Marktbericht Frankfurt
Angst vor Folgen der Kreditkrise drückt den Dax

Nach nur zwei Tagen ist die Erleichterung über die Geldspritzen der Notenbanken an den Aktienmärkten wieder verpufft. Stattdessen übernahm die Angst vor den Folgen der Kreditkrise und einer US-Rezession die Regie. Erst im späten Handel präsentierte sich der Dax etwas erholt von den Tagestiefs.

HB FRANKFURT. Viele Anleger legten ihr Geld lieber in sichere Anlageklassen wie Gold an. Der Kursverfall des Dollar wiederum trieb den Ölpreis in die Höhe, was Ängste vor einer weltweiten Abschwächung der Konjunktur schürte. In Europa verloren die großen Indizes bis zu drei Prozent, halbierten im späten Geschäft im Sog der Wall Street aber die Verluste. Aussagen der Ratingagentur Standard & Poor's, wonach die subprime-bedingten Abschreibungen großer Banken bald ein Ende haben werden, machten den Anlegern etwas Mut, sagte ein Händler. Dennoch blieben die meisten Indizes im Minus. Der Stoxx50 und der EuroStoxx50 gaben je 1,2 Prozent nach. Der Dax fiel um 1,5 Prozent auf 6 500 Punkte.

Viele Börsianer hatten schon nach der Ankündigung der Liquiditätsspritzen gewarnt, dass damit die Probleme der Banken nur kurzfristig gelindert, aber nicht nachhaltig gelöst würden. Beispielhaft für die kritische Lage ist die Entwicklung einer Fonds-Tochter der US-Beteiligungsfirma Carlyle, die nach massiven Zahlungsschwierigkeiten vor dem Aus steht. Carlyle Capital Corp (CCC) hatte sich mit seinen Kreditgebern nicht auf eine neue Finanzierung geeinigt. Der Aktienkurs der seit Juli in Amsterdam notierten CCC stürzte um 87,5 Prozent auf 35 Cent ab. Nach dem Börsengang hatten die Titel bei 20 Euro gelegen.

Wenig Anlass zur Hoffnung gaben neue US-Wirtschaftsdaten: Ein überraschender Rückgang der Einzelhandelsumsätze im Februar schürte die Ängste vor einer ausgeprägten Rezession in den USA. Analysten sagten weitere Zinssenkungen in den USA voraus. „Der Markt wird weiter mit Geld geflutet, doch die Frage ist, ob das die Talfahrt aufhalten kann“, sagte ein Händler. Ein Euro von 1,56 Dollar, ein Ölpreis von 110 Dollar je Barrel (159 Liter) und ein Goldpreis von 1000 Dollar je Feinunze seien wenig verheißungsvoll.

Besonders unter Druck gerieten rund um den Globus die Finanzwerte. Der Stoxx-Index für die Finanzbranche fiel um 2,6 Prozent. Besonders harsch ging der Markt mit Unicredit, dem Mutterkonzern der HVB, ins Gericht: Der Aktienkurs von Europas drittgrößter Bank fiel um vier Prozent, nachdem sie ihre Gewinnziele für 2008 angesichts der Turbulenzen an den Kreditmärkten gesenkt hatte. In Frankfurt traf es vor allem die Aktien der Commerzbank, die fast fünf Prozent verloren. Deutsche Bank fielen um 2,9 Prozent. In New York bekam der weltgrößte Versicherer AIG den Unmut der Anleger besonders zu spüren. Unbeliebt waren in Frankfurt auch Aktien von Continental, die mit einem Minus von 4,8 Prozent aus dem Markt gingen. Dort sorgt die Eingliederung des von Siemens übernommenen Autozulieferers VDO für Zündstoff. Mehr als der Dax verloren auch BMW-Aktien mit 3,5 Prozent, der Zahlen vorlegte und seinen Vertriebsvorstand verlor.

Gegen den Trend konnten sich nur wenige Aktien stemmen. In Frankfurt legten TUI 2,4 Prozent zu, was Händler erneut auf Spekulationen auf eine Zerschlagung des Reise- und Schifffahrtkonzerns zurückführten. Im Stoxx50 stiegen die Aktien von Nestle um sechs Prozent, nachdem der weltgrößte Lebensmittelkonzern nach einem guten Start in das Jahr sein Umsatzziel erhöhte. Dies stützte auch den Schweizer Standardwerte-Index, der als einziger der großen Indizes in Europa noch den Sprung ins Plus schaffte.

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