Marktbericht: Börse Frankfurt
Dax schließt unter 6 200 Punkten

Auch die Aussicht auf einen Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank hat dem deutschen Aktienmarkt am Donnerstag keinen Schwung gegeben. Zu groß sei nach wie vor die Unsicherheit über die weiter schwelende Finanzkrise in den USA, sagten Händler. Der Dax fiel um 0,5 Prozent auf 6 178 Punkte.

HB FRANKFURT. An der Wall Street stürzten die Aktien der angeschlagenen US-Investmentbank Lehman zeitweise um weitere 40 Prozent ab und rissen auch die Kurse anderer Finanzhäuser in die Tiefe. Zum Handelsschluss in Europa lag der Dow-Jones-Index 0,4 Prozent im Minus, der Nasdaq-Composite notierte nahezu unverändert.

Das Handelsvolumen im Dax fiel auf 154 (Vortag 164) Mill. Aktien. Der Umsatz belief sich auf 5,8 (6,2) Mrd. Euro. Der Preis für ein Fass (159 Liter) der US-Leichtölsorte WTI notierte mit 101,26 Dollar 1,3 Prozent niedriger. Der MDax verlor 0,8 Prozent auf 7 963,86 Zähler. Der TecDax dagegen legte 0,82 Prozent auf 747,19 Punkte zu. Der Stoxx50 fiel um 0,5 Prozent, der Londoner FTSE um 0,9 Prozent und der Pariser CAC40 um 0,8 Prozent.

„Das Bankenumfeld ist angespannt, daran ändert die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank vor zwei Wochen so wenig wie ein möglicher Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank“, kommentierte ein Händler. An der Wall Street brachen bis zum Handelsschluss in Europa die Aktien von Washington Mutual um zwölf Prozent ein. Investoren befürchteten, dass der größten Sparkasse des Landes und Lehman Brothers die Zeit für die Beschaffung von frischem Kapital davon laufen könnte. Die Titel von Merrill Lynch verloren 14 Prozent, die von Goldman Sachs vier Prozent.

Händler machten für die schlechte Stimmung in Frankfurt vornehmlich den Verkaufsdruck aus den USA verantwortlich. „Die US-Anleger brauchen Geld und holen es sich in Deutschland wo sie auf Dollar-Basis noch einen Gewinn einstecken können“, sagte ein Händler. Der Kursrückgang des Euro, der erstmals seit einem Jahr zeitweise unter 1,39 Dollar fiel, trage zu diesen Gewinnmitnahmen bei.

Die Hoffnungen auf eine baldige Einigung über einen Postbank-Verkauf beflügelten nur die Aktien der Konzernmutter Deutsche Post, die um 1,2 Prozent stiegen. Den Kürzeren in dem Fusionspoker zieht Kreisen zufolge die spanische Großbank Santander, die anders als die Deutsche Bank an einer kompletten Übernahme des Instituts interessiert ist. Post-Chef Frank Appel soll aber die Deutsche Bank bevorzugen, da er bei dieser Lösung von späteren Kursgewinnen profitieren könne. Dies löste an der Börse zeitweise Spekulationen auf einen höheren Kaufpreis aus. Zudem waren viele Börsianer enttäuscht, dass es möglicherweise zunächst eben nur zu einem Einstieg, nicht aber einer Übernahme kommt. „Viele hatten auf einen Übernahmepreis von 50 Euro gewettet, da ist die Enttäuschung bei einigen groß“, sagt ein Händler. Daher gaben die Postbank-Aktien ihren Vortagesgewinne teils wieder ab und schlossen 1,7 Prozent niedriger bei 45,77 Euro.

Die Titel der Deutschen Bank verloren 2,6 Prozent auf 59,40 Euro. Neben den Preisspekulationen wurden Deutsche Bank vom schwachen Branchenumfeld belastet. Der StoxxBanken-Index fiel um 1,7 Prozent. Im Stoxx50 waren die Aktien der britischen Hypothekenbank HBOS mit einem Verlust von 4,3 Prozent, der Versicherer Lloyds mit minus vier Prozent und die französische Axa mit minus 3,3 Prozent die Schlusslichter.

An die Dax-Spitze stießen im späten Geschäft die VW-Aktien. Händler verwiesen auf Spekulationen auf eine Aufstockung des Anteils von Niedersachsen, äußerten zugleich aber auch Zweifel an der Finanzierbarkeit eines solchen Vorhabens durch das Land. Die Titel schlossen mit einem Plus von 3,4 Prozent auf einem Tageshoch von 212,16 Euro, womit sie nur rund drei Euro unter dem Rekordhoch schlossen. Für Freitag wird im Aufsichtsrat des Autobauer mit einer weiteren Machtprobe zwischen den Arbeitnehmervertretern und dem Großaktionär Porsche gerechnet.

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