Marktschlussbericht Börse Frankfurt
Dax rettet sich knapp über 5 300 Punkte

Bis zum Nachmittag hatte der Dax noch mit niedrigen Umsätzen um die 5 400 Punkte gependelt. Doch am Nachmittag ging dann mal wieder alles ganz schnell: Mit Veröffentlichung eines enttäuschenden US-Verbrauchervertrauens rauschte der Dax innerhalb weniger Minuten voll ins Minus.

HB FRAKFURT/DÜSSELDORF. Schwache US-Konjunkturdaten und ein Kurssturz bei Volkswagen haben den Dax am Freitag ins Minus gedrückt. Er beendete den Xetra-Handel 1,7 Prozent tiefer bei 5 309 Punkten. Im Vergleich zum Vorwochenschluss verlor er damit 2,7 Prozent. Der MDax stieg um 0,3 Prozent auf 6 529 Punkte, der TecDax zog um 0,5 Prozent auf 701 Zähler an, der SDax gewann 0,3 Prozent auf 3 197 Punkte.

„Eine Konsolidierung ist nach den Kursgewinnen der vergangenen Wochen nicht verwunderlich und das Verbrauchervertrauen aus den USA ist ja deutlich schlechter als erwartet ausgefallen“, sagte Susanne Lahmann, Marktanalystin bei der Bremer Landesbank. In der kommenden Woche seien weitere Verluste möglich. Der übergeordnete Trend, dass die Konjunkturentwicklung ihren Boden gefunden haben dürfte, sei aber unverändert.

US-Verbrauchervertrauen sinkt unerwartet

Belastend wirkten die neuesten amerikanischen Konjunkturdaten: So sind die Verbraucherpreise in den USA sind im Juli so stark gesunken wie seit fast 60 Jahren nicht mehr. Sie fielen um 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das ist der stärkste Rückgang seit Januar 1950. Noch nie in der Geschichte der Umfrage hätten weniger Verbraucher angegeben, dass sich ihre finanzielle Situation verbessert habe, teilten die Forscher mit. Viele machten den anhaltenden Arbeitsplatzabbau, kürzere Arbeitszeiten und geringere Lohnsteigerungen dafür verantwortlich. Die Aussichten für die Wirtschaft beurteilten die Verbraucher dagegen optimistischer. Der von Anlegern und Volkswirten stark beachtete Index gilt als wichtiges Konjunkturbarometer, das die Stimmung und das Kaufverhalten der US-Verbraucher im Voraus anzeigt. Die Konsumausgaben machen rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der USA aus.

VW-Aktie stürzt ab

Die Dax-notierten Stammaktien von Volkswagen (VW) verringerten nach dem offiziell bekannt gegebenen Einstieg des Scheichtums Katar ihre Verluste auf 15,62 Prozent und kosteten 190,70 Euro. Händler sagten zu den dennoch deutlichen Abschlägen, die „künstlich hochgehaltene“ Aktie des Autobauers, der im Laufe des Jahres 2011 mit dem Sportwagenbauer und Noch-Großaktionär Porsche verschmelzen will, pendelten sich nun bei ihrem „richtigen fundamentalen Wert“ ein. Die Beteiligungsgesellschaft Qatar Holding erwirbt zehn Prozent der Stammaktien der Holding-Gesellschaft Porsche SE aus dem Besitz der Familiengesellschafter. Die Vereinbarung sieht zudem vor, dass Katar den Großteil der Optionen auf Volkswagen-Aktien übernimmt, die Porsche zuletzt so große Schwierigkeiten bereiteten. Die Porsche-Aktie gewann 8,74 Prozent auf 48,50 Euro.

Mit seinem Bericht zum dritten Geschäftsquartal rückte Thyssen-Krupp in den Blick der Investoren. Die Wirtschaftskrise hatte Deutschlands größten Stahlhersteller zwar noch tiefer als prognostiziert in die roten Zahlen gerissen und auch der Ausblick auf das am 30. September zu Ende gehende Geschäftsjahr wurde noch pessimistischer. Doch Commerzbank-Analyst Dirk Nettling verwies auf den um Sondereffekte bereinigten Vorsteuerverlust, der mit 452 Millionen Euro etwas besser als erwartet ausfiel. Den gesenkten Ausblick des Konzerns habe er erwartet, schrieb der Experte. Die Aktie gewann als zweitbester Wert im Dax 2,07 Prozent auf 23,15 Euro.

Im MDax stiegen die Anteilsscheine von Hochtief um 3,70 Prozent auf 45,96 Euro. Der Bau- und Dienstleistungskonzern hatte im zweiten Jahresviertel zwar weniger verdient als im Vorjahr, kommt aber dennoch besser durch die weltweite Rezession und Finanzkrise als erwartet. Für das Gesamtjahr 2009 bestätigte das Unternehmen seinen Ausblick. Speziell das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sowie der Nettogewinn sähen gut aus, sagte ein Börsianer. Er lobte auch den bekräftigten Ausblick.

Der IVG Immobilien AG gelang es im zweiten Quartal nicht, aus den roten Zahlen zu kommen, was die Aktie um 1,17 Prozent auf 5,91 Euro fallen ließ. Eine Prognose für das laufende Jahr wagte das Unternehmen denn auch weiter nicht. Ein Händler nannte die Zahlen etwas besser als erwartet. Vor allem der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) sehe gut aus. Ein Analyst riet indes den Marktteilnehmern, ihre bisherigen Gewinne mitzunehmen, da er mit schwächeren Kursen in den kommenden Tagen rechne.

Papiere von SMA Solar gehörten nach guten Zahlen und optimistischen Zukunftsaussagen nur in den ersten Handelsstunden zu den Favoriten der Anleger im TecDax. Zum Auftakt waren die Titel des auf Wechselrichter spezialisierten Solartechnik-Herstellers noch bis auf 60,00 Euro gestiegen - an dieser Marke waren sie in den vergangenen Tagen und Wochen indes schon mehrfach abgeprallt. Dann bröckelten die Gewinne ab und zum Schluss verlor die Aktie 3,06 Prozent auf 55,21 Euro. Ein Händler vermutete Stop-Loss-Orders, mit denen Verkaufsaufträge ausgeführt werden, sobald eine Aktie einen bestimmten Kurs unterschreitet. Zahlen und Ausblick des Unternehmens fanden indes den Beifall der Börsianer.

Nachrichten gab es auch zu Infineon . Abgesehen davon, dass die Aktie Index-Experten zufolge als erneuter Dax-Aufsteiger im September gilt, hat die russische Regierung die beiden deutschen Halbleiterfirmen Infineon und Qimonda ins Visier. Potenzielle Investitionen in den bayerischen Chipkonzern und dessen insolvente Tochter hätten strategischen Charakter, sagte Russlands Staatschef Dmitri Medwedew nach einem Treffen mit Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der russische Mischkonzern Sistema brachte sich erneut als möglicher Interessent für den Chiphersteller ins Gespräch. Infineon-Aktien gewannen als TecDax-Spitzenreiter 4,85 Prozent auf 3,240 Euro.

Der Aktienumsatz aller Dax-Werte fiel auf 85,1 (Donnerstag: 89,4) Millionen Stück. Das Umsatzvolumen erhöhte sich auf 2,75 (2,73) Milliarden Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%