Marktbericht Frankfurt
Dax bricht massiv ein

Die deutschen Aktienindizes sind am Montag belastet von einer Gewinnwarnung von Siemens und Verschärfung der US-Finanzkrise eingebrochen. Der Dax fiel auf den tiefsten Stand seit anderthalb Jahren. Händler bewerteten die Situation kritisch. "Es bleibt spannend, ob in den kommenden Tagen weitere Hiobsbotschaften kommen", sagte ein Börsianer.

HB FRANKFURT. Die deutschen Aktienindizes haben am Montag belastet von einer Gewinnwarnung bei Siemens und einer Verschärfung der Kreditkrise massive Verluste einstecken müssen. Der Dax rutschte zum Handelsschluss um 4,18 Prozent auf 6 182,30 Zähler ab und schloss damit auf dem tiefsten Stand seit Oktober 2006. Für den MDax ging es um 5,43 Prozent auf 8 193,00 Punkte nach unten. Der TecDax büßte 5,15 Prozent auf 694,17 Zähler ein.

"Derzeit kommt einiges zusammen, weshalb mich die aktuelle Entwicklung auch nicht wundert", sagte Marktstratege Matthias Jörss von Sal. Oppenheim. Auch Händler bewerteten die Situation kritisch. "Alles, was irgendwie mit Bank zu tun hat, wird gnadenlos abgestraft. Es bleibt spannend, ob in den kommenden Tagen weitere Hiobsbotschaften kommen", sagte ein Börsianer. "Man sollte nie in ein fallendes Messer greifen", fügte ein weiterer Händler an.

Allen voran brachen Siemens um 17,08 Prozent auf 66,42 Euro ein. In der Spitze rutschten die Titel auf 64,89 Euro ab - damit wurden rund 13,9 Mrd. Euro an Wert vernichtet. "Alle Ampeln sind bei Siemens übers Wochenende auf Rot gesprungen", sagte ein Händler. Zwar sei über Probleme in der Energiesparte bereits in Medien berichtet worden, eine so deutliche Gewinnwarnung schockiere aber und treffe auch den angeschlagenen Aktienmarkt völlig unvorbereitet.

"Verglichen mit den aktuellen Analystenschätzungen liegt die neue Prognose meilenweit daneben", sagte ein weiterer Börsianer. Der Technologiekonzern hat nach einer Überprüfung verschiedener Großprojekte seine Gewinnerwartungen gesenkt. Am Nachmittag bekannt gegebene Aktienkäufe der Vorstände seien zwar ein Vertrauensbeweis, könnten die Aktie derzeit aber nicht stützen.

Finanztitel gehörten ebenfalls zu den gebeutelten Werten. Die am Sonntag angekündigte Übernahme von Bear Stearns durch Jpmorgan lastete auf der Stimmung. Auch die verpuffte Senkung des Diskontsatzes durch die US-Notenbank Fed schüre neue Sorgen für den Sektor, hieß es am Markt.

"Wer kann nun noch garantieren, dass sich das Gleiche nicht bei jeder anderen Bank weltweit abspielen kann", beschrieb ein Börsianer die Angst der Anleger. So büßten die Titel der Deutschen Bank 6,03 Prozent auf 65,77 Euro ein, für die Commerzbank ging es um 7,04 Prozent auf 16,77 Euro nach unten. Hypo Real Estate (HRE) rutschten um 12,45 Prozent auf 13,01 Euro ab, im MDax sackten Aareal Bank um 12,97 Prozent auf 18,72 Euro ab.

Tui reagierten heftig auf die neue Konzernstrategie. Zum Handelsschluss verloren die Titel 4,78 Prozent auf 17,14 Euro. Die Tui bereitet die Abspaltung von ihrer Tochter Hapag-Lloyd vor. Für die Containerschifffahrt sollten alle Optionen wie Spin-off, eine Fusion mit einem anderen Unternehmen sowie der Verkauf als Ganzes geprüft werden, teilte der Konzern mit. Händler zeigten sich wenig überrascht: "Genau diese Gerüchte geistern seit Tagen durch den Markt und haben die Aktien angetrieben - nun haben nach dem Motto „Buy the Rumour, Sell the Fact“ schnelle Gewinnmitnahmen eingesetzt."

Unterdessen stemmten sich Volkswagen mit plus 4,32 Prozent auf 163,94 Euro gegen den Trend. "Fundamentale Gründe gibt es nicht, aber wahrscheinlich kauft Porsche weiter zu", sagte ein Händler. Auch Linde hielten sich mit plus 0,05 Prozent auf 86,65 Euro deutlich besser als der Markt. Der Technologiekonzern peilt für das laufende Geschäftsjahr erneut einen Umsatz- und Ergebniszuwachs an. Händler und Analysten äußerten sich positiv.

Bei den Technologietiteln zählten die Solarwerte zu den größten Verlierern. Laut "Spiegel" will die Union Subventionen für die Solarstromförderung reduzieren. So verloren Solon 7,31 Prozent auf 38,79 Euro, Solarworld gaben 8,59 Prozent auf 27,04 Euro ab. Händler und Analysten machten allerdings eher die meist überdurchschnittliche Reaktion der Solartitel auf Marktschwankungen für die hohen Verluste verantwortlich - die Aussagen des CDU-Politikers seien nicht besonders neu und kämen auch nicht überraschend. Conergy büßten 8,48 Prozent auf 14,79 Euro ein - hier belastete zusätzlich der Rücktritt des für das operative Geschäft zuständigen Vorstands Pepyn R. Dinandt.

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