen dagegen um 4,6 Prozent auf 30,13 Euro ein und waren damit der einzige Verlierer im Dax. Die angekündigte Schrumpfkur konnte Anleger nicht überzeugen. Die Tochter Postbank soll verkauft und das eigene Filialnetz deutlich ausgedünnt werden. „So grandios ist das nicht, was die Deutsche Bank da angekündigt hat. Einige hatten sich noch drastischere Einschnitte erhofft, wie die Abspaltung des gesamten Privatkundengeschäfts“, sagte ein Börsianer.

Dieses Szenario spielt der „Sunday Times“ zufolge Konkurrent HSBC durch. Die Ausgliederung des britischen Privatkundengeschäfts hätte ein Volumen von umgerechnet 28 Milliarden Euro. Die Papiere der Großbank stiegen daraufhin an der Londoner Börse um bis zu 4,6 Prozent auf ein Sieben-Monats-Hoch von 658,9 Pence. In New York brachen Applied Materials um bis zu neun Prozent ein. Zuvor hatte der Chip-Ausrüster seine Pläne für eine Fusion mit Tokyo Electron wegen kartellrechtlicher Bedenken ad acta gelegt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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