Marktbericht Frankfurt
Dax schließt mit massiven Verlusten

Überraschend schwache US-Arbeitsmarktdaten haben den deutschen Aktienmarkt am Freitag auf Talfahrt geschickt. Der Dax verlor nach Bekanntgabe der Daten rund 185 Punkte und schloss mit einem Minus von 2,43 Prozent auf 7 436,63 Zähler. Im Wochenvergleich gab der Leitindex rund 2,6 Prozent ab. Für den MDax ging es um 2,32 Prozent auf 10 020,99 Punkte nach unten. Der Technologiewerte-Index TecDax verlor 1,98 Prozent auf 911,41 Zähler.

HB FRANKFURT. „Nachdem die Marke von 7 500 Punkten gebrochen wurde, geriet der Dax aus technischer Sicht noch stärker unter Druck“, sagt ein Händler. Die Umsätze lagen bei 7,2 Mrd Euro nach 5,8 Mrd. Euro am Vortag.

Die Marktteilnehmer seien sehr überrascht gewesen, dass die Zahlen so dramatisch schlecht ausgefallen seien, sagte Analyst Björn Wolber von Independent Research. Man sollte sie aber nicht überbewerten und die Konjunkturdaten der nächsten Woche abwarten. In den USA ist die Zahl der Beschäftigten zum ersten Mal seit vier Jahren gesunken. Nach Einschätzung von Konjunktur-Experten könnte der Beschäftigungsrückgang ein erstes Zeichen realwirtschaftlicher Konsequenzen der US-Hypothekenkrise sein. Einige Experten sehen sich in ihrer Einschätzung bestätigt, dass die US-Notenbank nun die Leitzinsen bei ihrer nächsten Sitzung senken wird.

Bankentitel verloren nach einer negativen Studie überdurchschnittlich an Wert. So gaben Aktien der Commerzbank am Indexende um 5,20 Prozent auf 28,61 Euro nach. Deutsche Bank -Titel verbilligten sich um 2,89 Prozent auf 89,70 Euro, und Anteile der Postbank rutschten um 3,61 Prozent auf 50,98 Euro ab.

Auch Dresdner Kleinwort sieht in einer Studie mit Blick auf die Investmentbanken das Risiko verfehlter Erwartungen im dritten Quartal. Die Konsensschätzungen der Deutschen Bank, der Credit Suisse sowie der UBS seien um zehn bis 20 Prozent zu hoch, schrieben die Experten und rieten, Investmentbanken weiter unterzugewichten. Ein Marktteilnehmer verwies darüber hinaus auf Schwierigkeiten im Anleihegeschäft wegen stark zunehmender Risikoaversion. Zudem werde hartnäckig über weitere negative Auswirkungen der US-Immobilienkrise auf den Bankensektor spekuliert. So hielten sich auch Gerüchte über eine "Subprime"-Schieflage bei der Commerzbank-Tochter Essen Hyp.

Außerdem habe es Gerüchte gegeben, dass die Socgen Kontakt zu Analysten aufnehme, um deren Erwartungen für das dritte Quartal zu dämpfen, sagte ein Börsianer. Die französische Großbank wollte sich zu den Gerüchten nicht äußern.

Deutsche Post verloren überdurchschnittliche 2,96 Prozent auf 20,95 Euro. Ein Händler verwies auf einen Medienbericht, wonach die Expresstochter DHL vor negativen Folgen der schlechteren US-Konjunktur auf ihr dortiges Geschäft gewarnt habe. Es werde schwierig, in der Region bis 2009 ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen.

SAP-Titel verteuerten sich als einer der wenigen Gewinner im Dax 0,27 Prozent auf 40,38 Euro. Es gebe am Markt vage Gerüchte um eine mögliche Prognose-Anhebung des Softwarekonzerns, sagten Börsianer. "Das trifft genau den Nerv, auf den Anleger bei SAP sehr sensibel reagieren", äußerte sich ein Händler skeptisch. Ein Marktteilnehmer sieht vor allem das positive Chartbild als Impulsgeber an.

Im MDax verloren Premiere-Anteile 3,64 Prozent auf 15,11 Euro. Der Bezahlfernseh-Anbieter will für die anstehende Versteigerung von Bundesligarechten das Grundkapital von derzeit 98,4 Mill. Euro um nominell 14,06 Mill. Euro auf 112,46 Mill. Euro erhöhen. Nach Einschätzung von LBBW-Analystin Iris Schäfer könnte Premiere mit der Kapitalerhöhung 200 bis 210 Mill. Euro einnehmen. Ursprünglich hatte der Bezahlfernseh-Anbieter angekündigt, bis zu 250 Mill. Euro einsammeln zu wollen. Den Experten von M.M. Warburg zufolge gibt die Aktion ein negatives Signal hinsichtlich der Finanzkraft von Premiere.

Im TecDax verloren GPC Biotech als zweitschwächster Wert 3,76 Prozent auf 10,49 Euro. Händler verwiesen auf Gewinnmitnahmen nach der viertägigen Kursrally.

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