Märkte Manipulationen sollen Börsencrash ausgelöst haben

Haben Händler das „Angstbarometer“ der Wall Street manipuliert? Ein Whistleblower fordert die Aufsichtsbehörden auf, den Fall zu untersuchen.
Update: 14.02.2018 - 03:37 Uhr 8 Kommentare

Ein Whistleblower singt: Waren die Kursstürze Absicht?

Ein Whistleblower singt: Waren die Kursstürze Absicht?

New YorkEin Insider aus der Finanzbranche führt den Börsen-Crash der vergangenen Woche auf zweifelhafte Machenschaften zurück. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten seien auf Manipulationen eines an den Börsen vielbeachteten „Angstbarometers“ zurückzuführen, heißt es in einem Schreiben des US-Anwalts Jason Zuckerman an die US-Börsenaufsicht SEC und die Derivateaufsicht CFTC.

Zuckerman und sein Partner Matthew Stock vertreten einen Whistleblower, der auf Manipulationen des sogenannten Volatilitätsindex „Vix“ hinweist und Aufklärung fordert. Der Vix beschreibt das Ausmaß der Kursschwankungen an den US-Börsen und gilt als Angstbarometer an der Wall Street. Zwar wird der Vix selbst nicht gehandelt, jedoch gibt es regen Handel in Futures und Optionen auf ihn.

Der Whistleblower, der anonym bleiben will, soll den Anwälten zufolge hochrangige Posten in einigen der größten Investmentfirmen der Welt inne gehabt haben. Er arbeite seit mehr als 20 Jahren in der Finanzbranche.

Aufgrund eines Konstruktionsfehlers sei es Händlern mithilfe ausgefeilter Algorithmen möglich, den Vix-Index auf und ab zu bewegen, ohne tatsächliche Transaktionen abzuschließen, heißt es in dem Brief. Durch diese Marktmanipulationen seien Kleinanleger und institutionelle Investoren um Milliardenbeträge geprellt worden, schreiben die Anwälte. Zudem seien sie mit systemischen Risiken für die gesamten Finanzmärkte verbunden. Die Behörden müssten Konsequenzen ziehen, bevor die Manipulationen neben der Finanzstabilität auch die Wirtschaft gefährden.

Der Fall weckt Erinnerungen an den Manipulationsskandal rund um den Referenzzinssatz Libor, der 2011 aufgedeckt wurde und für eine Reihe von Banken zu hohen Strafen geführt hat.

Die Chicagoer Börse CBOE, die den Vix-Index berechnet, hat nach Informationen von Reuters die Aufsichtsbehörde Finra darum gebeten, die Manipulationsvorwürfe zu untersuchen. Die Vorwürfe des Whistleblowers wies sie zurück. Zuckermans Brief sei voll von ungenauen Aussagen, Missverständnissen sowie sachlichen Fehlern und somit nicht glaubwürdig, hieß es in einer Stellungnahme. Branchenschätzungen zufolge macht die Börse gut 20 Prozent ihrer Umsätze mit Produkten, die sich von dem Index ableiten.

Ob die Aufsichtsbehörden reagieren oder bereits reagiert haben, ist unklar. „Solche Untersuchungen werden nicht öffentlich gemacht“, erklärt der Whistleblower-Anwalt. Sein Mandant hatte die Behörden bereits in der Vergangenheit auf die möglichen Manipulationen hingewiesen. Dass der Brief nun veröffentlicht wurde, ist ein Indiz dafür, dass noch nicht viel passiert ist.

Warum die Whistleblower-Programme wichtig sind

Dem „Wall Street Journal“ zufolge habe die Finra eine Untersuchung gestartet. Die Behörde wurde von der Wertpapierbranche selbst ins Leben gerufen und arbeitet eng mit der SEC zusammen. Die Finra wollte den Artikel am Dienstag nicht bestätigen.

