Marktbericht: Börse Frankfurt
Finanzkrise schlägt zu – Börsen brechen ein

An den Aktienmärkten herrscht Entsetzen: Nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers stoßen Anleger reihenweise Aktien ab und flüchten in sichere Staatsanleihen. Der Dax geht auf Talfahrt und der Dow Jones startet deutlich im Minus. Analysten sehen sogar eine Bedrohung für das globale Finanzsystem.

HB FRANKFURT. Eine dramatische Verschärfung der US-Finanzkrise hat die Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt. Mit Lehman Brothers beantragte am Morgen die viertgrößte Investmentbank an der Wall Street Gläubigerschutz. Zudem schluckt die Bank of America die US-Investmentbank Merrill Lynch. Daneben bat der einst weltgrößte Versicherer American International Group (AIG) Medienberichten zufolge die US-Notenbank Fed um kurzfristige Finanzhilfen in Milliardenhöhe.

Der Dax verliert bis zum Nachmittag rund zwei Prozent auf 6 053 Punkte. Der Index war zuvor zum ersten Mal seit Oktober 2006 wieder unter 6 000 Punkten gerutscht, konnte aber nach dem Handelsstart der Wall Street leicht zulegen. Der Dow Jones büßte im frühen Handel 1,8 Prozent auf 11 214 Zähler.

Die in Aussicht gestellten Hilfsmaßnahmen der Fed und einiger Geschäftsbanken hellten nicht die Stimmung auf. Die US-Notenbank hatte am schon Sonntag eine Reihe von Initiativen zur Unterstützung der Finanzmärkte angekündigt, darunter die Annahme von Aktien als Gegenleistung für Zentralbankgeld der Banken. Möglicherweise werde die US-Notenbank nun auch die Zinsen senken, spekulierten einge Börsianer. Die US-Notenbank will am Dienstag auf einer regulären Sitzung des Offenmarktausschusses über die Zinsen entscheiden.

Daneben stellten zehn der weltgrößten Banken einen Notfonds über 70 Mrd. Dollar auf, um das System zu stützen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) pumpte zusätzliches Geld in den Markt, um Liquiditätsengpässen vorzubeugen.

Mit der Insolvenz von Lehman Brothers sei ein "Horrorszenario" Wirklichkeit geworden, sagte ein Kreditanalyst. Trotz der Hinweise in der vergangenen Woche hätten die meisten Investoren nicht wahrhaben wollen, dass die Federal Reserve bzw. das Treasury Department die Investmentbank tatsächlich in die Pleite gehen lassen würden. Bei der US-Notenbank habe sich offenbar die Erkenntnis durchgesetzt, dass sie nicht in der Lage sei, das gesamte Finanzsystem zu verstaatlichen.

Analysten sahen diese Entwicklungen in der US-Bankenbranche kritisch. "Wir halten diese sich extrem verschärfende Kreditkrise für sehr bedrohlich für das globale Finanzsystem", erklärte LBBW-Analyst Martin Peter. Ein solches Zusammentreffen von Liquiditäts- und Kapitalproblemen habe es in den vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben. Helaba-Analyst Pillep warnte vor einem Dominoeffekt. "Selbst wenn sich die Lage bei Lehman und Merrill jetzt klären sollte, bleiben uns noch Washington Mutual, die Monoliner (Anleihenversicherer) und die Hedge-Fonds als künftige Krisenherde erhalten", fasste ein Börsianer die Stimmung zusammen.

Klaus Kaldemorgen, Chef der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS, kann sich vorstellen, dass das neuerliche Beben in der US-Bankenwelt den internationalen Aktienmärkten einen weiteren Dämpfer versetzt: "Ein kurzfristiger Kehraus an den Börsen ist möglich", sagt er. Langfristig rechnet er aber mit einer Erholung, da die Bewertungen der Unternehmen bereits extrem niedrig seien, auch wenn deren Gewinne noch sinken dürften.

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