Marktschlussbericht: Börse Frankfurt
Dax dreht im späten Handel ins Minus

Wieder aufkeimende Konjunkturängste haben am Dienstag den Anlegern die Erleichterung über das Comeback der Finanzwerte verdorben. Hinzu kamen Spekulationen um die Investmentbank Lehman, deren Aktienkurs zeitweise um 40 Prozent abstürzte.

HB FRANKFURT. Mit der Wall Street drehten am Nachmittag die Kurse an den europäischen Aktienmärkten ins Minus, wobei vor allen Rohstoff- und Energiewerte unter die Räder gerieten. Der Dax, der am Vormittag auf die Vortagesgewinne noch ein Prozent drauf gesattelt hatte, rutschte um 0,5 Prozent auf 6 233 Punkte ab.

Der Dow-Jones-Index notierte zum Handelsschluss in Europa 0,7 Prozent niedriger. Der Nasdaq-Composite lag 0,6 Prozent im Minus und der S&P500 sogar über ein Prozent. Lehman notierten zu diesem Zeitpunkt mit 10,12 Dollar fast 30 Prozent unter dem Vortagesschluss.

In Frankfurt belief sich das Handelsvolumen im Dax auf 178 (Vortag 191) Mill. Aktien. Der Umsatz betrug 6,6 (6.8) Mrd. Euro.

Der MDax fiel sogar um 2,25 Prozent auf 8 068,09 Punkte und der TecDax verlor 2,56 Prozent auf 759,15 Zähler. „Zum Handelsstart haben wir den Schub von gestern trotz der schwachen asiatischen Märkte noch mitgenommen“, sagte Marktstratege Hans-Jürgen Delp von der Commerzbank. Mit schwachen US-Konjunkturdaten sei dann aber am Nachmittag die Stimmung endgültig gekippt. Vor allem die im Juli stärker als erwartet gesunkenen noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe hätten die Hoffnung auf ein Ende der Subprime-Krise getrübt. Etwas stützend wirkten dagegen der starke Dollar und der sinkende Ölpreis.

Finanzwerte knüpften an ihre Vortagsgewinne an

Aktien der Deutschen Bank schlossen an der Dax-Spitze 2,97 Prozent höher bei 61,965 Euro und für Titel der Postbank ging es um 2,12 Prozent auf 44,70 Euro nach oben. Commerzbank-Papiere gewannen 1,55 Prozent auf 17,415 Euro. „Wir sehen ähnlich wie nach der Übernahme von Bear Stearns durch JPMorgan im März eine Erleichterungsbewegung“, sagte Analyst Andreas Weese von UniCredit mit Blick auf die Übernahme von Fannie Mae und Freddie Mac durch die US-Regierung. Allerdings dürfte diese Entwicklung nicht sehr nachhaltig sein, da das Umfeld für die Banken schwierig bleibe und die Effekte aus der konjunkturellen Abschwächung sich noch zeigen sollten.

Für die Deutsche Bank verwiesen Händler zusätzlich auf charttechnische Gründe. Bei der Postbank gebe es erneut diverse Gerüchte um die Zukunft der Post-Tochter , wobei aktuell die spanische Banco Santander als potenzieller Interessent gehandelt werde. Allerdings sei diese Spekulation nicht neu und nach den wildesten Spekulationen um Kaufinteressenten für die Postbank in jüngster Zeit auch nicht besonders glaubwürdig.

Getrieben von Übernahmegerüchten stiegen Bayer-Aktien um 1,21 Prozent auf 53,34 Euro. Händlern zufolge kursierten an der Börse vage Spekulationen über ein mögliches Interesse des US-Pharmakonzerns Pfizer an Bayer. „Angeblich soll Pfizer mit Bayer-Großaktionären sprechen und einen Anteilskauf erwägen“, sagte ein Händler. Es soll auch über die Option einer Komplettübernahme zum Preis von 60 Euro je Aktie gesprochen worden sein. Bayer wollte dazu nicht Stellung nehmen, Pfizer war bisher nicht für einen Kommentar erreichbar. Ein anderer Börsianer sagte einschränkend: „Mit der steten Wiederholung dieser Spekulation wird sie nicht besser.“

Stahltitel kamen deutlich unter Druck. Die Aktien von ThyssenKrupp sackten als Schlusslicht im DAX um 8,04 Prozent auf 27,12 Euro ab, Salzgitter verloren im MDAX 7,01 Prozent auf 83,51 Euro. Börsianer verwiesen auf einen Pressebericht, demzufolge das brasilianische Minenunternehmen Vale do Rio Doce die Preise für 2008 für Eisenerz im Herbst nochmals anheben will.

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