Der Hinweisgeber wird von den Whistleblower-Programmen der Börsenaufsicht SEC und der Derivateaufsicht CFTC geschützt. Sie bieten Anonymität. Sollten die von den Whistleblowern angestoßenen Fälle am Ende zu Strafen führen, dann haben sie Anrecht auf einen Anteil von zehn bis 30 Prozent des Wertes der verhängten Strafzahlung. Beide Programme wurden im Zuge der Finanzmarktreform nach der Finanzkrise eingeführt.

Seit 2011 hat die SEC allein Belohnungen von über einer Milliarde Dollar vergeben. „Die Programme sind wichtig”, sagt Matthew Stock im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Hinweisgeber riskieren oft ihre Karriere und ihre berufliche Zukunft.“ Viele Arbeitgeber würden versuchen, sich an den Whistleblowern zu rächen, obwohl das eigentlich gesetzlich verboten ist. „Schauen Sie sich nur Wells Fargo an. Es gab mehrere Mitarbeiter, die auf den Skandal um Scheinkonten hingewiesen haben und daraufhin gekündigt wurden.“

Vergangene Woche waren die Kurse am US-Aktienmarkt rasant in die Tiefe gerauscht und hatten Anleger auch an anderen Börsen – etwa in Frankfurt - verunsichert. Häufig genannte Gründe für den Crash sind vorherige Übertreibungen im Zuge einer monatelangen Rekordjagd sowie die Erwartung steigender Zinsen.

Viele Experten verweisen aber auch darauf, dass Spekulanten mithilfe sogenannter „Exchange Traded Products“ (ETPs) auf die Entwicklung des Vix-Index' gewettet und dadurch den starken Kursrutsch verursacht hätten – ein Vorwurf, der neue Schärfe bekäme, sollte der Vix-Index obendrein manipuliert worden sein.

Mit Material von dpa

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8 Kommentare zu "Märkte: Manipulationen sollen Börsencrash ausgelöst haben"

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  • Wo „schnelles Geld“ unterwegs ist, es um Zeitunterschiede von Millisekunden geht, sind Internetverbindungen für Verbraucher in D vergleichbar mit“reitenden Boten“. Viel Spaß an der Börse ... aber immerhin dürfen sie noch wählen, wann und wo es passiert ...


  • "Märkte: Manipulationen sollen Börsencrash ausgelöst haben"

    Nix Genaues weiß man natürlich auch hier nicht, aber wundern dürfte den sogenannten „Normalbürger“ bei der Branche eigentlich nichts mehr.

    „Die (Whistleblower-)Programme sind wichtig”, (…)“

    Für die Allgemeinheit sicher; einige „hochgestellte“ Persönlichkeiten in Politik und Wirtschaft sehen das allerdings offensichtlich anders (siehe auch: „Ob die Aufsichtsbehörden reagieren oder bereits reagiert haben, ist unklar. „Solche Untersuchungen werden nicht öffentlich gemacht“, erklärt der Whistleblower-Anwalt. Sein Mandant hatte die Behörden bereits in der Vergangenheit auf die möglichen Manipulationen hingewiesen. Dass der Brief nun veröffentlicht wurde, ist ein Indiz dafür, dass noch nicht viel passiert ist.“).


    „Hinweisgeber riskieren oft ihre Karriere und ihre berufliche Zukunft.“ Viele Arbeitgeber würden versuchen, sich an den Whistleblowern zu rächen, obwohl das eigentlich gesetzlich verboten ist. „Schauen Sie sich nur Wells Fargo an. Es gab mehrere Mitarbeiter, die auf den Skandal um Scheinkonten hingewiesen haben und daraufhin gekündigt wurden.“

    Und warum kündigen die Arbeitgeber (in diesem Fall Wells Fargo) denen?

    Richtige Antwort: Weil sie es können.

  • Nach meiner Meinung kann man Aktien, Fonds verkaufen und kaufen, aber nicht wetten.

    Die Wetten bitten später den Steuerzahler zur Kasse.

    Dieses Kasino hat nichts mit einer gesunden Wirtschaft gemeinsam.

    Der Börsenwert und der reale Wert sind abgekoppelt. Das ist kein Kapitalismus mehr.

  • Herr xy

    Wetten auf fallende Kurse sind Manipulation?????

