Marktbericht
Dax geht tiefrot ins Wochenende

Aufgrund von negativ aufgenommenen US-Konjunkturdaten sind die wichtigsten deutschen Aktienindizes am Freitag mit Verlusten aus der Handelswoche gegangen. Nach anfänglichen Gewinnen schloss der Dax mit einem Abschlag von fast zwei Prozent nur knapp über der 6 800er-Marke. Kurz nach Handelsstart notierte der deutsche Leitindex noch oberhalb von 7 000 Zählern. Nur vier Bluechips konnten gegen den Trend zulegen.

HB FRANKFURT. Nach negativ aufgenommenen US-Konjunkturdaten sind die wichtigsten deutschen Aktienindizes am Freitag mit Verlusten aus der Handelswoche gegangen. Nach anfänglichen Gewinnen schloss der Dax mit einem Abschlag von 1,87 Prozent auf 6 832,43 Zähler. Auf Wochenbasis ergab sich damit jedoch immer noch ein Plus von 1,61 Prozent. Für den MDax ging es um 1,51 Prozent auf 8 945,36 Punkte nach unten, und der TecDax sank um 2,46 Prozent auf 801,23 Punkte.

Marktanalyst Frank Geilfuss vom Berliner Bankaus Löbbecke verwies auf die überraschend deutliche Eintrübung des Empire State Manufacturing Index als Belastungsfaktor. Der Indikator, der die Geschäftstätigkeit im Verarbeitenden Gewerbe im US-Bundesstaat New York misst, weist im Februar erstmals seit Mai 2005 wieder einen negativen Wert auf und deutet damit auf eine wirtschaftliche Abschwächung in den USA hin. Auch das US-Konsumklima hatte sich im Februar überraschend abgeschwächt. Vor diesem Hintergrund hätten die Anleger vor Wochenschluss Gewinne eingestrichen, sagte der Experte.

Die Papiere von Bayer verloren als zweitschwächster Wert im Dax 3,72 Prozent auf 55,66 Euro. Händler verwiesen auf Medienberichte, wonach ein schnellerer Vermarktungsstopp des umstrittenen Herzmittels Trasylol durch die US-Gesundheitsbehörde FDA 22 000 Patienten das Leben hätte retten können. Zudem habe Bayer im September 2006 den US-Behörden bei einer Diskussion einer belastenden Studie eigene Forschungserkenntnisse vorenthalten. "Sicher keine erfreulichen Neuigkeiten", sagte ein Börsianer. Lehman Brothers senkte die Einschätzung der Titel nach einer Risikoanalyse für den Sektor von "Overweight" auf "Equal-weight".

Deutsche Post-Aktien hingegen waren nach dem Rücktritt von Vorstandschef Klaus Zumwinkel angesprungen, gaben diese Gewinne im Handelsverlauf aber zunehmend wieder ab und schlossen mit einem Aufschlag von 1,12 Prozent auf 22,50 Euro. Marktteilnehmer nahmen das Rücktrittsangebot des unter dem Verdacht der Steuerhinterziehung stehenden Post-Chefs, dem schnell die Annahme der Regierung folgte, positiv auf. Damit könnte der Weg für eine strategische Neuausrichtung des Logisitikonzerns und eine schnellere Entscheidung über den Postbank-Verkauf frei sein, sagte ein Händler. Am Montagnachmittag wird nun der Aufsichtsrat über das Rücktrittsgesuch entscheiden. Die Annahme hat der Präsidialausschuss des Aufsichtsrats bereits empfohlen. Aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Zumwinkel ist der 46-jährige Logistikvorstand Frank Appel.

Das Postbank-Papier war nach der Vorlage von Geschäftszahlen der gefragteste Wert im Leitindex und verteuerte sich um 2,84 Prozent auf 60,44 Euro. Zwischenzeitliche, noch höhere Gewinne waren abgeschmolzen, nachdem Chef Wolfgang Klein mit Blick auf die Übernahme-Interessenten Commerzbank und Deutsche Bank gesagt hatte, er sehe bei der Konzernmutter Deutsche Post derzeit keine Anzeichen für einen Verkauf der Tochter. Die Postbank hat die Finanzmarktkrise trotz eines Gewinneinbruchs im Schlussquartal bislang besser weggesteckt als mancher Wettbewerber und 2007 deutlich mehr verdient als im Vorjahr. Einer Händlereinschätzungen zufolge sind die Zahlen wie vorhergesagt ausgefallen. Ein Analyst sprach von leicht übertroffenen Erwartungen. Deutsche Bank-Aktien gaben in dem schwachen Marktumfeld um 2,26 Prozent auf 74,23 Euro nach, Anteilsscheine der Commerzbank sanken um 1,06 Prozent auf 19,63 Euro.

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Titel von Fresenius Medical Care (FMC) legten dank einer positiven Studie um 2,48 Prozent auf 34,69 Euro zu. Ein Händler verwies auf einen optimistischen Analystenkommentar von Goldman Sachs als Kursstütze. Die Experten haben ihre Einschätzung für den US-Pharmasektor auf "Attractive" angehoben.

Im MDax verteuerten sich IKB-Aktien um 2,12 Prozent auf 6,75 Euro. Die Rettung der angeschlagenen Mittelstandsbank könnte den Steuerzahler einem Pressebericht zufolge teurer als bisher angekündigt zu stehen kommen. Der Bund habe intern zugesagt, weiteres Geld nachzuschießen, sollte das jüngste Rettungspaket von 1,5 Mrd. Euro nicht ausreichen, berichtet die Zeitung "Bild". Laut dem "Handelsblatt" soll die IKB getrennt von ihrem milliardenschweren Wertpapierportfolio verkauft werden.

Anteilsscheine von Premiere gewannen nach Spekulationen und einer positiven Studie 5,78 Prozent auf 14,27 Euro. Händler verwiesen auf vage Gerüchte über eine bevorstehende Ankündigung. So sei etwa die US-Bank Bear Stearns an dem Bezahlsender interessiert, hieß es. "Übernahmespekulationen kursieren ja schon länger", sagte ein Börsianer. Zudem bestätigte Lehman Brothers die Papiere mit "Overweight" und einem Kursziel von 15,00 Euro. Diese Einschätzung basiere hauptsächlich auf dem strategischen Wert des Unternehmens, schrieb Analyst Matthew Walker.

Außerhalb der großen Indizes sprangen die Aktien von Realtech nach vorläufigen Zahlen um 5,26 Prozent auf 12,00 Euro nach oben. Das Software- und Beratungsunternehmen hatte im Geschäftsjahr 2007 den Umsatz um 17 Prozent auf 63,8 Mill. Euro gesteigert und dabei einen um 77 Prozent höheren Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 6,6 Mill. verzeichnet.

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