Marktbericht: Börse Frankfurt
Dax schließt dank VW-Rally fester

Ein mehr als 200-prozentiger Kurssprung der VW-Aktie hatte dem deutschen Leitindex am Montag kurz vor Handelsschluss noch Gewinne von mehr als vier Prozent beschwert. Mit minus 0,22 Prozent auf 4 334 Punkten ging der Dax schließlich aus dem Handel. Ohne die VW-Rally hätte das Minus wohl bei mehr als neun Prozent gelegen.

HB FRANKFURT. Geprägt wurde die Stimmung an den europäischen Aktienmärkten von den Rezessionsängsten der Anleger. Die konnte auch EZB-Chef Jean-Claude Trichet mit der Andeutung einer Zinssenkung in der kommenden Woche kaum dämpfen. „Derzeit wird jedem tagtäglich knallhart vor Augen geführt, in welchem Teufelskreis wir uns befinden“, sagte ein Aktienhändler. „Wegen der trüben Konjunkturaussichten fahren die Unternehmen Investitionen zurück und streichen Stellen. Gleichzeitig halten sich die Verbraucher mit Ausgaben zurück und verringern dadurch die Nachfrage, was wiederum neue Sparrunden bei den Unternehmen nach sich zieht.“

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Der MDax büßte bis Handelsschluss 4,96 Prozent auf 4 810 Punkte ein, der TecDax verlor 4,29 Prozent auf 458 Zähler. "Die VW-Aktie hat den Dax rausgehauen, aber das ist durch nichts mehr zu begründen“, sagte ein Händler. Ohne deren Kursplus hätte der Leitindex entgegen dem Trend in den USA bei nur 3 904 Punkten geschlossen, sagte er. „Mit 430 Index-Punkten hat VW den Dax gestützt“, sagte er. Die Aktien, die mit einem Aufschlag von 146,62 Prozent auf 520,00 Euro aus dem Handel gingen, waren zeitweise auf ein Rekordhoch von 635 Euro gestiegen.

„Da zersägt es jetzt einige, die bei VW auf fallende Kurse spekuliert hatten und nun, da das Gegenteil eingetreten ist, die Aktien zu jedem Preis zurückkaufen müssen“, sagte der Händler. Die Stammaktien von VW, auf die Porsche es abgesehen hat, seien zu 90 bis 95 Prozent in festen Händen, so dass es kaum Verkäufer gebe, was den Preis für VW in schwindelnde Höhen treibe. Denn ausgelöst wurde der erneute Kursanstieg seit dem Rekordhoch bei 452,00 Euro am 8. Oktober durch eine Meldung am Sonntag, dass der Sportwagenhersteller Porsche seinen Anteil an VW auf 42,6 Prozent aufgestockt habe und über Optionen zur Kurssicherung letztlich insgesamt bereits 74,1 Prozent am Wolfsburger Konzern hält.

Der Höhenflug bei VW beschleunige die Talfahrt der übrigen Dax-Werte, fügten Börsianer hinzu. Fonds, die den Index abbilden, sind gezwungen, andere Aktien zugunsten von Volkswagen zu verkaufen.

Ganz oben auf der Verkaufsliste der Anleger standen die Papiere der Postbank und ihrer Muttergesellschaft Deutsche Post. Die Postbank-Aktie brach um 24 Prozent auf 14,25 Euro ein, die der Post um 17,4 Prozent auf 7,995 Euro. Die Postbank benötigt nach einem überraschend hohen Quartalsverlust eine Finanzspritze von einer Milliarde Euro. Ein Großteil diesen Geldes soll von der Post kommen, die darüber hinaus wegen der schwachen Konjunktur ihre Gewinnerwartungen deutlich heruntersetzte.

Mit diesem Problem steht der Logistik-Konzern allerdings nicht alleine da: Der niederländische Konkurrent TNT verbuchte im abgelaufenen Quartal einen Gewinneinbruch. In Amsterdam rutschten die Aktien des Konzerns um bis zu zwölf Prozent auf 14,21 Euro ab.

Die geplante Kapitalerhöhung der Postbank setzt auch der Deutschen Bank zu: Das größte deutsche Kreditinstitut muss für den geplanten Einstieg bei der Postbank nun tiefer in die Tasche greifen. Deutsche-Bank-Papiere verloren 15,1 Prozent auf 25,69 Euro.

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