    Auweia

    Sie haben von Börse gar keine Ahnung, man darf sich bei steigenden Kursen auf "abhedgen"...ganz normaler Vorgang.

    Nach Ihrer Denkweise kann man also nur kaufen und es steigt......LOL
    Aber nach unten schaut man zu......

    Bitte kommentieren sie andere Rubriken, aber bitte nicht Finanzen.


  • Der ganze Markt ist manipuliert und wenn er eines Tages 10% oder mehr einbricht, dann sitzen die Manipulatoren in den Zentralbanken.

    Wetten auf fallende Kurse sind eigentlich schon eine Manipulation. Wenn Milliarden darauf gewettet werden, dass ein Index, Fonds, Aktie Richtung 0 geht, dann ist der Druck enorm. Wir sollten nicht davon ausgehen, dass es im Finanzsystem keine Bestechlichkeit gibt. Die ist heute größer denn je. Somit helfen manche dann tatsächlich mit um einen Teil vom Kuchen zu bekommen und treiben gesunde Unternehmen in den Ruin. Schlechtes Wirtschaften wird aber belohnt indem die EZB gewissen Unternehmen das "Vertrauen" der Steuerzahler schenkt.

  • Ich ja, die Spekulanten mit ihren Spielchen -
    Der Investor schaut sich gemütlich die Zahlen der Firmen an - er analysiert fundamental - und kauft dann die günstig gewordenen Aktien mit niedrigem KGV, hoher Dividendenrendite und vernünftigen Kurs-Umsatz-Verhältnis auf einen Markt seines Vertrauens.
    Ich persönlich vertraue den europäischen Markt - wird wohl auch immer etwas "manipuliert" - stört aber nicht, wenn man dann die Aktien, die man immer schon haben wollte RECHT GÜNSTIG BEKOMMT - und als Investor dann jahrelang hält.

  • Flashtrading, war sicherlich ein wesentliches Element und das Ganze im Verbund mit den Absicherungsprogrammen. Alle wollen alles haben, nur keine Verluste. Risiko geht gar nicht, so denn - der Steuerzahler trägt es. Der hat aber keine Lust auf Gambler und ihre "Casinogewinne", realerweise Verluste. Der Wissensgewinn - der "Casinogewinne" ist von äußerst magerer Gestalt und nützt der Allgemeinheit nichts. Finanzinstitute als Geldspielautomaten in denen man mit dem Geld der Kunden risikolos zocken kann, sollte gestern sein. Ist es aber leider nicht. Junkies werden erst trocken, wenn sie zwangsweise ein Leben lang vom Stoff abgeschnitten sind. Da aber nicht nur die "Finanz-(OH WEH)-Fachleute" glauben sie sind das Salz der Erde, sondern ihre Gespielten ebenso (noch mehr OH WEH). Wer sind die Gespielten? Manager, Politiker, Beamte (in Dt. erst korrupt und dann Beamter), "die Reichen" und dergleichen. Dank Presse keine Kontrolle, lediglich Protokolle. Wir erfahren wer WILL was, nicht wer MACHT was. Wir sehen also man muss die Kurse nicht manipulieren, man kann sie manipulieren. Die Kirche hat das Dorf schon sehr, sehr lange verlassen und wird sehr, sehr wahrscheinlich auch nicht mehr zurückkehren. Rufen wir ihr also noch ein schönes Auf Wiedersehen hinterher. Hilft zwar nichts war aber trotzdem schön. Falls für irgend jemand die Nachricht oben neu ist. Pech gehabt, nichts dazu gelernt. In eigener Sache, wie gehabt. Hab ich euch schon vor Jahren voraus gesagt und ihr habt es immer noch nicht gehört oder verstanden. Befehl: Rühren und weiter machen. Danke. Jetzt hab ich bald wieder was zu lachen.

  • Die Frage sollte heißen, welcher Aktienkurs nicht manipuliert ist. Die Aktie kaufe ich sofort.
    Ich gehe aber davon aus, daß niemand eine Aktie findet, mir jedenfalls ist es noch nicht gelungen.

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