Marktbericht Frankfurt
Zweifel an Jahresendrally wachsen

Die drastisch steigenden Ölpreise und immer neue Rekordhöhen des Euros verunsichern die Anleger an den Aktienmärkten. Für die kommenden Wochen geben sich Experten zunehmend skeptisch und ziehen das Szenario einer Jahresendrally, die viele Banken vorhergesagt haben, in Zweifel.

HB FRANKFURT. „Die Risiken für Anleger haben zugenommen“, sagt Ralf Zimmermann, Aktienstratege beim Bankhaus Sal. Oppenheim. „Sowohl der Ölpreis als auch der Euro-Kurs haben Werte erreicht, bei denen Gegenwind für die Konjunktur zu erwarten ist.“

Seit Mitte August klettern der Ölpreis und der Wechselkurs des Euros im Gleichschritt nach oben. Ein Euro kostete am Mittwochabend erstmals mehr als 1,45 Dollar, der Preis für ein Barrel Öl der US-Sorte WTI wurde gestern im Terminhandel der New Yorker Rohstoffbörse für mehr als 96 Dollar gehandelt. Doch an den internationalen Aktienmärkten reagierten die Anleger lange Zeit erstaunlich gelassen. Parallel zu den steigenden Notierungen von Öl und Euro haben der deutsche Aktienindex Dax und der amerikanische Leitindex S&P 500 jeweils rund zehn Prozent an Wert gewonnen, weil die Zinspolitik der US-Notenbank Fed und die Firmenberichte für das dritte Quartal den Märkten die Richtung vorgaben.

Nachdem Fed-Chef Ben Bernanke wie erwartet die Leitzinsen um einen Viertelprozentpunkt gesenkt hat und der Großteil der US-Firmen sowie viele europäische Konzerne inzwischen ihre Zahlen veröffentlicht haben, könnten Öl und Euro nun aber stärker in den Fokus rücken, erwartet Michael Heise, Chefvolkswirt der Dresdner Bank. Er rechnet damit, dass die Börsen angesichts der zunehmenden Belastungen in eine Seitwärtsbewegung übergehen werden. Sollten Ölpreis und Euro-Kurs über mehrere Monate auf ihrem hohen Niveau bleiben, seien auch kleinere Rückschläge möglich.

Auch Stefan Schießer, Chef-Aktienstratege der DZ Bank, sieht den Dax auf Sicht von drei Monaten bei 7 900 Punkten, also etwas tiefer als aktuell. Zwar sei die Bedeutung des Ölpreises für die Unternehmensgewinne in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen und auch die Schwankungen am Devisenmarkt hätten aufgrund von Produktionsverlagerungen und Absicherungsgeschäften der Firmen einen Teil ihres Schreckens verloren. Gleichwohl sei ein dämpfender Effekt der Preisrally für die Weltwirtschaft wahrscheinlich.

Seite 1:

Zweifel an Jahresendrally wachsen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%