Marktbericht Frankfurt
Dax verliert rund ein Prozent

Die neuen Machtverhältnisse bei VW und die weitere Eskalation im Tauziehen um Endesa haben das Geschäft am deutschen Aktienmarkt zu Wochenbeginn geprägt.

HB FRANKFURT. Für Druck auf die Kurse sorgte am Nachmittag der enttäuschende US-Immobilienmarkt und ein entsprechend schwacher Start der Wall Street. Der Dax, der sich die meiste Zeit des Tages kaum bewegte hatte, schmierte um 1,02 Prozent auf 6 828,82 Zähler ab.

VW-Großaktionär Porsche hat seine Ankündigung vom Wochenende umgehend wahr gemacht und seinen Anteil an den VW-Stammaktien auf mehr als 30 Prozent erhöht. Damit muss der Sportwagenbauer den übrigen Aktionären von Europas größtem Autohersteller ein Übernahmeangebot machen. Dieses soll offenbar dem gesetzlichen Mindestpreis von 100,92 Euro entsprechen und damit deutlich unter dem aktuellen Kurs liegen. Volkswagen-Titel verloren 3,2 Prozent auf 113,95 Euro. „Eigentlich wäre zu erwarten gewesen, dass die VW-Aktie bei dieser Aussicht stärker fällt“, sagte Börsianer. „Aber letzten Endes steht alles noch in den Sternen, und es sind auch noch eine Menge Optimisten im Markt.“

Porsche und das Land Niedersachsen halten nun zusammen die Mehrheit an dem Wolfsburger Konzern. Nach dem in Kürze erwarteten Wegfall des von der EU bekämpften VW-Gesetzes könnten die Stuttgarter und das Bundesland Volkswagen gegen eine feindliche Übernahme schützen. Porsche-Aktien stiegen um 0,6 Prozent auf 1121 Euro.

Überwiegend skeptisch reagierten Eon-Anleger auf das aufgestockte Übernahmeangebot für den spanischen Versorger Endesa. Der Aktienkurs des größten deutschen Energieversorgers gab um bis zu ein Prozent auf 99,28 Euro nach. „Der Markt ist sich nicht mehr sicher, ob Eon Endesa wirklich haben soll“, kommentierte ein Händler die inzwischen seit einem Jahr laufende Saga. Eon laufe inzwischen Gefahr, zu viel für Endesa zu bezahlen. „Mit dem neuen Angebot ist die gedehnte Schmerzgrenze definitiv erreicht.“

Eon bietet den Aktionären 40 Euro je Endesa-Anteil statt der zuletzt offerierten 38,75 Euro. Damit beläuft sich die Offerte Reuters-Berechnungen zufolge auf 42,3 Milliarden Euro. Gestartet hatte Eon den Übernahmeversuch vor gut einem Jahr mit einem Angebot von rund 29 Milliarden Euro. Einem Zeitungsbericht zufolge wollen der italienische Versorger Enel und der spanische Baukonzern Acciona nun eine Offerte über 41 Euro je Aktie vorlegen. Beide Firmen lehnten eine Stellungnahme dazu ab. Eon will seine Konkurrenten im Poker um Endesa mit Klagen in den USA und Spanien stoppen. Endesa empfahl seinen Aktionären unterdessen die Annahme des Eon-Angebots.

Gefragt waren Aktien Autozulieferers Continental, deren Kurs um bis zu 1,5 Prozent auf 97,87 Euro stieg. Händler machten dafür die Erleichterung der Anleger verantwortlich, dass Conti beim Bieterrennen um die Schlauchsparte des Konkurrenten Goodyear nicht zum Zuge kommt. Das hannoversche Unternehmen selbst bezeichnete den Preis selbst als zu hoch.

Im Nebenwerteindex MDax profitierten die Aktien der GEA Group von Kurszielerhöhungen durch Goldman Sachs und Deutsche Bank. Die Titel stiegen um bis zu sechs Prozent auf 20,04 Euro. Rheinmetall legten ebenfalls nach einem positiven Analystenkommentar zu und verteuerten sich um zwei Prozent auf 67,90 Euro.

Techem fielen um 1,9 Prozent auf 56,40 Euro. Die Aktionäre des Energiedienstleisters haben dem Unternehmen einen Riegel für Kapitalmaßnahmen vorgeschoben. Sie verweigerten dem Vorstand auf der Hauptversammlung am Montag die Gefolgschaft und entschieden sich stattdessen für einen Gegenantrag der zweitgrößten Aktionärsgruppe um den US-Hedgefonds Elliott.

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