Marktbericht Frankfurt
Schuldenkrise lässt Aktienmarkt einbrechen

Zunehmende Sorgen um eine Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien ließen den Dax und insbesondere europäische Bankenwerte am Montag abstürzen. Die Bundesregierung versuchte dagegenzuhalten.
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FrankfurtNachdem der Dax bereits mit hohen Verlusten von 0,8 Prozent geöffnet hatte, baute er die Verluste im Laufe des Handels immer weiter aus. Schließlich schloss er mit enormen Abschlag von 2,33 Prozent auf 7.230 Punkte. Für den MDax ging es 2,31 Prozent auf 10.813 Punkte nach unten, während der TecDax ein Minus von 2,36 Prozent auf 877 Punkte zu Handelsschluss verzeichnete. Als Begründung wurden in erster Linie die Sorgen um eventuelle Hilfen für Italien aus dem EU-Rettungsschirm angebracht. Die Bundesregierung versuchte mit Vertrauensbekundungen Italien gegenüber vergeblich den Gerüchten den Wind aus den Segeln zu nehmen. „Der Markt ist hochnervös“, sagte Jochen Intelmann, Chefvolkswirt von der Hamburger Sparkasse. Zum einen werde diskutiert, ob nun auch noch Italien Hilfe benötige, zum anderen sei das US-Schuldenproblem nach wie vor ungelöst.

Neben dem italienischen Bankenindex sackte auch der griechische auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren ab. Weiterhin nannten Händler die andauernde Belastung durch den schlechten Arbeitsmarktbericht des USA vom letzten Freitag als weitere Ursache der Kursverluste. Schließlich belaste auch die weiter anhaltende Inflation in China die Märkte. Unter Druck geriet ebenfalls der Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am späten Nachmittag mit 1,4032 US-Dollar gehandelt.

„Niemand weiß, wo das noch enden wird und wann der nächste Domino-Stein fällt. Aber man kann die Investoren nicht vom Spekulieren abhalten“, erklärte Aktienstratege Jeremey Batstone-Carr vom britischen Brokerhaus Charles Stanley. EU-Ratspräsident Herman van Rompuy haben am Montagnachmittag ein Sondertreffen gehalten, an dem unter anderem auch EZB-Chef Jean-Claude Trichet teilnahm. Dabei ging es nicht nur um ein zweites Hilfspaket für Griechenland, sondern auch um die Gefahr einer Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien.

Die Bundesregierung habe „volles Vertrauen, dass die italienische Regierung die notwendigen klaren Entscheidungen für einen Sparhaushalt treffen wird“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Deswegen seien darüber hinausgehende Spekulationen „ganz unangebracht“. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat Spekulationen über eine Aufstockung des Euro-Rettungsschirms, wegen der Probleme Italiens dementiert. „Davon kann überhaupt keine Rede sein“, sagte Schäuble vor Beginn eines Treffens der Euro-Finanzminister in Brüssel.

Einem Zeitungsbericht zufolge forderte die EZB zum Schutz von Italien eine deutliche Aufstockung des Euro-Rettungsschirms. „Da wäre schon ein großer Befreiungsschlag vonnöten, um diese Spekulationen zu beenden. Aber wo soll das herkommen?“, fragte ein weiterer Börsianer in Frankfurt.

Daneben schwele noch die Krise in den USA, wo die Verhandlungen der Demokraten von Präsident Barack Obama und den Republikanern, die im Repräsentantenhaus das Sagen haben, bislang keine Einigung über eine Anhebung der Schuldenobergrenze brachten. „Das könnte die Investoren in den nächsten Tagen noch zusätzlich irritieren“, gaben die Analysten von Close Brothers Seydler Bank zu bedenken.„Im Moment herrscht am Markt noch der Konsens, dass sich die Kontrahenten bei allen Streitereien am Ende doch auf eine Lösung einigen werden.“

Die Woche könnte vielleicht durch die anlaufende US-Berichtssaison mit positiven Impulsen gerettet werden. Am Montag nach der Schlussglocke an der Wall Street eröffnet der Aluminiumkonzern Alcoa traditionell den Zahlenreigen. Vor dem Wochenende hatte indes ein enttäuschender Arbeitsmarktbericht aus den USA für einen kräftigen Stimmungsdämpfer gesorgt.

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  • Heute gab es die Quartalszahlen von Alcoa. Die sind ganz gut ausgefallen. Volkswagen hat heute neue Absatzrekorde bekannt gegeben. Ganz ehrlich: Der DAX Drop ist nur fufu. Das gibt die Tage wieder nen netten Sprung nach oben. Der läuft einfach nur ganz brav in seinem Dreieck nach oben.

  • .....je mehr die Posaunen tönen, um so weniger ist damit zu rechnen, daß etwas Großes an den Finanzmärkten passieren wird. Griechenland gilt als Beispiel dafür. Es ist hier, wie im Fall Griechenland Profilneurose der Hauptgrund. Jeder der sich berufen fühlt, muß doch mal die Klappe aufmachen, um sich zu Wort zu melden. Obwohl diese Amateure überhaupt keine Ahnung haben. Sie sollsten die Klappe halten. Es wird bald die Notenpresse angeworfen und am nächsten Tag spricht kein Mensch mehr von einer Krise. Die Höhenanstrengungen von Dax und Dow werden bald belohnt, also Dax bald bei 8000 und der Dow bei 13000. Es wird so sein. Wir leben in einer Lug und Truggesellschaft.

  • lol was für ein hamma-geiler tag heute. mit einer 40 pkt. dead cat bounce-rally kurz vor schluss. jemand dabei gewesen???

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