Marktbericht Schanghai
„Blind auf China setzen reicht nicht mehr“

Nach dem schweren Erdbeben in Westchina ist nun auch das befürchtete Börsenbeben im Reich der Mitte gefolgt. Panikverkäufe haben am Dienstag die Börsen in Schanghai und Shenzhen stark einbrechen lassen. Es war der schwerste Kursrutsch an einem Tag seit mehr als einem Jahr. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Einen Grund zur Panik sehen die Experten darin aber nicht.

PEKING. Nachdem die Notenbank zuvor die Zügel der Geldpolitik angezogen und die Kreditvergabe durch die Banken weiter eingeschränkt hatte, gab der Index der Leitbörse Shanghai gestern um 7,7 Prozent nach und näherte sich der psychologisch kritischen Marke von 3 000 Punkten.

Und ein Ende ist nicht in Sicht. Analysten erwarten, dass die Kurse an Chinas Börsen weiter nachgeben werden. "Ich glaube schon, dass es noch weiter nach unten gehen wird", meint Ivo Naumann, Bankenexperte der Beratungsgesellschaft Alix Partners in Schanghai. Dies sei allerdings durchaus im Sinne der chinesischen Regierung, die immer wieder die überhitzte Wirtschaft als auch die überhitzen Börsen abzukühlen versucht.

Chinas Bruttoinlandsprodukt wächst noch immer zweistellig, obwohl Peking als Zielvorgabe acht Prozent ausgegeben hat. Chinas Regierung hatte die obligatorischen Rücklagen zur Kreditvergabe für Banken zum Wochenende erhöht. Damit soll die verfügbare Geldmenge auf den Märkten eingeschränkt und das anhaltende Wirtschaftswachstum gedämpft werden.

Durch die immensen Aufbauarbeiten in Sichuan, wo ein schweres Erdebeben vor einem Monat Schäden in Milliardenhöhe verursacht hatte, wird nach einer Studie der Deutschen Bank das Wachstum zunächst zusätzlich angekurbelt werden. Jun Ma, Chefökonom der Deutschen Bank in Hongkong, hat seine Prognose für Chinas Wirtschaftswachstum 2008 darum um 0,7 Prozent auf 10,7 Prozent nach oben korrigiert.

Chinas Anleger befürchten jedoch durch die neue Kreditbremse eine Schwächung der Wertpapiermärkte, da nun sinkende Unternehmensgewinne erwartet werden. "Firmen bekommen weniger Geld für ihre Expansion", sieht Experte Naumann direkte Folgen der strafferen Geldpolitik. Die Regierung in Peking will damit die seit Monaten sehr hohe Inflation bekämpfen, die momentan bei acht Prozent liegt.

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