Marktbericht
Dax schließt unter 4 800 Punkten

Enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA haben am Freitag an den deutschen Aktienmärkten Gewinnmitnahmen ausgelöst. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel um 1,5 Prozent auf 4783,80 Punkte und notierte damit so niedrig wie seit gut fünf Wochen nicht mehr.

HB FRANKFURT. „Der Uni-Michigan-Index und charttechnische Verkaufssignale drücken den Dax, und der Terminmarkt sorgt noch für eine Beschleunigung der Talfahrt“, sagte ein Händler. Der Index zum US-Verbrauchervertrauen, den die Universität Michigan ermittelt, fiel überraschend deutlich auf 89,1 Punkte. Zudem sorgte der nur knapp unter seinem Allzeithoch notierende Ölpreis für Aktienverkäufe.

Äußerungen von US-Notenbankchef Alan Greenspan zur Bedeutung von Vermögenswerten wie Aktien und Immobilien für die Wirtschaftsprognosen der Notenbank änderten Volkswirten zufolge nichts an der Einschätzung, dass weitere Zinserhöhungen in der weltgrößten Volkswirtschaft anstehen. Greenspans Auftritt beim traditionsreichen Wirtschaftssymposium in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming wurde an den Finanzmärkten weitgehend als Abschiedsrede wahrgenommen. Greenspan wird Ende Januar nächsten Jahres nach 18 Jahren an der Spitze der US-Notenbank in den Ruhestand gehen.

Mit einem Kursabschlag von 2,4 Prozent auf 19,05 Euro reagierten die Tui-Aktien auf die Bekanntgabe von Details zur angestrebten Kapitalerhöhung, mit der die geplante Übernahme der britisch-kanadischen Reederei CP Ships für 1,7 Milliarden Euro finanziert werden soll. Zum Preis von je 14,20 Euro will Tui 71,5 Millionen neue Aktien anbieten, um damit gut eine Milliarde Euro einzunehmen. Die Landesbank Rheinland-Pfalz senkte nach der Bekanntgabe der Details ihre Anlageempfehlung.

Die Kursverluste gingen durch alle Sektoren. Größer Verlierer im Dax waren die Aktien der Commerzbank mit einem Abschlag von fast drei Prozent. Händler erklärten dies mit wachsenden Zweifeln an einem Börsengang der Eurohypo. Die Großaktionäre der Immobilienbank - neben der Commerzbank die Deutsche Bank und die Dresdner Bank - erwägen einem Zeitungsbericht zufolge den Verkauf ihrer Anteile als Alternative zu einer Zweitplatzierung an der Börse.

Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller erwäge selbst eine Übernahme der Eurohypo, berichtete die „Financial Times Deutschland“. „Falls die Commerzbank die Eurohypo übernehmen würde, würde die Übernahmefantasie bei der Commerzbank selbst gedämpft“, sagte Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Er rechne aber nicht damit.

Mehr als der Dax verloren zudem die Aktien von Infineon, Allianz, MAN und Continental. Händler sprachen von einer allgemeinen Marktschwäche. „Es gibt kaum einzelne Storys hinter den Kursbewegungen“, sagte ein Händler.

Größte Gewinner im Nebenwerteindex MDax waren die Aktien des Bauzulieferers Pfleiderer und des Verkehrstechnikanbieters Vossloh mit einem Plus von 4,7 Prozent beziehungsweise 4,4 Prozent. Die Aktien beider Konzerne profitierten von der Zustimmung des Vossloh-Aufsichtsrates zur geplanten Übernahme der Bahnschwellen-Sparte von Pfleiderer.

Bei Vossloh honorierten die Anleger auch die Entscheidung im Machtkampf zwischen Vorstandschef Burkhard Schuchmann und Aufsichtsratschef Kajo Neukirchen zu Gunsten Schuchmanns. Neukirchen werde nach zehn Jahren an der Spitze des Aufsichtsrats zum 23. September aus dem Gremium ausscheiden, teilte Vossloh nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung mit.

Mit einem Plus von zeitweise zwei Prozent reagierten die Aktien von Pro Sieben Sat 1 - die Sendergruppe steht vor der Übernahme durch Axel Springer - auf den überraschend deutlichen Anstieg des Quartalsgewinns. Mit dem Gesamtmarkt schmolz das Plus aber auf magere 0,14 Prozent ab.

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