Marktreaktionen „Jamaika-Aus überrascht nicht“

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Die politische Unsicherheit kommt zur Unzeit

Kritischer sehen einige Fachleute die mittelfristigen Folgen für die Anlagemärkte: "Die politische Unsicherheit kommt zu einem Zeitpunkt, an dem von globaler Ebene zunehmende Schwierigkeiten auf die deutsche Wirtschaft zukommen, zum Beispiel von einer Wachstumsverlangsamung in China", sagt Christian von Engelbrechten, Fondsmanager des Fidelity Germany Funds. Zwar laufe die deutsche Wirtschaft momentan noch sehr gut - allerdings sei diese positive Entwicklung in den Rekordständen der Börsen bereits eingepreist.

"Eine Abschwächung im nächsten Jahr könnte daher konjunktursensible Zykliker belasten", warnt von Engelbrechten. Der Experte erwartet deshalb, dass die Stimmungsindikatoren der Wirtschaft keine weiteren Rekordstände erreichen werden und dass das Wachstum 2018 schwächer ausfallen wird. "Solide wachsende Unternehmen, insbesondere aus den Bereichen Gesundheit, Technologie und Software, dürften daher wieder die Führung übernehmen – im Vergleich zu Unternehmen, die eine besonders positive Konjunktur für ihre schwachen Fundamentaldaten benötigen."

Uneins sind sich die Fachleute darüber, wie Investoren in den kommenden Wochen reagieren werden, falls sich Neuwahlen abzeichnen sollten: "Neuwahlen sind aktuell der größte Risikofaktor, auch für die Börse. Hier wäre die Hängepartie am längsten", sagt Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Partners in Frankfurt. Zudem wisse niemand, wie Neuwahlen ausgehen und wie es danach weitergehen könne. "Deutschland könnte für eine längere Zeit politisch gelähmt sein. Das ist eine schlechte Nachricht: Nicht nur für Deutschland, sondern für die gesamte Euro-Zone und die gesamte EU."

Anders sieht das Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank: "Neuwahlen wären eine Perspektive, die die Finanzmärkte nicht schrecken würde. Insbesondere, weil hier noch der Druck, eine funktionierende Regierung zustande zu bringen, ungleich größer wäre", so der Ökonom. Auch mit einer Minderheitsregierung könnten Kater zufolge die Märkte leben, wenngleich die Möglichkeiten der Politikgestaltung in einem solchen Szenario geringer ausfallen würden.

Sein Kollege Jörg Krämer von der Commerzbank vermutet, dass Anleger eine Koalition zwischen Union und FDP bevorzugen dürften, falls Neuwahlen irgendwann tatsächlich unausweichlich sein sollten. "Die FDP würde dann spürbare Steuersenkungen durchsetzen. Außerdem würde sie ein Zurückrollen der Schröder-Reformen verhindern und die Belastungen der Unternehmen aus der Klimapolitik begrenzen." Noch aber würden die Umfragen eine solche Regierungskonstellation nicht hergeben, betont der Fachmann.

"Schlimm wäre, wenn AfD und Linke bei Neuwahlen massiv zulegen würden und klar würde, dass die Zeiten stabiler, marktwirtschaftlicher Regierungen in Deutschland vorüber wären", warnt Krämer. Dann würden Dax und Euro in die Knie gehen.

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