Marktbericht Frankfurt
Dax glänzt mit guter Halbjahresbilanz

Die Dax zauderte zuerst, um dann kräftig durchzustarten. Angetrieben von den US-Börsen schaffte der Dax nach mehreren ertragreichen Tagen heute ein Plus von mehr als einem Prozent. Im Visier der Anleger: Bankaktien.
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FrankfurtNeue Zuversicht in der griechischen Schuldenkrise und starke US-Konjunkturdaten haben dem Dax am Donnerstag kräftigen Auftrieb beschert. Nachdem der deutsche Leitindex bereits am Vortag deutlich gestiegen war und damit das Ja der Griechen zum Sparpaket ihrer Regierung honoriert hatte, legte er nun um weitere 1,13 Prozent auf 7376,24 Punkte zu. Im ersten Halbjahr 2011 bedeutet dies einen Anstieg um 6,7 Prozent. Im Vergleich dazu kommt der EuroStoxx 50 nur auf ein Halbjahresplus von rund zwei Prozent. Der MDax rückte an diesem Donnerstag um 1,71 Prozent auf 10.932,33 Punkte vor, der TecDax gewann 1,34 Prozent auf 893,78 Punkte.

Viele Fondsmanager hätten zudem zum Abschlussstichtag des zweiten Quartals eine Art „Bilanzkosmetik“ betrieben, sagten mehrere Händler. „Die Portfolios werden aufgehübscht, um eine optische Verbesserung der Jahresperformance zu erreichen. Das Ganze wird auch Window Dressing genannt“, sagte ein Händler.

Nach Meinung von Ralf Grönemeyer von Silvia Quandt Research dürfte es im zweiten Halbjahr aber weiter nach oben gehen. Bis Ende des Jahres werde er auf mindestens 8300 Punkte klettern. Derzeit notiert der Dax um 7300 Punkte. Wenn die Investoren von einer Lösung der Schuldenkrise ausgingen, sei sogar ein noch höheres Niveau möglich, meint der Aktienstratege. Als Grund nennt er die hohe Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen hervor, die vor allem von der wachsenden Nachfrage aus den Schwellenländern profitierten. Trotz der gestiegenen Unsicherheiten seien die Unternehmensgewinne in den vergangenen
Monaten weiter gestiegen, was zu attraktiven Bewertungen und Hoffnungen auf höhere Dividenden führe.

 

Eine vorläufige Entspannung in der Schuldenkrise gab es am Donnerstag. Mit der Zustimmung der griechischen Parlamentarier ist der Weg frei für weitere Hilfen von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds in Höhe von zwölf Milliarden Euro, mit denen eine Staatspleite Griechenlands vermieden werden soll. Am Vortag hatten die Abgeordneten dem drastischen Konsolidierungskurs bereits grundsätzlich zugestimmt. „Alles andere als ein Ja des Parlaments wäre eine Überraschung gewesen“, sagte ein Händler in Frankfurt. „Die Frage ist nur: Wie viel Zeit hat man sich dadurch erkauft? Die Märkte werden sicher bald Richtung Irland und Portugal schauen, die ähnliche Schuldenprobleme wie Griechenland haben.“

Die deutschen Banken und Versicherungen einigten sich heute mit dem Bundesfinanzministerium grundsätzlich auf eine Beteiligung privater Gläubiger an Griechenland-Hilfen. Finanzminister Wolfgang Schäuble sagte, er rechne mit einem Gesamtbeitrag deutscher Institute von 3,2 Milliarden Euro. Er sei zuversichtlich, bis Sonntag eine Lösung zu haben. Kreisen zufolge beläuft sich der Betrag der Deutschen Bank voraussichtlich auf unter eine Milliarde Euro, die Commerzbank muss demnach deutlich unter eine Milliarde Euro beisteuern. Die Titel der Commerzbank konnten ein Prozent zulegen, die Papiere der Deutschen Bank schlossen den heutigen Handelstag mit einem Plus von 1,4 Prozent auf 40,75 Euro. Der europäische Bankenindex gewann 1,2 Prozent.

Versicherer im Aufwind

Als Nachwirkung auf die Zustimmung der griechischen Parlamentarier zum Rettungspaket der Regierung konnten die Versicherer am deutlichsten profitieren. So gehörten die Aktien des weltgrößten Rückversicherers Munich Re mit einem Aufschlag von 1,8 Prozent auf 105,45 Euro nach Handelsschluss zu den stärksten Werten im Dax. Für die Titel der Allianz ging es um 1,5 Prozent auf 96,33 Euro nach oben, und im Index mittelgroßer Werte konnte sich die Hannover Rück mit plus 4,2 Prozent auf 35,97 Euro in der Spitzengruppe des MDax positionieren.

Am Ende des Dax zeigten sich Autowerte. BMW-Aktien verloren 0,1 Prozent auf 68,65 Euro, die Vorzüge von Volkswagen büßten 0,3 Prozent auf 141,40 Euro ein. Als Grund hierfür werden Gewinnmitnahmen und kritische Analystenkommentare über die Branchenentwicklung genannt. Händler gehen davon aus, dass BMW das gute erste Halbjahresergebnis im folgenden Halbjahr nicht fortsetzten kann.

Ebenfalls zu den Verlierern im Dax zählten die Adidas-Aktien mit einem Minus von 0,5 Prozent auf 54,70 Euro. Börsianer sprachen von einer Gegenbewegung nach den deutlichen Kursgewinnen in Folge der starken Zahlen des US-Konkurrenten Nike.

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  • Und wo gehts am Freitag hin? Ist ja gut gelaufen. Wird Zeit, dass sich der Dax mal etwas ausruht. Freitage sind hervorragende Tage um Gewinne mitzunehmen :-)

  • Ob es wirklich runter geht, wird die nächste Berichtssaision und die Erhöhung der amerikanischen Schuldenobergrenze zeigen.

  • QE2 läuft aus,globale Schuldenproblematik im Fokus.nur 3% unter Jahreshoch?Tendenz nach unten

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