Marktbericht: Börse Frankfurt
„Der Markt ist jetzt sehr angeschlagen“

Die Angst vor einem Kollaps der US-Hypothekenbanken Freddie Mac und Fannie Mae sowie der neuerliche Anstieg des Ölpreises haben am Freitag die Flucht der Anleger aus dem Aktienmarkt beschleunigt. Nur wenige Titel konnten dem Trend trotzen.

HB FRANKFURT. Der Dax fiel um 2,4 Prozent auf 6153,30 Punkte, nachdem er zuvor zeitweise mit 6139 Punkte das niedrigste Niveau seit Oktober 2006 erreicht hatte. Aussagen von US-Finanzminister Henry Paulson, wonach die Regierung die beiden Institute in ihrer jetzigen Form erhalten will, machten Hoffnungen der Anleger auf ein staatliches Rettungspaket zunichte.

Europaweit purzelten die Kurse. Der Stoxx50 verlor 2,7 Prozent, in London büßte der Footsie ebenfalls 2,7 Prozent und in Paris der CAC-40 gut drei Prozent ein. Der Ölpreis erreichte zeitweise ein Rekordniveau von 147,27 Dollar - am Donnerstagmittag hatte er noch zehn Dollar niedriger notiert. Der Euro nahm seinen Höhenflug wieder auf und kletterte bis auf 1,5946 Dollar, womit er weniger als einen Cent unter dem Rekordhoch vom April lag.

"Wir haben Rekordstände beim Öl und eine weiterhin sehr schwierige Lage im Finanzsektor", begründete Marktanalyst Christian Schmidt von der Helaba den Kursrutsch. "Der Markt ist jetzt sehr angeschlagen, und es ist davon auszugehen, dass sich die Abwärtsbewegung fortsetzen wird." Auch der Zwischenbericht von General Electric verbesserte die Stimmung kaum. Der Mischkonzern hatte mit seinem Quartalsergebnis die Prognosen der Wall Street erfüllt, was die Börse mit einem leichten Kursanstieg honorierte. Die ungewisse Zukunft von Freddie Mac und Fannie Mae überschatte alles, hieß es. Die Kurse beider Institute notierten am frühen Abend über 20 Prozent im Minus.

Den Ölpreisanstieg bekamen europaweit die Luftfahrt- und Autotitel besonders zu spüren. Lufthansa verloren 5,7 Prozent, Air France-KLM 7,9 Prozent, Ryanair fünf Prozent und British Airways 5,5 Prozent. Bei den Autos sah es nicht viel besser aus. Daimler büßten drei Prozent, BMW 3,7 Prozent und MAN fünf Prozent ein. In Paris gerieten Peugeot mit einem Minus von 5,6 Prozent besonders stark unter Druck. Händler verwiesen auf eine Studie von Merrill Lynch, wonach die Gewinnschätzungen für den gesamten Sektor noch viel zu hoch seien. Schwächster Dax-Wert waren die Aktien des Reifenherstellers Continental, die um 7,6 Prozent einbrachen. Merrill Lynch war von seiner Kaufempfehlung abgerückt und hatte seinen Kunden eine neutrale Gewichtung empfohlen. Konkurrent Michelin verloren 6,5 Prozent, nachdem Exane BNP Paribas seine Empfehlung auf "underperform" von "neutral" gesenkt hatte.

Europaweit zählten vor allem Finanzwerte zu den größten Verlierern. Allianz fielen um 3,4 Prozent, Deutsche Bank um 3,7 Prozent. Royal Bank of Scotland verloren 8,6 Prozent, nachdem der Schweizer Versicherungskonzern Zurich Financial das Versicherungsgeschäft der Schotten nicht übernehmen will. Die Aktien der Credit Agricole brachen nach Berichten über personelle Konsequenzen aus der Kreditkrise um 9,7 Prozent ein. Der Stoxx-Branchenindex fiel um 4,3 Prozent.

Ausnahmen gab es nur wenige: So trotzen in Frankfurt lediglich die Commerzbank und die Postbank dem Trend. Die Aussicht auf ein wachsendes Interesse der Deutschen Bank, die im Bieterrennen um die Citibank den kürzeren gezogen hatte, locke Käufer an, sagten Händler.

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