Marktbericht New York
Schuldenkrise zieht US-Börsen ins Minus

Die US-Anleger blicken mit Sorgen nach Europa, wo die Schuldenkrise noch immer nicht gelöst ist. Trotz guter Konjunkturdaten präsentieren sich die US-Indizes schwach.
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New YorkDie Wall Street kann die europäische Schuldenkrise nicht abschütteln: Trotz erneut guter Konjunkturdaten aus dem Inland verloren die wichtigsten Indices in New York am Donnerstag deutlich. Damit setzte sich die Tendenz der vergangenen Wochen fort.

Am Nachmittag kam es zu einer plötzlichen Verkaufswelle: Innerhalb von zehn Minuten verlor der S&P-Index 1,1 Prozent. Die Ursache war zunächst unklar. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,1 Prozent im Minus bei 11.770 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 11.948 und 11.676 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 fiel 1,7 Prozent auf 1216 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab zwei Prozent nach auf 2587 Punkten. Der DAX hatte 1,1 Prozent tiefer bei 5850 Punkten geschlossen.

Seit Tagen versuchen die Investoren die anhaltenden Probleme in der Euro-Zone gegen US-Daten abzuwägen, die besser ausfallen als erwartet. So stellten in der vergangenen Woche so wenige Amerikaner erstmals einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe wie seit sieben Monaten nicht mehr. Allerdings musste Spanien den Anlegern bei der letzten Auktion vor den Wahlen am Sonntag fast sieben Prozent Rendite bieten - bedrohlich nahe der Marke, ab der ein Schuldendienst zu teuer wird.

Auch Frankreich konnte sich nur zu deutlich höheren Zinsen frisches Geld am Markt besorgen. Die Kursverluste beschleunigten sich, als der S&P um 1225 Punkte lag. Michael Marrale von RBC Capital Markets sprach von einer Widerstandslinie, die durchbrochen worden sei. Mehrere Personen, die namentlich nicht genannt werden wollten, sprachen von Gerüchten über mangelnde Fortschritte bei den Verhandlungen des Sonderkomitees für den US-Haushalt. Der Kongressausschuss soll Schritte zur Lösung des Defizits ausarbeiten. Entsprechende Nachrichten lagen jedoch nicht vor. „So ziemlich alles steht zu Verkauf“, beschrieb Tom Scharder von Stifel Nicolaus Capital Markets die Stimmung. „Es gibt eine Bewegung hin zum Bargeld.“ Die Warnung der Ratingagentur Fitch vor den Auswirkungen der Schuldenkrise auf US-Banken setzte Finanzwerten zu.

Die Aktien von Morgan Stanley notierten 3,5 Prozent im Minus, wie auch die Titel von Goldman Sachs. Zu den Verlieren gehörten auch Titel von Sears Holdings mit einem Minus von 4,6 Prozent. Der Verlust im Quartal verdoppelte sich fast für den Inhaber der Sears- und Kmart-Läden. Auch den Aktien Applied Materials wurden die Geschäftszahlen zum Verhängnis: Sie fielen um rund 7,5 Prozent nach einem vorsichtigen Ausblick nach Börsenschluss am Vortag.

Das Börsendebüt des Autozulieferers Delphi Automotive war ebenfalls von Rot geprägt: Die Aktien der ehemaligen GM -Sparte lagen drei Prozent im Minus. Anders dagegen schnitt Angie's List nach ihrem Erstauftritt ab: Die Aktie legte um 25 Prozent zu. Das Unternehmen aus Indianapolis bietet Zugang zu Kundenbewertungen von örtlichen Geschäften und Dienstleistern.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,02 Milliarden Aktien den Besitzer. 569 Werte legten zu, 2425 gaben nach und 84 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,19 Milliarden Aktien 695 im Plus, 1774 im Minus und 124 unverändert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Marktbericht New York: Schuldenkrise zieht US-Börsen ins Minus"

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  • Wie heißt das Zeug was Du in Dich reinziehst?

  • @ Arminius,
    und Sie meinen die US-Börsen werden ins Minus gezogen solange das Problem der unausgeglichenen Leistungsbilanzen zwischen den Euro-Länder nicht gelöst ist?
    Oder was hat ihr Kommentar sonst hier zu suchen, auch wenn es richtig und wahr sein mag!

  • Die scharfe Verleumdungskampagne gegen die "Pleiteländer" in den deutschen Medien hatte nur den Zweck von wahren Problem, den unausgeglichenen Leistungsbilanzen und Divergenzen zwischen den Euro-Länder, abzulenken und einen Sündenbock für die Schieflage der gesamten Euro Zone zu liefern.
    Das ist genau die gleiche Masche wie die NSDAP damals angewandt hat und die Juden als Sündenbock lieferte.

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