Marktausblick
Wall Street: Angst vor der nächsten Woche

Dass kommende Woche in den USA die Bilanzsaison startet, geht fast unter nach einer der negativsten Wochen in der Geschichte des US-Aktienhandels. Trotz neuer Unternehmenszahlen wird die Wall Street wohl auch in den nächsten Tagen vor allem von Emotionen und dem Hoffen auf starke Entscheidungen der G-7 geleitet.

HB NEW YORK. Nach einer der schwärzesten Wochen in der Geschichte der Wall Street dürfte an den US-Börsen auch in den kommenden Tagen die nackte Angst regieren. Zwar hatte die Hoffnung auf ein entschlossenes Handeln der G7-Staaten die US-Börsen am Freitag etwas gestützt, doch auf Wochensicht mussten die Indizes hohe Verluste von bis zu 18 Prozent hinnehmen. Trotz der Maßnahmen der G-7 zur Beruhigung der Lage dürfte weiter die Sorge vorherrschen, dass die internationalen Finanzmärkte ganz zusammenbrechen und eine Weltwirtschaftskrise folgen könnte. Mit bangem Erwarten dürften die Händler deshalb auf die Zahlen von JPMorgan und Citigroup sowie von Google, eBay und Intel blicken, mit denen die Bilanzsaison in die heiße Phase geht.

Normalerweise würde er einfach sagen, dass die Märkte nun in die Bilanzsaison starten, sagte Owen Fitzpatrick, Chef der US-Equity-Gruppe im Bereich Privatvermögensverwaltung bei der Deutschen Bank in New York. „Aber das ist ein rein emotional getriebener Markt.“ Die Leute versuchten soviel Liquidität zu bekommen wie möglich. Einige Analysten betonten, dass der Markt bereits überverkauft sei. Solange aber weiter die Angst herrsche, werde eine deutliche Rally nicht von Dauer sein.

„Es ist Blut im Wasser und die Haie kreisen“, sagte Kurt Brunner, Portfolio-Manager der Swarthmore Group. „Aber dieses kontinuierliche Verkaufen, man sollte doch denken, dass es irgendwann aufhört.“

US-Finanzminister Henry Paulson erklärte am Freitag, die USA wollten zur Rekapitalisierung der Finanzinstitute Anteile an den Banken übernehmen - drastische Maßnahmen, deren Wirkung nun mit Spannung erwartet wird. Doch die Händler dürfte trotzdem weiter die Sorge umtreiben, dass die jüngsten Schritte auch der Zentralbanken zur Überwindung der Kreditklemme einfach nicht ausreichten. Schließlich konnten schon die Zinssenkungen der vergangenen Woche die rasante Talfahrt der Börsen nicht stoppen, weil das Vertrauen der Anleger zu stark gestört zu sein scheint.

Mit deutlichen Spuren: Für den S&P-Index ging die schlechteste Woche überhaupt zu Ende. Das Börsenbarometer fiel auf Wochensicht um 18,2 Prozent und schloss zum ersten Mal seit fünfeinhalb Jahren unter der psychologisch wichtigen Marke von 900 Punkten. Die Panikverkäufe ließen auch den Dow Jones auf Wochensicht um 18,2 Prozent einstürzen. Der Dow schloss bei 8 451 Punkten, hatte aber am Freitag zu Börsenbeginn zeitweise sogar noch unter 8 000 Zählern gelegen. Die Technologiebörse Nasdaq brach im Wochenvergleich 15,3 Prozent ein. Auch in Frankfurt beschleunigte sich zum Wochenschluss der freie Fall des Leitindex. Der Dax ging sieben Prozent tiefer mit 4 544 Punkten aus dem Handel und endete auf dem niedrigsten Stand seit rund drei Jahren.

Die Anleger blicken nach den G-7 nun auch auf die Tagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, am Sonntag war zudem ein Krisentreffen der Eurogruppe in Paris geplant. Hinweise auf den gegenwärtigen Zustand der Wirtschaft suchen die Anleger in mehreren Konjunkturdaten, die ebenfalls in der kommenden Woche erwartet werden - so am Mittwoch die Erzeugerpreise, am Donnerstag der Verbraucherpreisindex und am Freitag die Wohnbaubeginne jeweils für den Monat September. Einen Hoffnungsschimmer für die anstehende Bilanzsaison brachte der Computerriese IBM, der überraschend gute vorläufige Zahlen veröffentlichte. Er sorgte bei den Anlegern zumindest für etwas Optimismus, dass Technologiekonzerne der Krise trotzen könnten.

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