Marktbericht Frankfurt
Dax kann die 8 000 nicht halten

Die ungebrochene Kauflaune der Anleger hat den Dax am Freitag erstmals wieder über 8000 Punkte gedrückt: Kurz nach 16 Uhr notierte der Leitindex bei 8 001,63 Punkten, fiel nach Gewinnmitnahmen aber wieder unter die „magische Linie“ zurück. Damit war er zwischenzeitlich nicht einmal mehr 140 Punkte von seinem Allzeithoch vom 8. März 2000 entfernt.

HB FRANKFURT. Aktionärsschützer mahnten Kleinanleger, die jetzt noch auf den Zug aufspringen wollten, zur Vorsicht. „Die Rückschlagsgefahr ist größer geworden“, erklärte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Er hält eine Korrektur von 10 Prozent in den nächsten Wochen für möglich. Ein Rückgang des Dax auf 7 200 Punkte sei aber in Ordnung und gesund. „Wichtig ist, dass der Trend und die Rahmendaten weiter positiv sind.“ Am Jahresende werde der Dax über 8 000 Punkten liegen. „Es gibt im Moment nichts, was gegen die Börse spricht.“ Anders als bei der Euphorie-Blase im Jahr 2000 werde der Höhenflug am Aktienmarkt diesmal von guten wirtschaftlichen Fundamentaldaten getragen, sagte Kurz.

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„Das ist eine knackige Entwicklung heute“, kommentierte Sascha Peitz, Aktienstratege der Commerzbank, den Dax-Höhenflug am Freitag. „Der Markt will die 8 000 sehen.“ Getrieben wird die jüngste Aufwärtsentwicklung nach seiner Einschätzung von Nachzüglern und Übernahmegerüchten. Selbst negative Meldungen wie der kürzliche Kurseinbruch am chinesischen Aktienmarkt habe der Dax in der zu Ende gehenden Börsenwoche locker weggesteckt.

Der Dax schloss um 17.30 Uhr mit einem Plus von 1,33 Prozent bei 7 987,85 Zählern. Der MDax stieg um 1,4 Prozent auf ein Rekordhoch von 11 207 Punkten. Der TecDax legte 0,5 Prozent auf 928 Punkte zu und notierte damit so hoch wie seit Frühjahr 2002 nicht mehr. Unterstützung erhielt der deutsche Aktienmarkt von der Wall Street, die nach Konjunkturdaten freundlich tendierte.

Unter anderem fielen die Arbeitsmarktdaten für Mai besser aus als erwartet. Zudem zogen im April die Konsumausgaben etwas stärker als erwartet an, ohne dass sich dies negativ auf die Preisentwicklung auswirkte. „Die Zahlen sind ein Signal, dass die US-Wirtschaft gar nicht so schlecht läuft“, fasste Jörg Treptow, Händler bei MM Warburg in Hamburg, die Marktreaktion zusammen.

Angeführt wurde der Höhenflug des Dax von kräftigen Zugewinnen der Schwergewichte Telekom und Allianz. Die T-Aktie verteuerte sich bis um 4 Prozent, nachdem Spekulationen die Runde machten, die spanische Telefonica und die amerikanische AT&T hätten Interesse an der US-Handytochter der Telekom. Der Konzern hat stets betont, er denke nicht daran, T-Mobile USA zu verkaufen.

Die Aktien des Dax-Schwergewichts Allianz profitierten von einer Empfehlung von Goldman Sachs und stiegen um drei Prozent. Zu den Gewinnern zählten auch Metro mit einem Plus von 2,6 Prozent. Der Einzelhandelsriese profitiere von der Ausgabefreude der Verbraucher angesichts einer gut laufenden Konjunktur, sagten Börsianer.

Die SAP-Aktien gingen mit einem Plus von gut drei Prozent aus dem Handel. Händler verwiesen auf die gute Aufnahme der Quartalszahlen des US-Computerkonzerns Dell sowie auf Spekulationen über eine Beteiligung von Erzrivale Oracle an SAP. Von den Dell-Zahlen profitierte auch die Aktie des Chipherstellers Infineon, die um 2,2 Prozent zulegte.

Stahlwerte wurden erneut von europaweiten Übernahmefantasien getragen. Hier kolportierte die Börse, diverse Interessenten aus Indien und Russland seien an Beteiligungen an europäischen Stahlherstellern interessiert. Thyssen-Krupp stiegen um 2,4 Prozent, Salzgitter um 3,4 Prozent.

Im MDax stiegen die Aktien von Hugo Boss um 1,3 Prozent, nachdem ein Übernahmeangebot bekannt wurde. Red & Black Lux, eine 100-prozentige Tochter des Finanzinvestors Permira, hat jedoch nur den Mindestpreis nach Maßgabe des Bafin geboten. Händler nannten das Gebot „nicht interessant“.

Im TecDax überwogen hingegen die Gewinnmitnahmen: So fielen Solarworld um 3,3 Prozent, nachdem die Aktie zuletzt sehr gut gelaufen war. Umgekehrt erholten sich Drägerwerk um 4,2 Prozent. Nordex wurden weiter von Übernahmespekulationen getrieben und verteuerten sich um 4,9Prozent. Software AG hoben für das laufende Jahr die Umsatz- und Gewinnprognosen an; die Aktie stieg danach um 1,9 Prozent.

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