Marktbericht: Asienbörsen durchweg im Minus
Starker Yen beschert Nikkei neue Schwäche

Die Börsen in Fernost haben am Dienstag deutliche Verluste verzeichnet. Der japanische Nikkei-Index fiel auf den tiefsten stand seit fast vier Monaten. Neben Banken- und Immobilienwerten standen wegen des starken Yen auch Exporttitel auf den Verkaufslisten der Händler.

HB TOKIO/HONGKONG. In Tokio verlor der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,4 Prozent auf 7 645 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index schloss 1,8 Prozent im Minus bei 756 Zählern. Auch die Aktienmärkte in Hongkong, Taiwan, Singapur und der chinesische Leitindex notierten schwächer. Der Kospi-Index in Südkorea verlor sogar mehr als vier Prozent.

Mit Spannung wurde in Fernost die Vorlage der Sanierungskonzepte der angeschlagenen US-Autobauer GM und Chrysler am Dienstag vor dem US-Kongress erwartet.

"Eigentlich will nur jeder sehen, wie das ausgeht", sagte Yumi Nishimura von Daiwa SMBC. Sollte die Frist nicht eingehalten werden, werde es zu Verkäufen kommen. "Auch wenn es die Möglichkeit gibt, dass sie vielleicht Konkurs anmelden, hat der Markt dies noch nicht eingepreist."

Die US Stock Futures fielen um 1,6 Prozent und deuteten auf eine schwächere Eröffnung der New Yorker Börse hin, die am Montag wegen eines Feiertags geschlossen blieb.

Die Gewinnwarnung der britischen Bank Lloyd's am Freitag wirkte am Dienstag noch nach und zog japanische Bankenwerte wie Mitsubishi UFJ Financial Group nach unten. Die Papiere brachen um vier Prozent ein. Zu den stärksten Verlierern gehörten auch die Exportwerte, die seit längerem unter einem starken Yen leiden. Canon-Papiere verbilligten sich um zwei Prozent, die von Panasonic um 2,3 Prozent.

Düstere Konjunkturaussichten lasteten im fernöstlichen Devisenhandel auf dem Euro. Die Gemeinschaftswährung fiel zum Dollar von 1,2777 Dollar auf 1,2643 Dollar. Zur japanischen Währung stieg der Dollar von 91,70 Yen auf 92,46 Yen.

Rücktritt von Finanzminister Nakagawa

Ohne spürbare Auswirkungen an der japanischen Börse blieb indes der Rücktritt von Finanzminister Shoichi Nakagawa. Er nahm seinen Abschied nach einem peinlichen Auftritt beim G7-Finanzministertreffen in Rom. Nakagawa war in die Schusslinie der Kritik geraten, weil er bei der Pressekonferenz zum Abschluss des Treffens am Wochenende gelallt und auf nicht an ihn gerichtete Fragen geantwortet hatte. Außerdem fielen ihm mehrfach die Augen zu. Vorwürfe, er sei betrunken gewesen, hatte er zwar zurückgewiesen, aber Fehlverhalten eingeräumt. Schuld seien Schlafmangel und ein Medikament gegen Erkältung gewesen.

Nakagawa, einer der engsten Vertrauten des ohnehin schon schwer unter Druck stehenden Ministerpräsidenten Taro Aso, hatte seinen Rücktritt am Dienstag vor der Presse erklärt. Er will nach der für März oder April erwarteten Verabschiedung des Staatshaushalts für das neue Fiskaljahr ausscheiden. Medien zufolge soll der Minister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Kaoru Yosano, nach dem Rücktritt von Nakagawa zusätzlich auch dessen Amt des Finanzministers übernehmen.

Der Vorfall kommt für Regierungschef Aso zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Seine Zustimmungswerte sind in den Keller gesackt. Seiner regierenden Liberaldemokratischen Partei LDP droht bei den spätestens im September stattfindenden Unterhauswahlen der Machtverlust.

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