Marktbericht Börse Frankfurt
Anleger verlässt der Mut – Dax schließt im Minus

Die deutsche Industrie verzeichnet das größte Auftragsplus seit fast zwei Jahren. Trotzdem kommt an der Börse keine große Freude auf. Experten erwarten, dass die anstehende Bilanzsaison einige Enttäuschungen bringen wird. Außerdem brauchen die USA möglicherweise schon bald ein weiteres Konjunkturpaket.

HB FRANKFURT. Spekulationen über die Notwendigkeit eines zweiten Konjunkturpaketes für die USA haben die Aktienmärkte am Dienstag belastet. Der Dax schloss 1,2 Prozent tiefer bei 4 598 Punkten und fiel damit auf den tiefsten Stand seit Ende April.

Die Umsätze waren erneut niedrig: Auf Xetra wurden 84 (Montag: 79) Millionen Dax-Aktien für 2,04 (1,9) Milliarden Euro gehandelt.

„Das Reden über einen neuen Stimulierungsplan ist in der Tat ein Vertrauenskiller“, sagte Marktstratege Joseph Battipaglia vom Brokerhaus Stifel Nicolaus. Angeheizt wurde die Debatte über weitere Konjunkturhilfen von einer Beraterin von US-Präsident Barack Obama. Laura D'Andrea Tyson erklärte, die USA sollten für den Notfall weitere Schritte zur Ankurbelung der lahmenden Wirtschaft planen.

An den US-Börsen notierte der Dow-Jones-Index zum Handelsschluss in Europa mit 8235 Punkten 1,1 Prozent im Minus. Der S&P500 fiel um ein Prozent auf 890 Zähler. Der Nasdaq-Composite lag bei 1768 Punkten 1,1 Prozent in der Verlustzone.

Börsianern zufolge hielten sich die Anleger vor Beginn der US-Bilanzsaison weiter zurück. "Wir sehen eine entspannte Aufwärtsbewegung bei geringen Umsätzen", beschrieb ein Händler das Geschehen. In den USA wird am Mittwoch der Aluminiumkonzern Alcoa den Startschuss für die Berichtssaison geben. Daten von Thomson Reuters zufolge werden die im S&P500 notierten Firmen für das zweite Quartal einen Gewinnrückgang von im Schnitt 35,5 Prozent ausweisen. Dabei werden die Verluste quer durch alle Branchen gehen. Den geringsten Gewinnrückgang könnten die Firmen im Gesundheitssektor mit zwei Prozent ausweisen.

Nach Einschätzung von HSBC Global Asset Management stehen den Aktienmärkten in den Sommermonaten weitere Kursverluste ins Haus. Christian Heger, der in Deutschland das Investmentgeschäft des Vermögensverwalters verantwortet, sieht darin eine fortdauernde Korrektur der Frühjahrsrally. Ab Spätsommer dürfte es seiner Ansicht nach aber wieder aufwärts gehen. "Es sollte im dritten Quartal deutlich werden, dass die Unternehmensgewinne nicht mehr weiter fallen", sagte er weiter. "Das Gewinnumfeld wird sich 2010 verbessern."

Nur kurzfristig Schwung erhielt der deutsche Aktienmarkt heute von einem Anstieg des Auftragseingangs der deutschen Industrie im Mai. Die Firmen sammelten bereinigt um saisonale Schwankungen und Preisveränderungen 4,4 Prozent mehr Bestellungen ein als im Vormonat. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Plus von 0,5 Prozent gerechnet. Nach Meinung von Postbank-Volkswirt Heinrich Bayer kommt die Erholung der Weltwirtschaft voran, "und die deutsche Wirtschaft beginnt, davon zu profitieren."

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