Marktbericht: Börse Frankfurt
„Schreckgespenst Subprime“ umklammert Dax

Neue Sorgen vor einer Ausweitung der Finanzmarktkrise haben am Dienstag die Aktienkurse deutlich einbrechen lassen. Der Dax beschleunigte seine Talfahrt, verlor fast 2,4 Prozent und schloss unter der Marke von 6 300 Punkten. Besonders hart traf es die Finanzaktien. Die Finanzkrise sei mit voller Wucht zurückgekehrt, sagten Marktteilnehmer. Kenneth Rogoff, Wirtschaftsprofessor an der Elite-Uni Harvard, malt ein düsteres Bild.

HB FRANKFURT. Der deutsche Leitindex büßte 2,34 Prozent auf 6 282,43 Punkte ein und schloss damit nur knapp über seinem Tagestief bei 6 269 Punkten. Der MDax gab 1,85 Prozent auf 8 242,27 Zähler nach. Der TecDax verlor 1,31 Prozent auf 789,01 Punkte. Der EuroStoxx50, der die Kursentwicklung der 50 größten börsennotierten Unternehmen der Euro-Zone abbildet, gab 2,5 Prozent auf 3282 Zähler nach. "Das Schreckgespenst Subprime ist wieder da", sagte ein Händler. "Da sinkt natürlich die Bereitschaft der Anleger Risiken einzugehen."

Der ZEW-Index, der die Stimmung der Finanzmarktprofis misst, fiel hinsichtlich der Erwartungen etwas besser als prognostiziert aus, stützte den Dax allerdings nicht. Börsianer sahen in der Warnung des früheren Chefökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kenneth Rogoff, ein schlechtes Omen für die Märkte. Rogoff hatte erklärt, die Krise sei noch nicht ausgestanden, in den kommenden Monaten könnte eine große US-Bank kollabieren. "Die USA sind noch nicht über dem Berg", sagte Rogoff bei einer Finanzkonferenz. "Ich würde sogar weiter gehen und sagen: das Schlimmste kommt noch", fügte der inzwischen in Harvard lehrende Wirtschaftsprofessor hinzu. Zusätzlich trübten ein überraschend starker Anstieg der US-Erzeugerpreise und erneut schwache Immobiliendaten die Stimmung.

Spekulationen über milliardenschwere Verluste bei der US-Investmentbank Lehman und die andauernden Schwierigkeiten der US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac drückten die Finanzwerte kräftig ins Minus. "Der Markt ist in einer sehr schwierigen Phase. Die Anspannung ist hoch, viele sind sehr nervös", sagte ein Händler. "Keiner will sich positionieren, wenn er nicht muss." Entsprechend schwach waren die Umsätze. Mit 135,7 Millionen Aktien blieb der Aktienumsatz hinter dem Durchschnitt der vergangenen 90 Handelstage (152,9 Millionen Aktien) zurück.

Die US-Bankenwerte setzten im frühen US-Geschäft ihre Talfahrt vom Montag fort. Am Vortag hatten in New York die Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac je mehr als 20 Prozent verloren. In US-Medien wurde über neue staatliche Rettungsaktionen für die beiden größten Immobilienfinanzierer des Landes spekuliert. Die Aktien von Lehman Brothers brachen um sieben Prozent ein, nachdem das "Wall Street Journal" berichtet hatte, einige Analysten rechneten mit einem Quartalsverlust der Bank von mindestens 1,8 Mrd. Dollar. Bislang seien viele von einem moderaten Gewinn ausgegangen.

Mit dem Fall unter 6 400 Punkte habe sich auch die technische Situation weiter eingetrübt, erklärten Analysten. Unterstützt sei der Dax nun im Bereich um 6 230 Punkte. Erst ein Anstieg über 6 410 Punkte würde die Situation aus technischer Sicht wieder entspannen.

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