Marktbericht: Börse Frankfurt: Dax: „Wir werden viele negative Überraschungen erleben“

Marktbericht: Börse Frankfurt
Dax: „Wir werden viele negative Überraschungen erleben“

Die Aktienmärkte stehen ganz im Zeichen der kommenden Berichtssaison. Besonders wohl ist den Investoren dabei nicht - man rechnet mit dem Enttäuschungen. Der Dax beendete den Handel mit Verlusten.

HB FRANKFURT. Die Angst vor einer schwachen Bilanzsaison hat am Montag die Kurse an den europäischen Aktienmärkten gedrückt. Der Dax verlor 1,3 Prozent auf 4 719 Punkte. Händler beklagten die geringen Umsätze. "Das ist schon erschreckend, wie wenig hier noch umgeht", sagte ein Börsianer. Offenbar wolle sich im Moment niemand am Aktienmarkt engagieren. Das Handelsvolumen im Dax fiel auf 116 (Freitag 162) Mio. Aktien. Der Umsatz belief sich auf 2,5 (3,4) Mrd. Euro und lag damit deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen drei Monate von etwa fünf Mrd. Euro.

Der MDax fiel um zwei Prozent, der TecDax um drei Prozent. An den US-Börsen notierte zum Handelsschluss in Europa der Dow-Jones-Index 0,8 Prozent im Minus, der Nasdaq-Composite lag 1,3 Prozent niedriger. Das Fass (159 Liter) US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 37,88 Dollar sieben Prozent weniger als am Freitag.

"Wir werden sicher viele negative Überraschungen erleben", sagte ein Händler mit Blick auf die Berichte der Firmen zum vierten Quartal. "Es gibt die Sorge, dass die Ausblicke der Unternehmen für 2009 und 2010 noch trüber als bislang erwartet sind", sagte Jörg Rahm, Aktienstratege bei MM Warburg. Der Aluminiumkonzern Alcoa wird nach US-Börsenschluss die Berichtssaison eröffnen.

"Nachdem der Dax nach Weihnachten noch die 5000-Punkte-Marke übersprungen hat, macht sich jetzt Ernüchterung breit", fasste ein Börsianer die Stimmung zusammen. "Warten auf Obama", fügte ein anderer hinzu. Vom neuen US-Präsidenten Barack Obama, der am Dienstag in einer Woche vereidigt wird, erhofften sich die Anleger weitere Konjunkturprogramme.

Die Autoshow in Detroit lenkt die Aufmerksamkeit der Investoren auf die Titel der Branche. BMW-Aktien gaben 0,63 Prozent auf 22,25 Euro nach und schlugen sich damit besser als der Gesamtmarkt. Händler verwiesen auf einen positiven Analystenkommentar. Goldman Sachs hob das Kursziel von 28 auf 35 Euro an und beließ die Empfehlung auf "Buy".

Commerzbank-Aktien knüpften nach anfänglichen Gewinnen an die Verluste der Vorwoche an. Sie schlossen bei 4,56 Euro um 2,36 Prozent schwächer. Die Bank plant für Jahre mit dem Bund als Großaktionär und verteidigte unterdessen den riskanten Kauf der Dresdner Bank trotz nötiger staatlicher Milliardenstütze. Der Kurs der Deutschen Bank baute seine früheren Verluste ab und schloss mit einem Plus von 0,78 Prozent bei 24,495 Euro. Der heimische Branchenprimus wird nach einem Pressebericht kaum um die Inanspruchnahme der angebotenen Staatshilfe herum kommen. "Wenn es so weitergeht, dass Konkurrenten Regierungshilfen beziehen und einseitige Verhältnisse herrschen, wird sich auch die Deutsche Bank an den Staat wenden", zitiert die "Financial Times Deutschland" (FTD/Montagausgabe) aus Finanzkreisen. Noch aber sei es nicht so weit. Alexander Tavernaro, Senior Portfoliomanager bei Invesco, glaubt unterdessen, dass sich die Anleger im Fall der Deutschen Bank erst einmal an die Fakten halten. Und danach hat die Bank bislang keine Hilfe in Anspruch genommen. Das könne den Kurs stützen, so der Experte.

Die Titel von MAN fielen um 3,44 Prozent auf 39,01 Euro. Händler verwiesen auf Medienberichte, denen zufolge MAN nicht die Absicht hat, ein Angebot für Scania vorzulegen. Stattdessen plane MAN nach Aussagen von Konzernchef Samuelsson den Markteintritt in Schwellenländern. "Das könnte negativ für die Aktie sein, da die Fusions-Spekulationen abflauen dürften", sagte ein Händler.

Die Aktien der Deutsche Börse fielen um 3,85 Prozent auf 48,25 Euro und weiteten damit ihre Verluste vom Freitag aus. Einem Händler zufolge drückt der Umsatzrückgang um sieben Prozent der alternativen Handelsplattform Chi-X auf die Stimmung für den Börsenbetreiber. "Derzeit sind die Handelsvolumina generell dünn. Wenn dann noch schwache Zahlen aus dem Sektor dazukommen, belastet das den Kurs", sagte der Börsianer.

Papiere von ThyssenKrupp stiegen um 0,43 Prozent auf 18,51 Euro. Händler verwiesen auf Medienberichte, denen zufolge der Stahlhersteller staatliche Unterstützung bei der Finanzierung für Großprojekte erhalten möchte, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch gebe es Medienberichte, denen zufolge China konkrete Schritte zur Unterstützung seiner Automobil- und Stahlindustrie plane. Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank verwies zudem auf die nun verstärkten Konjunkturpakete auch in Deutschland. "Wenn auch der deutsche Autosektor etwas stärker begünstigt werden sollte, werden die Stahlkonzerne ebenfalls profitieren", sagte Halver. Zudem sei die fundamentale Bewertung für die Titel derzeit günstig und Stahlkonzerne seien generell so etwas wie ein konjunktureller Frühindikator, der von den weltweiten Ankurbelungsmaßnahmen naturgemäß profitiere.

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