Marktbericht Frankfurt
Anleger suchen sichere Häfen

Die deutschen Standardwerte haben am Dienstag zumeist Verluste verzeichnet. Zu den größten Verlieren zählten wieder einmal die Bankwerte. Für Bewegung sorgten vor allem neue Konjunkturdaten – jedoch in unterschiedliche Richtungen.

HB FRANKFURT. Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Wirtschaft hat am Dienstag den deutschen Aktienmarkt belastet. Der Dax schloss 0,24 Prozent im Minus bei 7769,44 Punkten. Für etwas Erleichterung sorgten am Nachmittag Daten vom krisengeschüttelten US-Immobilienmarkt. „Die Zahlen zu den US-Eigenheimen sind etwas besser als erwartet reingekommen und das beruhigt die verunsicherten Investoren“, sagte ein Händler. Der Dax hatte nach Veröffentlichung der Zahlen einen Großteil seiner Verluste abgebaut.

Belastet hatte den deutschen Leitindex zuvor der Rückgang des vielbeachteten Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland. Der Rückgang war im September überraschend deutlich ausgefallen, der Ifo-Index fiel auf 104,2 von 105,8 Punkte. „So allmählich kommt bei den Anlegern die Überzeugung durch, dass der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland sich nicht nur verlangsamt, sondern steht“, sagte ein Händler.

Nach Aussage von Ifo-Konjunkturexperte Hans Günter Russ sind die Firmen wegen der US-Hypothekenkrise verunsichert. Der starke Euro, der mit 1,4153 Dollar ein Rekordhoch markierte, bereite den deutschen Unternehmen aber noch keine Kopfschmerzen. In den USA erreichte das Verbrauchervertrauen im laufenden Monat das niedrigste Niveau seit November 2005.

Die Sorge vor Belastungen aus der US-Hypothekenkrise in den Bankenbilanzen hat die Investoren einmal mehr zum Verkauf von Finanzwerten bewogen. Die Aktien der Commerzbank verloren 1,5 Prozent. Händler verwiesen auf eine negative Einschätzung der Aktie durch die Analysten von Merrill Lynch. Unter Druck standen auch die Titel der Postbank, die 2,0 Prozent nachgaben.

Die rote Laterne im Dax übernahmen die Aktien des Handelsriesen Metro mit einem Minus von 2,7 Prozent. Die Credit Suisse hatte die Papiere auf „Neutral“ heruntergestuft. Der Handelskonzern hatte in einem Mitarbeiter-Brief einen Verkauf der Extra-Märkte nicht ausgeschlossen.

Gefragt waren dagegen Versorger. So kletterten die Titel von Eon um 1,3 Prozent; RWE um 1,1 Prozent zu. „Energiewerte gelten als sicherer Hafen“, sagte ein Börsianer. RWE profitiere zudem von einem Ölfund in Libyen, an dessen Erträgen die Essener beteiligt sind. Zu den Gewinnern im Dax zählten auch die Titel des Stahlherstellers ThyssenKrupp mit einem Zuwachs von 0,9 Prozent auf 44,94 Euro. „ThyssenKrupp profitiert vom Bau des Transrapid“, sagte ein Händler. Die bayerische Staatsregierung hat sich mit der Deutschen Bahn und dem Industriekonsortium auf den Bau der Strecke für die Magnetschwebebahn vom Münchener Flughafen in die Innenstadt geeinigt. Zudem erhöhten die Analysten von Credit Suisse nach Aussage von Händlern das Kursziel für die ThyssenKrupp-Aktie auf 52 von 47 Euro.

Sorgen über ein Abgleiten der US-Wirtschaft in die Rezession belasteten nach Aussage von Händlern die deutschen Bauwerte. Im MDax zählten die Titel von Hochtief sowie von Bilfinger & Berger mit Kursrückgängen von 5,3 beziehungsweise 4,5 Prozent zu den größten Verlierern.

Bei den Technologiewerten im TecDax stand die Solarbranche im Fokus. Die Titel des Solarmodulherstellers Solon schossen 10,5 Prozent nach oben. Das Berliner Unternehmen will seine konzernweite Produktionskapazität bis Ende 2008 wegen steigender Nachfrage deutlich ausbauen. Angetrieben worden war das Papier auch von Spekulationen über eine Übernahme durch Gamesa, die der spanische Windkraftturbinenhersteller jedoch umgehend zurückgewiesen hatte. Conergy schloss 4,2 Prozent, Solarworld um 2,8 Prozent im Plus.

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