Marktschlussbericht: Börse Frankfurt
Dax rutscht mehr als 130 Punkte ab

Der Dax hat seine Verluste am Dienstag im späten Handel weiter ausgebaut. Das Minus betrug am Schluss rund zweieinhalb Prozent, auch die Marke von 5 300 Punkten hielt nicht. An der Wall Street geht die Reise ebenfalls talwärts. Es sind die aktuellen Konjunkturdaten aus den USA, die neue Befürchtungen wecken.

HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Wieder aufkeimende Unsicherheit über die konjunkturelle Erholung hat die Aktienmärkte am Dienstag auf Talfahrt geschickt. Der Dax beschleunigte am Nachmittag seine Talfahrt und ging 2,4 Prozent oder 132 Punkte tiefer bei 5 285 Zälern aus dem Handel. Alle 30 Dax-Werte schlossen im Minus, den größten Tagesverlust verbuchten die Papiere von Adidas. Sie gaben 4,8 Prozent auf 31,83 Euro nach.

Nur die Technologiewerte konnten sich gegen den Abwärtstrend stemmen. Der MDax verlor 2,18 Prozent auf 6 315 Punkte. Dagegen behauptete der TecDax Kursgewinne von 0,46 Prozent auf 682 Punkte.

Die unerwartet deutlich gestiegene Produktivität gab vorbörslich nur kurz positive Impulse, stark gesunkene Lagerbestände im Großhandel gaben kurz nach Eröffnung einen weiteren Dämpfer. "Es kommen Befürchtungen auf, dass der konjunkturelle Aufschwung nicht so schnell kommt wie erwartet", sagte ein Börsianer. Der Europa-Index Stoxx 50 sank um 1,2 Prozent. Auch an der Wall Street fiel das Minus geringer als in Frankfurt aus. Die Tendenz im deutschen Leitindex sei aber insgesamt weiter positiv, die steigenden Kurse sorgten allerdings auch zunehmend für kurzfristiges Rückschlagpotenzial, sagte Thomas Stengl von der Postbank.

Ähnlich äußerte sich auch Fidel Helmer, Chefhändler bei Hauck & Aufhäuser: "Heute ist es wirklich schwierig, etwas zum Markt zu sagen, es tut sich angesichts der auslaufenden Berichtssaison sehr wenig und die Umsätze sind so gering wie lange nicht mehr." Nachdem die Kurse fünf Wochen lang fast ungebrochen zugelegt hätten, "kann eine technische Korrektur auch einmal zwei oder drei Tage lang dauern", sagte Helmer. Einen Belastungsfaktor sah er zudem im schwächelnden Euro. Längerfristig ist der Experte für die Börsen jedoch optimistisch: "Viele institutionelle Anleger sind noch nicht investiert und warten auf solche günstigen Einstiegsgelegenheiten wie heute."

Ein Auslöser für die wieder erwachte Skepsis der Anleger waren US-Konjunkturdaten. Zwar war die Produktivität der US-Wirtschaft deutlich gestiegen, Grund dafür war allerdings die derzeit rollende Entlassungswelle. "Es gibt Befürchtungen wegen der stark rückläufigen Lohnstückkosten. Das ist nicht gut für den US-Konsum", sagte ein Händler. Der Konsum gilt als wichtigste Stütze der US-Wirtschaft. Börsianern zufolge waren Anleger zudem zum Auftakt der zweitägigen Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Fed verunsichert. Zwar erwarten Analysten keine Änderung bei den Zinssätzen. Der Fokus dürfte statt dessen auf Aussagen liegen, wie die Notenbank das viele Geld, das sie als Gegengift gegen Finanzkrise und Rezession verabreicht hat, wieder aus dem Markt abziehen will.

CIT verschiebt Bilanzvorlage und drückt Finanzwerte

Die Papiere des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp verbuchten einen Abschlag von 4,6 Prozent, was Händler auch mit charttechnischen Faktoren begründeten. "Technisch betrachtet ist der Aufwärtskanal angekratzt. In so einer Situation streichen Anleger häufig Gewinne ein", sagte ein Händler. Seit Mitte Juli hatten die Papiere rund ein Drittel an Wert gewonnen. Die Aktien des Konkurrenten Salzgitter verloren 4,4 Prozent. Die Papiere des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer büßten vier Prozent ein. Gerüchte über eine angebliche Kapitalerhöhung drückten, obwohl das Unternehmen diese dementierte.

Verkauft wurden insbesondere Aktien von konjunkturabhängigen Unternehmen und aus der Finanzbranche. Auf den Finanzwerten lasteten Nachrichten von der angeschlagenen US-Mittelstandsbank CIT. Sie kündigte an, Gläubigerschutz zu beantragen, falls sie nicht genügend Gebote für ihre Mitte August fällige Anleihe bekomme und sie sich auch anderweitig kein Kapital besorgen könne. CIT-Aktien stürzten um 20 Prozent ab. In Europa gab der DJ-Branchenindex für Banken 2,3 Prozent nach. Im Dax verloren Deutsche Bank 4,7 Prozent und Commerzbank 4,5 Prozent.

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