Marktbericht Börse Tokio
Grippefurcht wirft den Nikkei deutlich zurück

Trotz negativer Vorgaben von den US-Börsen hat sich der Nikkei an einem weiteren Kursanstieg versucht. Der Weg nach oben war aber schnell beendet. Aus Furcht vor den Folgen einer möglichen Grippewelle zogen sich Anleger zurück. Den japanischen Leitindex stürzte das noch tief ins Minus.

HB TOKIO. Der japanische Aktienmarkt ist den US-Börsen am Dienstag ins Minus gefolgt. Zwar legte der Nikkei-Index der 225 größten Werte im frühen Handel zu und stieg zeitweise über 8 800 Punkte. Doch in der zweiten Handelshälfte ging es dann nur noch abwärts. Bis zum Handelsschluss fiel der Tokioter Leitindex um 2,7 Prozent auf 8 494 Zähler zurück. Damit schloss er sich der Entwicklung an anderen asiatischen Handelsplätzen an.

Ein Grund für die Verluste sahen Händler in der Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen einer Ausbreitung der Schweinegrippe. Todesfälle durch die Grippe hat es bisher zwar nur in Mexiko gegeben. Immer mehr Staaten berichten aber über Verdachtsfälle, in Südkorea und Australien werden bereits Grippetests durchgeführt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte ihre Alarmstufe am Montagabend auf die dritthöchste Stufe erhöht. Die Erhöhung auf die vierte von sechs Stufen signalisiere einen "bedeutenden Anstieg des Risikos einer Pandemie", erklärte die WHO.

Bei den Einzelwerten in Tokio sorgte die Grippefurcht für sehr unterschiedliche Reaktionen. Während die Aktien des Pharmaherstellers Chugai, der das angesichts der Ausbreitung der Schweinegrippe gefragte Grippemedikament Tamiflu herstellt, erneut zulegten und dies auch für andere Unternehmen wie Hersteller von Gesichtsmasken galt, gehörten Luftfahrtaktien erneut zu den größten Verlierern am Markt. Auch exportorientierte Werte gaben aus Sorge vor einer Beeinträchtigung des Welthandels kräftig nach.

Abseits des Grippethemas gab es zahlreiche Unternehmensmeldungen, die für Kursbewegungen sorgten. So sackten die Aktien des PC-Speicherherstellers Elpida Memory um zehn Prozent ab, nachdem der weltweit drittgrößte Hersteller von DRAM-Speicherchips am Montag erklärt hatte, dass sich der Verlust im laufenden Jahr verachtfachen werde. Auch der Stahlhersteller Nippon Steel wurde an der Börse mit Verlusten von mehr als fünf Prozent abgestraft, nachdem er einem Gewinneinbruch um 40 Prozent gemeldet hatte. Noch kräftiger ging es für die Aktien von Sharp abwärts. Die Titel verloren 8,8 Prozent, nachdem der Hersteller von LCD-Fernesehern seinen zweiten Quartalsverlust in Folge berichtet hatte.

Zu den wenigen Gewinnern am Markt zählten hingegen lange die Titel von Kyocera. Der Hersteller von Elektronikteilen hatte zuvor für das kommende Jahr einen Gewinn von 44 Mrd. Yen (352 Mio. Euro) in Aussicht gestellt und sich damit deutlich optimistischer gezeigt als Analysten, die eher von einem Verlust ausgehen. Nachdem die Aktie lange Zeit im Plus lag, rutschte sie erst im späten Handel mit dem Einbruch des Nikkei um 1,5 Prozent ab.

Kräftig honoriert wurde am Markt hingegen die Ankündigung von East Japan Railway, Aktien im Wert von 30 Mrd. Yen zurückzukaufen. Nicht nur die Analysten von Morgan Stanley bezeichneten dies als positive Überraschung. Die Aktie des Bahnbetreibers sprang um 7,6 Prozent an und ließ sich auch durch die durchwachsenen Gewinnzahlen von East Japan Railway nicht irritieren. Das Unternehmen hatte für das Ende März zu Ende gegangene Jahr einen Gewinnrückgang um 2,8 Prozent gemeldet und für 2010 einen weiteren Rückgang um 17,5 Prozent prognostiziert.

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