Marktbericht Börse Frankfurt Dax: Ängstliche Anleger machen Kasse

Der überraschend gut ausgefallene Ifo-Geschäftsklimaindex und gute Quartalszahlen konnten den Aktienmakrt nicht stützen. Im Schlepptau der Wall Street kam der Dax immerhin von seinem Tagestief los. Vor allem die großen Investoren trauen sich aber noch nicht auf den Markt. Viele Anleger rechnen damit, dass der Dax vor einer größeren Erholung erst unter 4000 Punkte fallen muss.
Kasse machen und abwarten - die großen Investoren trauen dem Markt nicht. Quelle: dpa

Kasse machen und abwarten - die großen Investoren trauen dem Markt nicht.

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HB FRANKFURT. Nach den Kursgewinnen vom Montag sind die Anleger an den europäischen Aktienmärkten am Dienstag auf der Hut gewesen. Erst im Schlepptau der Wall Street trauten sich einige wieder hervor und trieben mit ihren Käufen die Indizes in den letzten Minuten in die Höhe. Der Dax schloss fast unverändert mit 4 323 Punkten 0,08 Prozent tiefer. Zeitweise hatten Gewinnmitnahmen den Leitindex 1,4 Prozent ins Minus gedrückt.

Das Handelsvolumen im Dax fiel auf 128 (Vortag 151) Mio. Aktien. Der Umsatz belief sich auf 2,7 (3,1) Mrd. Euro. An den US-Börsen notierte zum Handelsschluss in Europa der Dow-Jones-Index 0,7 Prozent im Plus, der Nasdaq-Composite lag ein Prozent höher. Das Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 43,16 Dollar 5,6 Prozent weniger.

"Wir haben unseren Kunden heute morgen empfohlen, Gewinnmitnahmen zu tätigen", erklärte ein Händler. Angesichts der laufenden Berichtssaison bleibe Vorsicht das oberste Gebot. Echten Abgabedruck macht auch Marktanalyst Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz nicht aus. Das Geschehen werde von kurzfristig orientierten Anlegern geprägt. Die großen Investoren stünden abwartend an der Seitenauslinie, sagte Amato.

Viele Anleger rechnen damit, dass der Dax vor einer größeren Erholung erst noch einmal auf 4 000 Punkte oder darunter fällt. 2008 hatte der Dax im November mit 4 014 Zählern ein Vierjahrestief erreicht. Dirk Müller von der MWB Wertpapierhandelsbank sieht das Handelsgeschehen weiterhin von der angeschlagenen charttechnischen Lage dominiert. Bei 4 350 Punkten liege ein starker Widerstand, an dem der Dax abgeprallt sei. Damit komme wieder die Marke von 4 000 Punkten ins Spiel.

"Es ist zwar ein gutes Zeichen, dass die Nachrichten nicht mehr ausschließlich schlecht ausfallen", sagte ein Händler. Doch traue man dem Ifo-Index nicht ganz. Auch Analysten warnten, den überraschenden Anstieg des Index, der die Erwartungen der Unternehmen für die wirtschaftliche Entwicklung misst, überzubewerten.

"Dass die Erwartungen steigen, ist ein gutes Signal. Von einer Trendwende zu sprechen, ist aber noch zu früh". erklärte Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus fügte hinzu: "Man muss allerdings vorsichtig sein: Das ist nur eine Zahl, und der Ifo-Index befindet sich noch immer auf sehr niedrigem Niveau."

Weiteres Gesprächsthema am Markt war die Bilanzvorlage von Siemens . Nach einem Gewinnsprung im ersten Quartal und der Bestätigung der Jahresziele verbuchten die Aktien des Mischkonzerns einen Aufschlag von 2,82 Prozent auf 44,77 Euro. Aktienhändler lobten einstimmig die gute Bilanz, machten aber vor allem die Bestätigung der Ziele für die positive Kursreaktion verantwortlich. Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel, der die Aktien mit "Add" bewertet, sprach von einem "starken Auftakt für ein Jahr voller Herausforderungen." Den Ausstieg aus dem deutsch-französischen Atom- Gemeinschaftsunternehmen Areva NP bewerten Marktteilnehmer zurückhaltend.

Viele Finanzwerte zählten unterdessen wieder zu den Verlierern im Markt. Versicherer wurden zusätzlich von einer negativen Branchenstudie von Bernstein Research belastet. Im Nicht-Lebengeschäft sei mit steigendem Wettbewerbsdruck zu rechnen und dies sei noch nicht eingepreist. Allianz fielen um 1,99 Prozent auf 63,91 Euro, und für die Münchener Rück ging es um 0,84 Prozent auf 103,46 Euro nach unten. Aktien der Hannover Rück büßten gar 3,78 Prozent auf 20,64 Euro ein.

Titel der Software AG hingegen schossen im TecDAX um 15,24 Prozent auf 45,38 Euro in die Höhe. Deutschlands zweitgrößter Softwarehersteller hatte 2008 der Krise dank des hohen Wachstums mit der Integrationssoftware webMethods und des Einstiegs in Brasilien getrotzt. Analyst Raimo Lenschow von Merrill Lynch sprach von einem "sehr starken Quartal" und hob die gute Profitabilität hervor.

Phoenix-Solar-Aktien gewannen 10,88 Prozent auf 29,75 Euro. Das Solarunternehmen will im laufenden Geschäftsjahr seinen Umsatz um gut 35 Prozent auf 520 Millionen Euro steigern und beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) 31 Millionen Euro Gewinn erzielen. Bis 2013 will der Vorstand die Erlöse auf 1,5 Milliarden und das EBIT auf 100 Millionen Euro erhöhen. "Der Ausblick klingt sehr bullish", sagte ein Börsianer.

Außerhalb der großen Indizes verteuerten sich die Titel von Loewe um 3,03 Prozent auf 6,80 Euro und waren damit einer den Favoriten im SDAX . Der Fernsehgerätehersteller hatte 2008 das beste Ergebnis seiner 86-jährigen Firmengeschichte eingefahren. Das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich um 35 Prozent auf rund 28,5 Millionen Euro. Analyst Ingbert Faust von equinet äußerte sich positiv und beließ seine Einschätzung auf "Buy" mit einem Kursziel von 18,00 Euro. Die starke Marge sei ein positives Zeichen, schrieb der Experte in einer Studie. Die Umsätze im abgelaufenen Geschäftsjahr jedoch seien niedriger als von ihm erwartet ausgefallen.

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