Marktschlussbericht: Börse Frankfurt
Dax schließt rund drei Prozent schwächer

Der deutsche Aktienmarkt ist am Montag erneut auf Talfahrt gegangen. Die Stimmung sei trüb gewesen und durch die schwachen Börsen in den USA belastet worden, sagten Händler.

HB FRANKFURT. Der Dax schloss mit minus 3,25 Prozent bei 4 557 Punkten. Der MDax mittelgroßer Werte büßte 2,23 Prozent auf 5 253 Zähler ein. Der TecDax verlor 1,59 Prozent auf 495 Punkte. „Die Anleger scheinen sich verstärkt vom Markt zurückzuziehen“, sagte ein Händler und verwies darauf, dass der Handel „so umsatzlos war wie seit Tagen nicht mehr“.

Er rechnet allerdings am Dienstag wieder mit einer Belebung, da wichtige US-Konjunkturdaten wie etwa die Erzeugerpreise und die wöchentlichen Einzelhandelsdaten veröffentlicht werden. Hinsichtlich des G-20-Gipfels vom Wochenende merkte Marktstratege Fidel Helmer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser an, dass sich allein durch dieses Treffen die Brisanz der globalen Wirtschaftssituation nicht verändert habe. Die zählbaren Ergebnisse des Treffens müssten sich noch herauskristallisieren.

"Viele institutionelle Anleger haben mit dem Börsenjahr geistig bereits abgeschlossen. Da wird in den kommenden Wochen vielleicht noch einmal die eine oder andere Position glattgestellt. Ansonsten halten sie die Füße still", klagte ein Händler. Bis zum Mittag hatte der Aktienumsatz aller 30 Dax-Werte lediglich bei rund 32 Millionen gelegen. An einem Durchschnittstag wechseln allein so viele Papiere der Deutschen Telekom den Besitzer. Auch an der Wall Street sackten die Kurse in den ersten Handelsstunden ab. Der Dow-Jones-Index verlor mehr als 2,5 Prozent auf 8 270 Punkte. Die 8 000er Marke rückt damit wieder bedrohlich nahe.

Gegen den Trend legten die Aktien von Continental zu. Die Papiere des Autozulieferers, die schon am Freitag 27 Prozent gewonnen hatten, stiegen erneut um bis zu 15,3 Prozent auf 42,99 Euro, kamen dann aber wieder zurück. Zuletzt stand ein Plus von rund drei Prozent zu Buche. Händler nannten einen anhaltenden Angebotsengpass aufgrund von Deckungskäufen ("Short Squeeze") als Auslöser des Kurssprungs. "Viele hatten gezweifelt, dass Schaeffler die Conti-Übernahme stemmen kann, und Conti-Papiere leer verkauft", sagte ein Börsianer. "Da der Verfall naht, müssen sie sich mit den Papieren wieder eindecken, um sie an die Verleiher zurückzugeben."

Zu den Favoriten gehörten lange Zeit die Autobauer. "Nachdem der designierte US-Präsident Barack Obama angedeutet hat, die Unterstützung für die US-Autobauer auszuweiten, hoffen einige Leute auf Ähnliches von der Bundesregierung", sagte ein Börsianer. Die Bundeskanzlerin wollte sich am Nachmittag mit der Opel-Spitze treffen, um über die Möglichkeit von Hilfen für die Rüsselsheimer GM-Tochter zu beraten."

Gefragt waren BMW, die sich um ein Prozent verteuerten. Merrill Lynch hat die Papiere auf die Empfehlungsliste "Europe 1" gesetzt. Daimler legten nach einem Bericht über ein neues Sparprogramm zunächst bis zu drei Prozent zu, rutschten dann aber ins Minus. Die Aktien von Volkswagen verloren zeitweise bis zu zehn Prozent, erholten sich dann aber wieder ein wenig. "Es gibt keine kursrelevanten Nachrichten", sagte ein Börsianer. "Die Papiere fallen nach den Kurskapriolen der vergangenen Wochen auf ein normaleres Maß zurück."

Im Nebenwerte-Index MDax brachen die Titel von HeidelbergCement nach Medienberichten über Fehlspekulationen von Großaktionär Adolf Merckle um bis zu 22 Prozent ein. "Solch eine Nachricht über einen Großaktionär bleibt natürlich nicht ohne Folgen für das Unternehmen", sagte ein Händler. Merckle hält rund 80 Prozent der Anteile an dem hoch verschuldeten Zement-Hersteller. Nach Aussagen informierter Personen hat Merckle 400 Mio. Euro mit der Spekulation auf fallende VW-Kurse verloren. Die "FAZ" berichtete von Verlusten mit Dax-Papieren von insgesamt einer Milliarde Euro.

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