Marktbericht Frankfurt
Anleger zittern vor Hexen und Gespenstern

Die Angst vor den Auswirkungen der Finanzkrise ist zum Wochenschluss an die Aktienmärkte zurückgekehrt. Zudem drückte der große Verfall an den Terminmärkten auf die Kurse, so dass der Dax am Freitag den Handel 2,1 Prozent tiefer bei 6578 Zählern beendete.

HB FRANKFURT. Auf Wochensicht verlor der deutsche Leitindex knapp drei Prozent. Der Europa-Index Stoxx50 gab am Freitag 1,6 Prozent auf 2929 Punkte ab. Auslöser der jüngsten Spekulationen um den Zustand der Banken waren Gerüchte über eine Gewinnwarnung der US-Investmentbank Merrill Lynch. Deren Aktien verloren gut drei Prozent und zogen andere Finanzwerte mit nach unten. „Wir hatten gehofft, dass das erste Quartal bei den schlechten Nachrichten aus dem Finanzsektor die Talsohle bilden würde“, sagte Jim Awad von W.P. Stewart & Co. Das habe sich leider nicht bestätigt. „Nun ist die Frage: Wird das zweite Quartal der Tiefpunkt? Oder wird die Entwicklung auf das dritte Quartal überschwappen?“

Als das Merrill-Gerücht am Mittag an den europäischen BÖRSEn herumgereicht wurde, rutschen die Kurse der Finanzwerte auf breiter Front ab. „Schwierigkeiten bei Merrill würden auch auf die Banken hierzulande ausstrahlen“, sagte ein Marktteilnehmer. Der europäische Bankenindex notierte 1,5 Prozent tiefer. In Frankfurt wurden insbesondere Commerzbank-Aktien verkauft, die um 8,5 Prozent einbrachen und damit das Schlusslicht im Dax bildeten. Deutsche Bank verloren drei Prozent. In London gerieten die Aktien der beiden britischen Hypothekenbanken HBOS und Bradford & Bingley unter Druck. Händler verwiesen auf eine Studie, wonach die Banken im Vereinigten Königreich im Falle eines von weiter sinkenden Immobilienpreisen ausgelösten Wirtschaftsabschwungs ins Wanken geraten könnten. Beide Titel verloren knapp fünf Prozent.

Zu Handelsschluss in Europa lagen die US-Börsen im Minus. Der Dow-Jones-Index rutschte gut ein Prozent ab, der Technologie-Index Nasdaq-Composite verlor 1,7 Prozent. Die Aktien von Ford gaben mehr als sechs Prozent nach. Der Autobauer geht davon aus, dass seine Geschäfte noch schlechter laufen als bislang ohnehin schon befürchtet.

Am deutschen Markt wurde der Kursrutsch zudem durch den Verfall am Terminmarkt ausgelöst, wo Futures und Optionen auf Indizes und Aktien ausliefen. Börsianern zufolge waren die Kurse zuletzt noch hoch gehalten worden, weil zahlreiche Anleger sich in Erwartung eines Abflauens der Finanzkrise für höhere Dax-Stände positioniert hätten. „Der Dax hatte gegenüber anderen europäischen Indizes zuletzt ein Eigenleben geführt. Jetzt holt er die Kursverluste nach“, sagte ein Händler. Als weiteren Belastungsfaktor für den Markt nannten Börsianern den wieder stärkeren Euro, der über die Marke von 1,56 Dollar gestiegen war. „Für den ganzen Mix sind wir eigentlich noch viel zu hoch“, sagte ein Händler.

Einer der größten Verlierer im Dax war die Aktie der Deutsche Börse. „Der Wettbewerbsdruck wird immer stärker und die Umsätze sinken, wie man es ja auch heute sieht“, kommentierte ein Händler den fallenden Kurs. Selbst die Beteuerungen des Börsenbetreibers auf seinem Investorentag, dass man immer noch deutlich günstigere Konditionen für Anleger auf dem elektronischen Handelssystem Xetra als der Konkurrent Chi-X anbiete, halfen nicht: Die Aktie sackte um 5,7 Prozent ab. Seit Anfang des Jahres hat der Titel damit rund 40 Prozent verloren. An der Spitze des Dax stand dagegen ThyssenKrupp mit einem Plus von 1,8 Prozent. Marktteilnehmer verwiesen zur Begründung auf einen positiven Analystenkommentar. Die Aktien der beiden schwer gewichteten Energiekonzerne E.ON und RWE, die am Vortag noch den Dax gestützt hatten, gaben jeweils rund 2,7 Prozent ab. Bei den Nebenwerten gerieten die Aktien von Escada nachbörslich unter Druck und rutschten im Frankfurter Parketthandel 6,8 Prozent ab. Der Modekonzern hatte nach Xetra-Handelsschluss eine Gewinnwarung herausgegeben.

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