Marktbericht Frankfurt
Dax scheitert an 8 000-Punkte-Marke

Der Stahlhändler Klöckner & Co (KlöCo) hat die Börse mit einer Gewinnwarnung überrascht und dafür von den Anlegern eine saftige Abreibung bekommen. Die Aktien büßten am Dienstagvormittag ein Fünftel ihres Wertes ein und waren damit im MDax für ein Minus von zeitweise über 60 Punkten verantwortlich.

HB FRANKFURT. Am deutschen Aktienmarkt haben am Dienstag die Nebenwerte im Vordergrund gestanden. Kursverluste von bis zu 25 Prozent bei Klöckner&Co und von über acht Prozent bei Premiere rückten die MDax-Titel in den Mittelpunkt. Dagegen schloss der Dax nach einem ruhigen Handel kaum verändert mit 7980 Punkten 0,1 Prozent im Plus. Vor Beginn der US-Bilanzsaison am Abend hielten sich Händlern zufolge viele Anleger zurück.

Der Stahlhändler Klöckner & Co (KlöCo) hatte am Vorabend die Börsianer mit einer Gewinnwarnung überrascht und dafür von den Anlegern eine saftige Abreibung bekommen: Zwischenzeitlich büßte die Aktien ein Viertel ihres Wertes ein, am Abend lag der Titel - der zuvor noch mit einem Plus von rund 50 Prozent zu den besten MDax-Werten in diesem Jahr gezählt hatte - 18,7 Prozent im Minus bei 39,80 Euro. „KlöCo hatte einen ziemlichen Vertrauensvorschuss bekommen, und den haben sie jetzt verspielt“, sagte ein Händler. Der Konzern hatte schon im zweiten Quartal die Prognosen verfehlt, allerdings hatte der Vorstand bei der Vorlage der Zahlen Mitte August noch beteuert, den operativen Gewinn des Vorjahres im laufenden Jahr übertreffen zu können. Nun teilte KlöCo mit, das Ebitda des Vorjahres um zehn Prozent zu unterschreiten. Im Sog von KlöCo gerieten verloren im MDax Salzgitter 2,3 Prozent und im Dax ThyssenKrupp 1,3 Prozent.

Unter Druck geriet im MDax auch die Aktie des Bezahlfernsehsender Premiere, die zu Handelsschluss 8,3 Prozent einbüßte. Die deutsche Fußball-Liga DFL hat den Medienunternehmer Leo Kirch beauftragt, bei den beiden kommenden Ausschreibungen die Vermarktung der Fußball-Übertragungsrechte zu übernehmen. Für sechs Jahre erwartet die DFL dafür 3,45 Milliarden Euro Einnahmen - für Premiere könnte es damit teuer werden. „Wenn Premiere aber die Übertragungsrechte für Fußball verliert, gibt es keinen Grund mehr, Premiere zu abonnieren,“ sagte ein Börsianer.

Der Aktie des Münchener Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzerns MAN verhalfen Übernahmespekulationen zu einem Plus von 2,1 Prozent auf 118,54 Euro und damit zur Spitzenposition im Dax. „Es gibt Gerüchte, dass Investor an MAN interessiert ist“, sagten Händler. Der schwedische Konzern solle 126,50 Euro je Aktie bieten. Weder MAN noch Investor wollten die Gerüchte kommentieren. Zu den größten Dax-Gewinnern zählte auch die Commerzbank, deren Aktie um 1,2 Prozent zulegte. Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Kreisen erfahren hatte, verhandelt die UBS exklusiv mit dem deutschen Institut über den Kauf der Commerzbank-Fondstocher CCR.

Daneben waren die Reihen der Gewinner und Verlierer im Dax „buntgemischt“, wie ein Börsianer sagte. Viele Anleger wollten abwarten, wie sich die Immobilienkrise in den Quartalszahlen der Unternehmen ausgewirkt hat, deswegen habe sich keine klare Tendenz herauskristallisiert. Am Abend gibt der US-Aluminiumkonzern Alcoa den Startschuss für die Berichtssaison in der größten Volkswirtschaft der Welt. Darüber hinaus wird die US-Notenbank nach Börsenschluss in Europa das Protokoll der Septembersitzung veröffentlichen, auf der sie eine Zinssenkung um 50 Basispunkte beschlossen hatte. „Alcoa gibt zwar erste Hinweise auf die Berichtssaison, doch dass die Zahlen den Handel hier wieder beleben werden, wage ich zu bezweifeln“, sagte ein anderer Händler. „Wir werden auf die Zahlen der deutschen Unternehmen, vor allem die der Banken, warten.“

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