Marktbericht: Börse New York
Citi schockt die Wall Street

Die US-Aktienmärkte sind auf den tiefsten Stand seit zwölf Jahren gerutscht. Vor allem Finanzwerte zählten zu den Verlierern, nachdem die Regierung die Teil-Verstaatlichung bei der Citigroup bekannt gegeben hatte. Die Wall Street bekam darüber hinaus die schlechten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt deutlich zu spüren.

HB NEW YORK. Kurseinbrüche im Bankensektor und schwache BIP-Daten haben die Aktienindizes für US-Standardwerte am Freitag auf ihre niedrigsten Stände seit rund zwölf Jahren gedrückt. Allerdings begrenzten nach Börsenstart freundliche Daten zum Einkaufsmanagerindex Chicago sowie zum Konsumklima der Uni Michigan die Verluste. Die Technologiewerte konnten minimale Gewinne verbuchen.

Der Dow Jones kurz nach Handelsbeginn bis auf 7 033 Punkte und lag damit so niedrig wie seit Mai 1997 nicht mehr. Zuletzt konnte sich der Leitindex wieder etwas erholen und verlor noch 0,87 Prozent auf 7 119 Punkte. Ähnlich sah es beim marktbreiten S&P-500-Index aus, der bei 734 Punkten den niedrigsten Stand seit April 1997 markierte und zuletzt noch Verluste von ein Prozent auf 745 Punkte verzeichnete. An der Technologiebörse NASDAQ stieg der Composite-Index um 0,14 Prozent auf 1 393 Zähler. Der NASDAQ 100 konnte um 0,35 Prozent auf 1 130 Zähler zulegen.

Als Dow-Jones-Schlusslicht stürzten Citigroup-Papiere um 32,11 Prozent auf 1,67 US-Dollar ab. Die Finanzkrise treibt die einst weltgrößte Bank zu großen Teilen in die Arme des Staates. Angesichts neuer überraschender Milliardenlöcher weitet die US-Regierung ihre Beteiligung an der taumelnden Bank massiv aus. Künftig hält der Staat als größter Anteilseigner bis zu 36 Prozent. Der historische Schritt erfolge über eine Umwandlung von maximal 25 Milliarden Dollar an bestehenden Vorzugsaktien des Staates in Stammaktien, teilte die Bank mit. Die Teilverstaatlichung heizte in den USA Spekulationen über weitere teilweise oder komplette Bankenübernahmen durch die Regierung an. Titel des Citi-Konkurrenten Bank of America brachen um 12,22 Prozent auf 4,67 Dollar ein.

Für Aktien von General Motors (GM) ging es um 9,24 Prozent auf 2,16 Dollar bergab. Der Autobauer Opel will sich von seiner US-Mutter ein Stück weit abkoppeln und sieht die Zukunft des Autobauers in einer rechtlich selbstständigen Geschäftseinheit. Unterdessen hieß es in Medienberichten, GM fordere von der deutschen Bundesregierung und anderen europäischen Staaten 3,3 Milliarden Euro zusätzliche Hilfen. Andernfalls fehle laut GM binnen weniger Wochen das Geld für ein Weiterbestehen von Opel, hieß es unter Berufung auf einen Insider.

Dagegen konnten die Anteilsscheine von Dell Computer dank freundlich aufgenommener Zahlen um 5,72 Prozent auf 8,68 Dollar zulegen. Zwar macht die Wirtschaftskrise dem PC-Hersteller schwer zu schaffen und sorgte für einen Gewinneinbruch um fast die Hälfte im vierten Quartal. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn lag dagegen dank der bereits erzielten Einsparungen knapp über den Schätzungen.

Yahoo-Titel stiegen um moderate 0,77 Prozent auf 13,08 Dollar. Die neue Chefin des Internet-Portals, Carol Bartz, läutet den Management-Umbau ein und sucht einen neuen Finanzchef. Blake Jorgensen ist der nächste ranghohe Manager, der den Portalbetreiber verlässt. Er werde kommissarisch im Amt bleiben, bis ein Nachfolger gefunden sei, hatte Yahoo! am Donnerstagabend mitgeteilt. Bartz gab zugleich offiziell den Startschuss für den erwarteten Management-Umbau. Analyst Steve Weinstein von Pacific Crest Securities lobte, Bartz zeige Entschlossenheit. Allerdings werde eine Umstrukturierung nicht reichen, um das Blatt bei dem Unternehmen zu wenden.

Vor Börsenbeginn gab das US-Wirtschaftsministerium bekannt, dass das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 6,2 Prozent gesunken war. Das ist der stärkste Rückgang seit Anfang 1982. Das ursprünglich ermittelte Minus von 3,8 Prozent wurde deutlich nach unten korrigiert. Damit wurden die pessimistischen Prognosen der Analysten übertroffen, die ein Minus von 5,4 Prozent erwartet hatten. Eine schnelle Erholung der weltgrößten Volkswirtschaft ist Experten zufolge nicht in Sicht. Die USA stecken seit Dezember 2007 in der Rezession. "Das vierte Quartal war viel schwächer als erwartet, und das erste Quartal wird nicht viel besser ausfallen", sagte Subodh Kumar vom kanadischen Handelshaus Subodh Kumar & Associates.

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